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| 02:34 Uhr

Die Männer und das Planschbecken

FOTO: Steffen Beyer/sby1
Cottbus. Die White Devils Cottbus haben im Heimspiel der 1. Regionalliga gegen den SSV Lok Bernau eine Überraschung verpasst. Vor 350 Augenzeugen in der Lausitz-Arena hatte der Aufsteiger mit 68:81 das Nachsehen gegen den Tabellendritten und Ex-Trainer René Schilling. Ausschlaggebend für die Niederlage war die magere Trefferquote von nur 40 Prozent. Steven Wiesner

Es ist erst eine Woche her, dass Amerikas NBA-König LeBron James einen persönlichen Rekord aufstellte, indem er zum 124:107 gegen die Charlotte Bobcats biblische 61 Punkte beisteuerte, und dabei nicht weniger als acht Dreier im Netz eintauchten. Im Nachhinein verriet die Lichtgestalt der Miami Heat: "Ich hatte einfach ein gutes Gefühl. Es war so als musste ich nur einen Golfball in einen Ozean werfen."

Ein solches Gefühl hätten wohl auch die White Devils Cottbus am Sonntag gern gehabt, als sie dem SSV Lok Bernau im zum Spiel des Jahres erkorenen Brandenburg-Derby gegenüberstanden, in dem der Tabellenvierte der 1. Regionalliga den Drittplatzierten empfing. Doch schon Thomas Krausches Airball beim ersten Versuch ließ zügig den Schluss zu, dass die Devils wohl im besten Falle auf ein mittelgroßes Planschbecken zielten. Nach Spielschluss stand eine 40-prozentige Trefferquote aus dem Feld, von 27 Versuchen jenseits der Drei-Punkte-Linie fanden gar nur fünf ihr Ziel. "Ich glaube nicht, dass die Jungs nervöser waren als sonst", sagte Trainer Steven Herfurth, "aber vielleicht wollten wir diesmal einfach ein bisschen zu viel."

Es war schließlich kein normales Spiel für die Lausitzer. So ging es für den besten Aufsteiger der Liga nicht nur darum, den Barnimern, für die Ex-Devil Dominique Klein vier Punkte verbuchte, die Rolle als zweite Kraft in Brandenburg streitig zu machen. Er wollte zuallererst seinem ehemaligen Übungsleiter René Schilling beweisen, dass man seit dessen Abgang vor anderthalb Jahren nicht stagniert, sondern sich sehr wohl weiterentwickelt hat.

Doch vermochten die "Teufel" besagte Anspannung schlicht zu selten zu kanalisieren und nahmen häufig unvorbereitete Würfe, die kaum dazu führten, das Punktekonto zu füllen. Einzig im dritten Viertel, als die Cottbuser den 33:43-Halbzeit-Rückstand etwas korrigieren und Bernau beim Stand von 39:45 eine Auszeit aufzwingen konnten, lag so etwas wie eine Außenseiterchance in der Luft. Doch genauso schnell verzog sich der wohltuende Duft wieder und der SSV erstickte etwaige Cottbuser Aufmüpfigkeit synchron zur Sirene mit einem Dreier aus der eigenen Hälfte. "Wir haben uns in dieser Phase gut zurückgekämpft, hatten insgesamt aber große Probleme unterm Korb und haben zu viele Rebounds verschenkt", bemängelte Herfurth. Der konnte zwar wieder auf Tim Beck zurückgreifen, der erstmals nach seiner Sperre wieder an Bord war, mitnichten aber den arbeitsbedingt ausgefallenen Center Michael Möbes ersetzen.

Und so wurde es für René Schilling, der erstmals als Gegner in der Lausitz-Arena gastierte, nicht nur eine emotionale Rückkehr in seine Heimatstadt - sondern auch eine erfolgreiche. Wenngleich auch er zeitweise nicht so aussah, als würde er sich großartig amüsieren. "Wir haben nicht so gespielt, wie ich mir das vorstelle. Und gerade bei einem Team wie den Devils, das nie aufsteckt, kann das gefährlich werden." Insofern zappele er bei drei Punkten Vorsprung genauso an der Seitenlinie herum wie bei 20. "Wenn ich das nicht machen würde, wäre ich fehl am Platz."

Und letztlich konnten sich die White Devils trotz mangelnden Fortunes und 68 erspielten Zählern zumindest damit trösten, in der Gemeinschaft noch sieben Punkte mehr erzielt zu haben als LeBron James. Besser als nichts.