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| 12:43 Uhr

Jerischke
Winzer bangt um zartes Pflänzchen

 Winzer Hubert Marbach vom Weingut Jerischke kann auf einen sehr guten Jahrgang 2018 zurückblicken. Ganz sorgenfrei ist der Weinbauer aber nicht.
Winzer Hubert Marbach vom Weingut Jerischke kann auf einen sehr guten Jahrgang 2018 zurückblicken. Ganz sorgenfrei ist der Weinbauer aber nicht. FOTO: Sven Hering
Jerischke. In Jerischke schreibt ein kleines Weingut eine Erfolgsgeschichte. Doch die ist in Gefahr. Von Sven Hering

„Ein wenig Regen wäre gut.“ Hubert Marbach blickt von seinem kleinen Hügel aus in Richtung Himmel. Dort haben sich ein paar Wolken aufgetürmt. Der Wetterbericht am Morgen macht Hoffnung.

„Vor einem Jahr standen die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt hier“, erklärt der Winzer und geht von der Hocke in den Stand. Jahrhundertjahrgänge feierten die Kollegen der Zunft allerorten. Marbach sieht das alles ein wenig nüchterner. „In jedem Jahrhundert gibt es immer zehn bis 20 Jahrhundertjahrgänge“, betont er. „Wir hatten einen sehr guten Jahrgang“, blickt er auf die vergangene Saison zurück. Es gab reichlich Sonne. Etwas Regen fehlte.

Das Ergebnis gibt es seit dieser Woche zu kaufen. „Alle Weine des 2018er-Jahrgangs stehen jetzt zur Verfügung“, sagt Marbach. Die Abfüllung, die im Weingut Schloss Proschwitz bei Meißen erfolgt, hatte sich in diesem Jahr um vier Wochen verzögert. Doch rechtzeitig zum traditionellen Weinbergfest Mitte Juni ist das Sortiment nun komplett.

Marbach ist stolz auf das, was da aus den Flaschen mit dem Wolfsetikett kommt. Bei den Reben habe er sich bewusst für pilzwiderstandsfähige Sorten entschieden. So komme er ohne Herbizide aus. Pferde- und Ziegenmist würden zur Düngung verwendet. Der Winzer selbst ist jeden Tag auf dem Weinberg. „Es ist ganz wichtig, genau den richtigen Zeitpunkt der Lese zu erwischen“, erklärt Marbach. Ist der Tag gekommen, dann ist das halbe Dorf auf den Beinen, um mitzuhelfen, die reifen Trauben zu ernten. Marbach veranstaltet regelmäßig Weinführungen, in seinem Haus gibt es ein paar Gästezimmer. „Wir wollen hier einen sanften Tourismus etablieren“, verrät er. „Es ist ein zartes Pflänzchen, das sich noch entwickeln muss.“

Doch bis dahin gibt es ein paar Stolpersteine, die Marbach und seine Brandenburger Winzerkollegen nicht alleine aus dem Weg räumen können. Das Pflänzchen ist in Gefahr. Geplante Neuregelungen im Deutschen Weinbezeichnungsrecht sorgen für eine paradoxe Regelung. So darf Marbach seine Weine nur als „Brandenburger Landweine“ bezeichnen. Der Qualitätswein-Status bleibt ihm verwehrt, weil Brandenburg nicht zu den 13 definierten traditionellen Weinanbaugebieten Deutschlands gehört. Doch damit nicht genug. So gibt es Bestrebungen, Markennamen und regionale Herkunftsbezeichnungen wie eben „Marbachs Wolfshügel“ ausschließlich bei Qualitätsweinen zuzulassen. Für den Jerischker Winzer würde das bedeuten, dass seine Marke von den Etiketten verschwinden würde.

Hubert Marbach vertritt in dieser Frage einen klaren Standpunkt: „Wir wollen uns gern mit den traditionellen Weinbaugebieten messen, wir haben keine Angst vor den Qualitätsstandards.“ Was er und seine Kollegen wollen, ist eine faire Chance, sich im Wettbewerb behaupten zu können.