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| 17:28 Uhr

Forst
Die erste 6.0 spendierte das Leben

Christine Stüber-Errath mit einem Foto als Eislauf-Kücken.
Christine Stüber-Errath mit einem Foto als Eislauf-Kücken. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Die Eiskunstläuferin Christine Stüber-Errath begeisterte die Zuschauer im Forster Talk mit Lutz Hoff.

Dreimalige Europameisterin wurde sie, Weltmeisterin im Jahre 1974 und zwei Jahre später Dritte bei den Olympischen Spielen in Innsbruck. Nach dem Vize-Weltmeistertitel im selben Jahr beendete die Berlinerin, erst 19-jährig, ihre Karriere. Mit ihrer offenen und überaus warmherzigen Ausstrahlung hat Christine Stüber-Errath sofort die Herzen der Besucher im Forster Pavillon Genuss und Kultur erobert. Zu Ehren von Gastgeber Hoff demonstrierte sie noch einmal den Doppelten Lutz. Die bodenständige und unter Heimweh leidende Berlinerin wechselte nicht zu Jutta Müller nach Karl-Marx-Stadt, sondern blieb ihrer Trainerin Inge Wischnewski und dem SC Dynamo Berlin treu. Damit wurde sie zur Außenseiterin. Die Sportfunktionäre machten ihr das Leben schwer. „Die Höchstnote 6,0 blieb mir verwehrt. Diese wurde mir dann vom Leben zu meinem 60. Geburtstag verliehen“, sagte sie im Hinblick auf ihr Buch „Meine erste 6,0“. „Eine ganz harte Zeit“ sei angebrochen, als sie nach einem schweren Sturz mit dem Leistungssport aufhörte. „Eislaufen ist alles, was ich kann“, stellte sie damals fest.

Nach dem Abitur studierte sie  Germanistik und startete später als Fernseh-Journalistin unter anderen bei „Außenseiter-Spitzenreiter“ durch. Immer wieder gab es am Sonntag Applaus: nach der Aufzeichnung mit ihrer Kür, mit der sie  1973 als 16-Jährige jüngste Europameisterin wurde; nach der Filmsequenz von der Nacht der Prominenten, wo sie sich trotz Höhenangst am Trapez durch die Lüfte schwang, und bei der Aufzeichnung eines „Paarlauf-Duetts“ mit ihrer Teenager-Liebe Frank Schöbel.

Die Schlittschuhe aus dem Jahre 1976 und Eislaufkleider hatte sie nach Forst mitgebracht. Das rote aus derben DDR-Malimo und das zartgelbe Kleid aus duftigem West-Stoff – beide von ihrer Muttrt geschneidert. Nach langer Auszeit kehrte sie vor acht Jahren noch einmal aufs Eis zurück. Für den Film „Die Anfängerin“ über eine 58-jährige vom Leben enttäuschte Frau, die sich auf ihren Jugendtraum vom Schlittschuhlaufen besinnt. Ein ambitionierter Film der Regisseurin Alexandra Sell, für den die ehemalige Eisprinzessin zwischen 2012 bis 2016 einmal wöchentlich mit der einstigen Weltklasse-Paarläuferin Heidemarie Walther-Steiner trainierte. Die Choreografie schrieb Yvonne Schulz aus Forst, die 1995 bei der Deutschen Meisterschaft Dritte der Paarlaufkonkurrenz wurde. „Sie laufen noch wie früher!“, meinte eine Zuschauerin nach dem Filmtrailer begeistert.

Zahlreiche zumeist weibliche Eiskunstlauffreunde hatten sich in Forst eingestellt. Darunter die Lehrerin Petra Rieke, die ein Autogramm mitbrachte. Christine Stüber-Errath gab es ihr am 22. Dezember 1980 während einer gemeinsam besuchten Vorlesung in der Humboldt-Universität. Eine Cottbuserin ließ ein rares Exemplar von „Die Pirouettenkönigin“ signieren, die die einstige Eiskunstläuferin zu Ehren ihrer Trainerin im Eigenverlag herausgab. Ihr Buch „Meine erste 6,0“ hätte auch ein Roman werden können, betonte die ehemalige Spitzensportlerin, die drei berufliche Krisen durchlitt. „Es ist nie zu spät für einen Neuanfang“, sagte sie und ergänzte: „Die Liebe hat mich gerettet“ – Ein Liebeserklärung an ihren anwesenden Ehemann Paul Stüber.