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| 01:00 Uhr

Die besten deutschen Turner kamen nach Forst

War der Stolz des TV 1861: Die Turnhalle in der Forster Bahnhofstraße.
War der Stolz des TV 1861: Die Turnhalle in der Forster Bahnhofstraße. FOTO: Sammlung Schulz
Forst.. Die Einweihung der Turnhalle des TV 1861 Forst-Korporation war ein herausragendes Ergenis in der Stadtgeschichte. Im Dezember 1933 kamen die besten deutschen Turner zur Feier in die Rosenstadt. Hans-Joachim Schulz

Es fand der „Tag der Meisterturner der Deutschen Turnerschaft und den Mitgliedern der Deutschenlandriege“ statt.
Nach dem Umbau der sich bis zu diesem Zeitpunkt an der Stelle befindenden alten Vereinsturnhalle, die zuvor 48 Jahre lang den Turnern des Vereins und den Schulen diente, wurde ein stattliches Gebäude errichtet. Im Putz der Fassade in der Bahnhofstraße wurde das Bild eines Sportlers mit Schild und Speer eingefügt, das noch heute sichtbar ist. Geschaffen hatte es der Forster Maler Bruno Jähne aus der Breiten Straße im Stadtteil Berge. Der Künstler starb bereits im Alter von nur 32 Jahren.
In den Morgenstunden des 3. Dezember vor nunmehr 72 Jahren, einem sonnigen Wintertag, fanden sich alle Abteilungen des Vereines TV 1861 vor dem Wohnhaus des langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Max Fritz Hammer, ein und dankten ihm freudig für die neue Turnhalle.
Anschließend versammelten sich die Turner je nach ihrer Konfession in den Forster Kirchen zu einem Festgottesdienst, an dem auch die Ehrengäste des Tages teilnahmen. Danach bildete sich auf dem Marktplatz an der Nikolai-Kirche ein großer Festzug, und unter fröhlichen Musikklängen ging es durch die Cottbuser Straße in die Bahnhofstraße zur feierlichen Übergabe der neuen Turnhalle. Am Halleneingang wurde der Festzug vom Architekten Paatsch von der Dresdener Firma Bock und Paatsch empfangen. Sie hatten den Entwurf ausgeführt. Der Architekt übergab dem Vereinsvorsitzenden Max Fritz Hammer den vergoldeten Schlüssel der Halle mit Dankesworten, dass er an diesem neuen Bauwerk habe mitwirken dürfen und sprach den Wunsch aus, dass in dieser neuen Sportstätte Sportler im Sinne des Turnvaters Friedrich-Ludwig-Jahn herangebildet werden.

Stadtkapelle spielte auf
In der geschmückten und mit einem großen Bild des Turnvaters Jahn versehenen Halle fand dann der eigentliche Weiheakt statt. Unter der Leitung von Kapellmeister Jahro gab ein Streichmusikorchester der Forster Stadtkapelle die festliche Umrahmung. Danach ergriff Max Fritz Hammer das Wort und hiess die Ehrengäste, die Mitglieder des Vereines, des Brudervereines MTV Berge, des Jünglingvereines, der Fechterschaft und die Turner der Deutschlandriege willkommen.
Die Regionalzeitung „Forster Beobachter“ berichtete von der Weiherede: „Wie einst vor 48 Jahren der unvergessliche Julius Langerstein den Tag der Einweihung der alten Halle als den schönsten seines Lebens bezeichnete, so kann ich das vom heutigen Festsonntag ebenfalls sagen. Dieser Umbau machte sich für die weitere Entwicklung unseres Vereines notwendig. Dieser Bau hat über einhundert Menschen für ein halbes Jahr Arbeit und Brot gegeben. Gemeinnutz nicht Eigennutz habe schon immer die auf das Wohl der Jugend gerichtete Arbeit gekennzeichnet. Ich habe erkannt, dass die den Anforderungen der Zeit nicht mehr genügende Halle die turnerische Arbeit zu hemmen begann und damit zu einer Gefahr für die weitere Entwicklung unseres Vereins wurde.“ Im Anschluss an die Rede erfolgten Ehrungen verdienter Turnerinnen und Turner des TV 1861.
Bereits am Tag zuvor war mit einem Turnfest ein sportlicher Höhepunkt gesetzt worden. Der roße Saal des „Lindengartens“ in der Amtstraße war ausverkauft, zu sehen gab es das Schauturnen mit der geschlossenen Teilnahme aller Mitglieder der Deutschlandriege. Neben den Siegern des Deutschen Turnfestes in Stuttgart, der Deutschen Meisterschaften und der Deutschen Turnfeste waren auch Lokalmatadoren am Start.

Auch Forster Turner dabei
Der TV 1861 bot seine Spitzenturner auf, die zur deutschen Spitze gehörten: Kurt Neuendorff (Sieger Deutsches Turnfest in Köln), Bruno Sachs (Sieger Deutscher Turnfeste in München und Stuttgart), Alfred Schleizer (Sieger Deutsches Turnfest in Stuttgart), Kurt Wedekind (mehrfacher Sieger Deutscher Meisterschaften in Essen und Berlin und Turnfeste in Köln und Stuttgart) sowie Hans Winkler (Sieger Deutsches Turnfest in Stuttgart). Zum Abschluss dieser Schauveranstaltung hielt der Beifall des jubelden Publikums lange an.
Im Jahre 1948 wurde die Halle durch das Alliierte Kontollgesetz enteignet, auch nach der Wende blieb die Halle in städtsichem Besitz. Der Verein hatte sich nicht darum bemüht. Lediglich die Alt-Herren Handballer des TV 1861 nutzen die Halle noch einmal wöchentlich.