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| 12:57 Uhr

Interview
„Das Beste für die Stadt schaffen“

Die neue Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek an ihrem neuen Arbeitsplatz im Rathaus.
Die neue Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek an ihrem neuen Arbeitsplatz im Rathaus. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Die neue Forster Bürgermeisterin über ihre ersten zwei Wochen Amtszeit und die Zukunft.

Frau Taubenek, haben Sie sich schon etwas eingelebt – beziehungsweise hatten Sie überhaupt Zeit dazu?

Taubenek Eigentlich nicht. Die Zeit war geprägt von sehr vielen Terminen, die sich logischerweise in den Jahreskalender der Stadt Forst einordnen – ob das der Pfingstpreis der Steher war, die Generalversammlung der Volksbank Spree-Neiße, das Jubiläum der Schwarzen Jule oder die Vorbereitung der zweiten Kinder- und Jugendversammlung Ende des Jahres. Dann gibt es viele Einzelgespräche, ob mit der Wirtschaftsförderung oder den Verwaltungsvorständen – das ist sehr vielfältig, und ich muss mich in die meisten Themen ja erst einarbeiten. Aber es ist alles sehr interessant.

Ist die Arbeit und die Fülle der Themen als Bürgermeisterin bisher so, wie Sie es sich vorgestellt haben – oder doch ganz anders?

Taubenek Ich muss mich einfach recht zügig von dem Gedanken verabschieden, dass ich hier tagtäglich die Arbeit erledigen kann. Das habe ich aber von vornherein gesagt, dass das mit die größte Herausforderung für mich werden wird. Ich bin derzeit dabei  einzuordnen, welche Themen auf der Ebene des Bürgermeisters anzusiedeln sind oder was beispielsweise die Verwaltungsvorstände erledigen können. Aber im Moment versuche ich, so viele Termine wie möglich wahrzunehmen, um relativ zügig einen Einblick in die einzelnen Themen zu bekommen.

Inwieweit unterscheidet sich Ihrer Ansicht nach die Arbeit in der Stadtverwaltung von der in der Polizeiverwaltung?

Taubenek Es ist logischerweise vom Inhalt her komplett anders, aber von den Abläufen her – dass man beispielsweise mit den jeweiligen Leitern spricht und es turnusmäßige Gespräche gibt – ähnlich. Auch bei der Stadt kann es wie bei der Polizei zu unplanbaren größeren Ereignissen wie dem Bombenfund im vergangenen Jahr kommen, auf die man vorbereitet sein muss.

Gab es bereits etwas, beispielsweise in der Arbeitsweise der Stadtverwaltung, das Sie überrascht hat?

Taubenek Nein, es ist ähnlich wie in der Polizei. Einiges dauert seine Zeit, weil bestimmte Abläufe einfach nicht beschleunigt werden können. Was ich aber positiv wahrgenommen habe, ist, dass mir beispielsweise Mitarbeiter Tipps gegeben haben, wie ich zu einem bestimmten Thema am besten vorgehen könnte. Ich gehe nächste Woche auch nochmal in die einzelnen Bereiche, stelle mich vor und ermuntere die Mitarbeiter, mir mitzuteilen, wenn ihnen etwas unter den Nägeln brennt. Vieles läuft gut, aber man kann sicher Einiges noch besser machen. Und dafür habe ich immer eine offene Tür. Dann werden wir sicher einen guten Weg finden, hier das Beste für die Stadt zu schaffen und sie weiter nach vorne zu bringen.

Wie sieht es mit der Beteiligung der Bürger aus?

Taubenek Ich hoffe, dass wir eine Möglichkeit finden, die Forster besser mit einzubeziehen, ihnen ein Forum für Ideen, aber auch Probleme zu geben. Ein sehr gutes Beispiel war der kleine Naturgipfel in der vergangenen Woche, der viele Menschen aus den verschiedenen Bereichen zusammengebracht hat. Deshalb wollen wir die Veranstaltung auch im Herbst wiederholen und Hinweise für das Frühjahr geben: Was hilft den Imkern, was den Kleingärtnern, welche Rasenflächen müssen nicht unbedingt kurz getrimmt werden? Die Menschen müssen merken, dass sich die Stadtverwaltung kümmert. Ich denke auch, dass man den Bürgern bestimmte Verwaltungsprozesse besser erklären sollte, damit sie wissen, warum einiges so lange dauert.

Hat es schon Gespräche mit den Forster Fraktionen gegeben?

Taubenek Einige Vertreter waren kurz hier, aber ich werde sicher nochmal Einzelgespräche im Vorfeld der nächsten Stadtverordnetenversammlung führen, die am 29. Juni tagt.

Sie sind mit Ihrem Amt jetzt mehr in die Öffentlichkeit gerückt als bei der Polizei. Wie finden Sie das?

Taubenek Wenn ich ein introvertierter Mensch wäre, hätte ich mich nicht für das Amt entschieden. Ich fühle mich nicht unwohl dabei. Die Menschen sprechen mich auch an, das finde ich gut.

Hat sich Ihr Blick auf die Stadt Forst verändert, seit Sie Bürgermeisterin sind?

Taubenek Nein, eigentlich nicht, ich hatte ja vorher auch einen positiven  Blick auf Forst. Ich denke nach wie vor, dass die Stadt Potenzial hat, dass es vielleicht eine Rückbesinnung auf die Vorteile von Ruhe und Natur gibt. Ich bin überrascht, dass es so viel mehr Veranstaltungen in Forst gibt – hier müsste geschaut werden, woran es liegt, dass doch viele Bürger oft nicht hingehen.

Wollen Sie bestimmte Sachen anders angehen als Ihre Amtsvorgänger?

Taubenek Ich werde die Sachen anders angehen, weil ich es anders gelernt habe zu führen und  weil ich wie bei der Polizei Seiteneinsteiger bin. Zudem bin ich charakterlich schlicht ein anderer Mensch. Ich werde auf die Hinweise der Mitarbeiter und der Stadtverordneten vielleicht auch anders reagieren als meine Vorgänger.

Welche Themen werden Sie als erstes anpacken?

Taubenek Neben den aktuellen Terminen werde ich versuchen, langfristig Visionen aus meinem  Wahlkampf anzugehen, zum Beispiel eine schnelle Bahnanbindung an Berlin. Auch das Thema schnelles Internet halte ich für sehr wichtig – gerade auch hinsichtlich der Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen in der Stadt. Forst muss auch landesweit wieder mit seinen Vorzügen ins Gespräch kommen.

Mit Simone Taubenek sprach
Steffi Ludwig.