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| 14:58 Uhr

Gross Jamno
Aus 15 Metern ins Polster

 Katrin Kraljic schlüpfte für eine Modenschau  zum Jubiläum und Dorffest in Groß Jamno in eine Feuerwehr-Uniform der 60er-Jahre.
Katrin Kraljic schlüpfte für eine Modenschau zum Jubiläum und Dorffest in Groß Jamno in eine Feuerwehr-Uniform der 60er-Jahre. FOTO: Margit Jahn
Gross Jamno. Die Groß Jamnoer haben Feuerwehrjubiläum und ihr Dorffest gefeiert. Von Margit Jahn

In den jetzigen heißen und knistertrockenen Zeiten sind sie oft zu hören: die Sirenen. Beginnen sie laut zu jaulen, halten nicht wenige Menschen für einen kurzen Moment inne und hoffen, dass nicht ihr eigenes Hab und Gut Opfer der Flammen wurde. Seit genau 85 Jahren gibt es die Freiwillige Feuerwehr Groß Jamno. Die Zahl nahm die Gemeinschaft zum Anlass, mit vielen Gästen ausgiebig zu feiern. Gleichzeitig galt die gesellige Runde als Dorffest, das viele Helfer seit Tagen vorbereitet hatten, lobte Ulrich Mäbert vom Ortsbeirat.

Nachmittags begann das bunte Programm mit den Jagdhornbläsern und einer Kaffeetafel mit frischem Kuchen. Ab 16 Uhr trafen die Gastwehren ein, die sich das besondere Jubiläum nicht entgehen lassen wollten. Glückwünsche und kleine Geschenke überbrachten sie. Die Oberbrandmeisterin der Ortswehr Groß Jamno sowie Jugendwartin Katrin Kraljic las Episoden aus der Chronik vor.

Grußworte überbrachten die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos), Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der stellvertretende Stadtwehrführer Frank Mehlow. Die Ehrengäste sprachen den Kameraden Dank für ihr Engagement aus. So ein Engagement sei unter den heutigen Bedingungen nicht immer einfach und selbstverständlich. Die Politiker wollen sich dafür einsetzen, dass zumindest die örtliche Situation verbessert werde.

Die beiden Kameraden Mike Szickora und Jürgen Heinze wurden für ihre hervorragende Arbeit in der freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet.Genug Nachwuchs zu bekommen, sei das größte Problem, mit dem Groß Jamno zu kämpfen hat. Von den 22 Mitgliedern sind neun aktive Feuerwehrleute. Sie sind zwischen 37 bis 60 Jahre dabei. Die restlichen Kameraden gehören der Alters- und Ehrenabteilung an, sagt Kraljic. „Wir geben unser Bestes. Freiwillige Feuerwehr ist kein Hobby, sondern Berufung“, so die agile Feuerwehrfrau.

Spektakulär begann am späten Nachmittag eine Vorführung der Ortswehr Stadt für die Groß Jamnoer. Bevor Jens Melchrick, der Ortswehrführer von der Feuerwehr Stadt, die Bühne für die Schauvorführung bekam, überbrachte Dietmar Woidke ein Fässchen Bier zum Durstlöschen. An der Straße bauten die Kameraden um Melchrick das große Drehleiterfahrzeug auf. In einer Höhe von 15 Metern und einem realen Gewicht von 70 Kilogramm demonstrierte ein Dummy den Sprung in das aufgeblasene und für Übungsszwecke ausrangierte alte Polster, welches 4,5 mal 4,5 Meter groß ist.

So einen Sprung zu sehen, sei nicht alltägliches, so Melchrick. Das Springen gehöre zu den letzten Mitteln der Menschenrettung, wenn zum Beispiel, wie in Hinterhöfen, keine Leitern einsetzbar sind. Dass 15 Meter eine große Höhe ist, konnte man an dem wuchtigen Aufprall hören und auch sehen. Je nachdem wie man aufkommt, seien kleine Verletzungen nicht ausgeschlossen. Man sollte mit den Füßen zuerst und in leichter Hockstellung, wie im Schwimmbad auf dem Sprungturm, abspringen, so der Ortswehrführer.

Da Forst aber über keine höheren Gebäude verfügt, sei diese genormte Größe von 4,5 mal 4,5 Meter ausreichend, erklärt Melchrick. In Forst musste das Polster, welches rund 10 000 Euro kostet, noch nie eingesetzt werden. „Die Person muss auch mitarbeiten wollen“, so Melchrick. Es brauche ja Mut zum Sprung, und aufgeregt sind die Menschen auch. Im Notfall können die Feuerwehrwehrkameraden mit Seilen die Position des Polsters korrigieren.

Stefan Palm, Ortsjugendwart von der Feuerwehr Horno: „Wir freuen uns, dass die Kameraden hier so aktiv sind. Es ist eine große Leistung den Einsatz- und Ausbildungsbetrieb am Laufen zu halten.“ Bevor sich einige der Kameraden für die große historische Feuerwehr-Modenschau umzogen, erklärt Katrin Kraljic: „Wenn der Nachwuchs nicht mehr kommt, wird es in der Zukunft schwierig.“ Aber auch die Bedingungen müssen stimmen. So besitzt das Feuerwehrhaus keine Toilette und keinen Wasseranschluss. Wohin die Kameraden den persönlichsten Gang der Gänge gehen, bleibt ein Geheimnis. Und sich nach dem Einsatz in Groß Jamno zu reinigen, ist nicht möglich.

 Katrin Kraljic schlüpfte für eine Modenschau  zum Jubiläum und Dorffest in Groß Jamno in eine Feuerwehr-Uniform der 60er-Jahre.
Katrin Kraljic schlüpfte für eine Modenschau zum Jubiläum und Dorffest in Groß Jamno in eine Feuerwehr-Uniform der 60er-Jahre. FOTO: Margit Jahn