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Die Klimadaten aus dem Garten

In ihrem Garten messen Enrico Schnick und sein Vater Bernd Bigalke für den Deutschen Wetterdienst täglich die Niederschlagsmenge.
In ihrem Garten messen Enrico Schnick und sein Vater Bernd Bigalke für den Deutschen Wetterdienst täglich die Niederschlagsmenge. FOTO: kkz
Klein Bademeusel. An jedem Morgen zur gleichen Zeit geht Bernd Bigalke in den hinteren Teil seines Gartens. Sein Ziel ist ein etwa 50 Zentimeter hoher Edelstahlzylinder. Katrin Kunipatz

Dessen Öffnung ist genau zehn Quadratzentimeter groß. Alle Regen- und Tautropfen - im Winter auch Schneeflocken - die in dem Zylinder landen, leitet ein Trichter in den darunter befindlichen Auffangbehälter. Diesen leert der Rentner in einen Messzylinder aus. So kann er exakt ablesen, wie viel Niederschlag in den vergangenen 24 Stunden gefallen ist. Zusätzlich notiert er, ob es Regen, Schnee, Hagel oder Graupel war.

Was wie ein ausgefallenes Hobby klingt, hat einen wissenschaftlichen Hintergrund. Die Niederschlagsmessstation im Garten hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) aufgestellt. Sie ist Teil eines deutschlandweiten Netzwerks. Flächendeckend erfasst der DWD auf diese Weise verschiedene Wetterdaten. "Wichtig sind die Messergebnisse für die Klimaforschung", erklärt Grit Rumpelt, Wetterdiensttechnikerin in Potsdam. "Verwendet werde die Daten aber auch für Gutachten bei Versicherungsfällen." Selten seien sie Teil der Medienberichterstattung, meist nur beim Rückblick auf extreme Wetterereignisse.

Zur Erfassung dieser Daten greift der DWD auf ehrenamtliche Niederschlagsmesser zurück. Enrico Schnick und sein Vater Bernd Bigalke waren gerade nach Klein Bademeusel gezogen, als sie in der RUNDSCHAU den Aufruf des DWD lasen. Wenige Wochen nach der Anmeldung wurde im März 2014 der Messzylinder aufgestellt und nach einer Einweisung begann die tägliche Datenerfassung.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich Enrico Schnick und sein Vater nur wenig für Wetterdaten interessiert. Im Bergbau und später bei der Rekultivierung nutzte Bernd Bigalke die Wettervorhersagen, um beispielsweise den richtigen Zeitpunkt für Pflanzmaßnahmen zu planen. Für Enrico Schnick, Sprengmeister beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, ist das Wetter eher Nebensache. Doch die Nähe zur Neiße und die Hochwassergefahr bei Extremniederschlägen weckte sein Interesse.

Seitdem wissen beide: Eine Messstation für Niederschläge gibt es in Klein Bademeusel seit 1978, aber schon seit 1963 werden die Niederschlagsmengen erfasst. Die bisher größte Regenmenge fiel am 8. August 1978: 113,3 Milliliter wurden damals gemessen, dies entspricht 113 Liter pro Quadratmeter. Der höchste Wert in der eigenen Messreihe war 49,9 Milliliter am 14. Juli 2016. Aber auch die Regentage der vergangenen Wochen brauchen sich nicht verstecken: Von Montag zu Dienstag fielen innerhalb von 24 Stunden 35,7 Milliliter Regen. Auffällig in diesem Jahr sei ein sehr trockener Mai, resümiert Bernd Bigalke nach einem Blick in die Tabellen. Gerade mal 17,3 Liter pro Quadratmeter fielen im ganzen Monat. Der Juli bringt es - obwohl noch einige Tage fehlen - schon auf 88,8 Liter.

Neben der Routine ist in den Jahren auch die Neugier auf die Ergebnisse gewachsen. "Gerade wenn Niederschlag gefallen ist, bin ich auf die Menge gespannt", sagt Bernd Bigalke. Nur eins fällt ihm auch nach drei Jahren noch nicht leicht; den Schneebedeckungsgrad einzuschätzen. Für die Schneehöhe wiederum gibt es Messhilfen.