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| 17:31 Uhr

Geschichte
Die alte Weide - sie lebt nicht mehr

Das Geschichtekabinett im Dorfmuseum Sacro zeigt bis zum 29. Juli eine neue Ausstellung mit Belägen der Forster Textilindustrie.
Das Geschichtekabinett im Dorfmuseum Sacro zeigt bis zum 29. Juli eine neue Ausstellung mit Belägen der Forster Textilindustrie. FOTO: Margit Jahn
Sacro. Alte Zeichnung von Dr.Kosel inspiriert zu neuer Ausstellung rund um geschäftliche Beläge der Forster Textilindustrie.

Es grenzt schon fast an ein kleines Wunder. Immer wieder aufs Neue trägt Reinhard Natusch, der Organisator des Geschichtskabinettes in Sacro, bisher unveröffentlichte Fotos und Unterlagen zusammen und eröffnet daraus ein Geschichtsthema. „Aus der Textilindustrie in Forst-Teil 1“ ist das neue Thema der Ausstellung, die jetzt bis zum 29.Juli im Sacroer Dorfmuseum zu sehen ist.  Zur Eröffnung gibt Reinhard Natusch einen kleinen geschichtlichen Abriss. So betont er unter anderem: „Die Stadtbahn war unveräußerlicher Teil der Textilindustrie“.

Bis ins Jahr 1945 ist die neue Ausstellung unterteilt, ab dem 5. August geht es mit den Jahren nach 1945 weiter. „Insider sollen sich mit der Literatur zur Thematik informieren“, erklärt der Organisator. Dies sei der Sinn des Geschichtskabinettes. So ein bisschen kommt dann doch der gut ausgebildete und langjährige Lehrer durch: „Auf diese Art kann sich jeder mit dem befassen, was er ausgelegt sieht - sozusagen in Freiarbeit.“

Imposant ist der Rechnungskopf der Firma Clemens Blanke KG, welches schon fast als kleines Kunstwerk betrachtet werden darf. „Das Bild mit dem Industriegebäude der Fabrik gibt es nur auf dem Rechnungskopf“, so Natusch. Aber auch die Firmen Hänsel und Co., Rosshaar-Zwirnerei und Weberei schmückten sich mit der großen Fabrikanlage auf dem Briefkopf. Ebenso die Reinhold Nater Tuchfarbrik. Schon dies allein ist imposant zu betrachten. Den Anstoß zu dieser Ausstellung habe Natusch bekommen, als er eine Zeichnung von Dr. Franz Kosel in den Händen hatte. Er malte in Kriegsgefangenschaft 1945 in Dion aus der Erinnerung ein Bild seiner Heimatstadt Forst und fügte den Satz hinzu: „Die Forster Tuchindustrie gleicht einer alten Weide - sie schlägt immer wieder aus“. Leider sollte dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen. Doch die blühende Tuchfabrik hat Forst einst zu einer recht wohlhabenden Stadt gebracht: Forst wies 1938 insgesamt 224 Kilometer Wege, Straßen und Plätze, 32 Kilometer Stadtbahngleise, 24 Zahnärzte, 103 Fleischereien, 114 Kaufläden, 74 Schuhmacher, 86 Bäckereien und 320 Schornsteine auf.

(mjn)