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| 16:17 Uhr

Schicksal
„Mein Sohn wird mir helfen“

Denise aus Forst hofft nun, mit der Stammzellspende ihres Sohnes den Krebs zu besiegen.
Denise aus Forst hofft nun, mit der Stammzellspende ihres Sohnes den Krebs zu besiegen. FOTO: Lucia Laurenz
Forst. Die krebskranke Forsterin Denise unternimmt nun eine ganz besondere Behandlung. Von Steffi Ludwig

An ihrem Schicksal hatten nach der Bekanntmachung in den Medien Tausende teilgenommen, und mehr als 1000 Menschen hatten sich bei der großen Aktion am 10. September in Forst als neue Stammzellspender registrieren lassen. Doch leider ist für die Forsterin Denise, die zum dritten Mal an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist, kein genetischer Zwilling dabei gewesen.

Aber wie die 40-Jährige dieser Tage im sozialen Netzwerk Facebook mitgeteilt hat, habe sie sich nun auf Rat der Ärzte zu einer ganz besonderen Behandlung entschlossen: „Mein Sohn wird mir helfen – er wird mir seine Stammzellen spenden. Denn diese sind ja zur Hälfte mit mir identisch. Aus diesem Grund werde ich nach der Transplantation spezielle Medikamente bekommen“, bestätigt Denise, die gerade in Dresden im Krankenhaus ist, gegenüber der RUNDSCHAU.

Momentan unterziehe sie sich in Dresden einer Chemotherapie, die ihr eigenes Immunsystem herunterfahre: „Das ist wichtig, damit die neuen, gesunden Stammzellen Platz haben und gut neu anwachsen können.“ Im Anschluss würden dann die Stammzellen transplantiert. Das geschehe über einen Tropf. Ihr 14-jähriger Sohn werde ambulant, wie bei einer Blutplasmaspende, seine Zellen abgeben, berichtet Denise. Das dauere etwa drei Stunden. „Danach darf er wieder heim. Innerhalb von 14 Tagen haben sich bei ihm die entnommenen Stammzellen vollständig neu gebildet“, teilt sie mit.

Zu der Stammzellspende überredet werden musste ihr Sohn aber nicht: „Wir haben von Anfang an offen mit ihm gesprochen. Auch war er bei Informationsgesprächen bei den Medizinern dabei und ihm stand die Entscheidung frei. Natürlich haben wir viel mit der ganzen Familie alle Möglichkeiten diskutiert und uns dann gemeinsam mit ihm für diesen Weg entschieden.“

Momentan sei sie in sehr guter Verfassung, vor einigen Wochen war bei einer Untersuchung in Dresden sogar festgestellt worden, dass keine Krebszellen mehr zu sehen waren. „Da bei mir der Krebs aber schon mehrfach wiedergekehrt ist, ist die Stammzellenspende der einzige Weg, um wieder wirklich gesund zu werden“, berichtet die 40-Jährige. Ohne diese Therapie sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, erneut zu erkranken.

Bereits im Jahr 2009 war sie zum ersten Mal an Lymphdrüsenkrebs erkrankt, damals hatten sechs Chemotherapien gut angeschlagen. Als der Krebs nach zwei Jahren zurückkehrte, konnte sie sich mit ihren eigenen Stammzellen helfen und galt seit Januar diesen Jahres als geheilt. Doch dann hatte sie im Juni die schlimme Nachricht ereilt: Der Krebs war zum dritten Mal zurückgekehrt.

Dass bei der großen Registrieraktion in Forst kein genetischer Zwilling dabei war, enttäusche sie überhaupt nicht, so die Forsterin. „Im Gegenteil, ich bin sehr stolz auf jeden einzelnen, der sich registrieren ließ. Sicher ist es nicht einfach, seinen genetischen Zwilling zu finden.“ Der Forster Arzt Dr. Torsten Schüler hatte damals die Trefferquote unter günstigen Voraussetzungen mit 1:20 000 beziffert, sie könne aber auch bei 1:xMillionen liegen.

„Aber man muss einfach jede Chance nutzen“, sagt Denise. „Vielleicht können die Menschen, die mir helfen wollten, ja andere Leben retten. Das wäre doch fantastisch!“ Denn die Spender bleiben in der großen Spenderdatei der DKMS bestehen. Deshalb ruft sie auch auf, sich für den 26-jährigen Cottbuser Benjamin, der an Blutkrebs erkrankt ist, registrieren zu lassen: am Sonntag, 19. November, im Familienhaus Cottbus (Am Spreeufer 14) und zwar von  11 bis 16 Uhr.

Nun hofft die Forsterin, mithilfe ihres Sohnes ihren „unerwünschten Untermieter“ endlich zu vertreiben. „Die Zellen meines Kindes werden mir viel Kraft geben“, schreibt sie hoffnungsvoll auf ihrer Facebook-Seite. „Aber auch mein Mann ist mir jederzeit eine enorme Hilfe, die mich täglich begleitet – wie auch die guten Gedanken von Freunden und weiteren Menschen, die mich in vielfältiger Form erreichen, beispielsweise in  zahlreichen liebevoll geschriebenen und gebastelten Briefen.“

Denise aus Forst
Denise aus Forst FOTO: Lucia Laurenz