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| 02:35 Uhr

Die Hedwigsschwester halfen den Müttern vieler hundert Kinder

Vier von 14 Hedwigsschwestern vom Konvent in Döbern: Oberin Schwester Virginia Prothmann, die Schwestern Vita Mehl, Euthymia Barkowski und Cäcilia Kaese (von links).
Vier von 14 Hedwigsschwestern vom Konvent in Döbern: Oberin Schwester Virginia Prothmann, die Schwestern Vita Mehl, Euthymia Barkowski und Cäcilia Kaese (von links). FOTO: Raphael Schmidt/rst1
Döbern. Die Kindertagesstätte "St. Martin" fällt aufgrund des knallig-gelben Äußeren auf. Ebenso wie die vier Ordensschwestern in schwarz-weißen Kleidern und mit blauen Schleiern. Sie wohnen mit zehn Mitschwestern gegenüber der Kita in den Mauern des Alten – und Pflegeheims St. Hedwig. Etwa 90 Menschen werden dort von Hedwigschwestern gepflegt. Raphael Schmidt / Raphael Schmidt/rst1

Das war nicht immer so. Als die Hedwigschwester Virginia Prothmann im November 1957 nach Döbern kam, hat sie bis 1962 auf der Entbindungsstation gearbeitet, bis die Station aufgelöst wurde. "Das hat mir sehr leid getan, denn ich habe sehr gern bei den Säuglingen gearbeitet, sie versorgt, zu den Müttern gebracht", sagt die heutige Oberin, die Krankenschwester ist. "Bei uns wurden 180 bis 260 Kinder in einem Jahr geboren. Das ist etwas ganz Besonderes, wenn ein Mensch zur Welt kommt und es von der Mutter in Liebe angenommen wird. Jedes Kind ist irgendwie anderes: Es war immer ein Ereignis, immer schön", sagt sie.

Hedwigsschwester und Kinder, das ist nicht voneinander zu trennen. So auch in Döbern. Die 1896 erbaute Villa erhielt die Pfarrgemeinde Döbern als Geschenk für soziale Zwecke. Sie wurde 1926 mit dem Einzug der ersten Hedwigsschwester eröffnet, 1937 und mehrfach erneuert. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden weitere Gebäude von der Kommune gepachtet. Nach 1945 ist es Krankenhaus, Entbindungs- und Wöchnerinnenstation sowie Altenheim. Die Wöchnerinnenstation schließt der Staat 1962, das Krankenhaus ist ab 1984 geschlossen. 1983 bis 1986 und 1997 bis 1999 wurde das Haus jeweils neu erbaut und seitdem ist es Alten- und Pflegeheim.

Patronin ist die heilige Hedwig von Schlesien, die aus Andechs in Bayern stammt. "Sie hat Brücken gebaut in ihrer Beziehung zu Gott, zu den Menschen und in Beziehung zwischen den Menschen und zwischen den Völkern", sagt Hedwigschwester Virginia. "Sie hat aus Ihrem Glauben gelebt und überall dort gewirkt, wo Menschen in Not waren."

Die Ordensgemeinschaft wurde am 14. Juni 1859 von dem Breslauer Priester Robert Spiske (1821-1888) gegründet. Am 12. Januar 1931 wird die Kongregation der Hedwigschwestern von Papst Pius IX. endgültig bestätigt. Er sagte damals: "Gott segne das Senfkorn, auf das es zu einem großen Baum heranwachse", erinnert sich die Oberin. Dieser Satz wurde das Leitwort des Ordens.

Inzwischen sind die vier Schwestern in der Kapelle des Hauses angekommen, um zu beten. Unter ihnen ist Schwester Cäcilia Kaese. Sie hat 56 Jahre bei Kindern gearbeitet. "Wir sind unser Leben lang aktiv gewesen. Jetzt, im Ruhestand, haben wir mehr Zeit aktiv zu sein beim Beten", sagt Cäcilia Käse. Für sie ist das Gebet ist "eine Kraft, ist Energie, die man zwar nicht sehen kann, aber die da ist, so wie sich Menschen über den Atlantik mit Mobiltelefonen unterhalten können".

Keine von ihnen hat den Schritt, in den Orden zu gehen, bereut. "Bei uns ist keine einsam. Und lustig geht es bei uns auch zu", sagt Schwester Cäcilia. "Klar, es kann vorkommen, dass sich jemand mal zurückzieht, wir sind ja alle Menschen. Aber das ist selten." Die anderen drei Schwestern stimmen ihr zu. "Das Gebet hält uns zusammen und es stärkt für jeden Tag. Und die heilige Messe", sagt Schwester Vita Mehl. "Es kommen Menschen zu uns und bitten: Schwester, beten sie für uns. Das tun wir", sagt sie und erinnert an Werden und Vergehen: "Hier in diesem Haus sind Menschen geboren worden, haben hier gearbeitet und sind hier gestorben". Schwester Euthymia Barkowski ist der "Glaube in die Wiege gelegt worden, von klein auf, soweit ich zurückdenken kann. Ich kann es mir nicht vorstellen, ohne ihn, ohne Gott zu leben".

Für die vier Hedwigsschwestern, die in Summe weit über 200 Ordensjahre zusammenbringen und ihre Mitschwestern sind kleine Kinder das Größte, das Gott geschaffen hat. Sie sind dankbar, dass sie dabei sein konnten beim Wachsen und Reifen. Darum freuen sie sich immer über Besuche von der Kita gegenüber.