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| 17:19 Uhr

Sacro
Der Widerstand bekommt Gesichter

Heinrich Dudda schaut sich die mitgebrachten Unterlagen von Kurt ..Noack an. Er hat bis in die russischen Archive recherchiert.
Heinrich Dudda schaut sich die mitgebrachten Unterlagen von Kurt ..Noack an. Er hat bis in die russischen Archive recherchiert. FOTO: Margit Jahn
Sacro. Reinhard Natusch zeigt im dritten Geschichtskabinett, wer in Forst Nazis die Stirn geboten hat.

Zur sonnigen Kaffeezeit hatte Reinhard Natusch geladene Gäste am Sonntagnachmittag zu einem vorab stattfinden runden Tisch eingeladen. Thema waren in dieser dritten Runde die Widerstandskämpfer in Forst. Eingeladen waren Stadtverordnete, Parteivertreter sowie Schulleiter.

Der Einladung gefolgt sind Ingo Paeschke von den Linken sowie Dr. Andreas Kaiser als Vertreter der Stadt. Kurt Noack als Zeitzeuge aus Kölzig war ebenfalls in der Runde vertreten, sowie die Enkeltochter des Widerstandskämpfers Max Franke, Anett Müller. Die neuen Ausstellungstafeln umfassen 30 Originalbriefe, Belege und Anklageschriften der Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime zwischen 1933 und 1945. Viele von ihnen sind im Konzentrationslager oder Zuchthaus gelandet, wie Erich Paulick, Rudolf Rothkegel, der erste Forster Bürgermeister nach 1945, Max Franke, Paul Horn, Herrmann Gröschke, Felix Kuhn, Richard Doering und Fritz Lehmann.

Ein älterer Herr schaut sich bedächtig die informativen Wandtafeln an. Als er bei Herrmann Gröschke ankommt, ruft er laut „Den kannte ich!“ Von ihm hatte er seinen Garten übernommen.

Als die Interessierten am gedeckten Tisch Platz nehmen, gibt es einführende Worte von Reinhard Natusch. Schon beim Erzählen merkt man, mit wie viel Herzblut er diese Ausstellung organisiert hat, und wie wichtig ihm das Thema ist. Auf die Frage, ob er die Dokumente schon vorher hatte, bejaht er. Sein Anliegen sei, „zu erinnern, das es Zeiten gab, die dem Land und der ganzen Welt sehr viel Leid und Elend gebracht haben“. Weiterhin, „dass es Leute in Stadt und Land gab, die aktiven Widerstand geleistet haben und ihr Leben dafür eingesetzt haben“.

Nach der Eröffnung kommen die Gäste ins Erzählen. Für alle bleibt die Frage offen, ob es nicht mehr Unterlagen gibt. Sehr umfangreiches Archivmaterial sei vor der Wende vorhanden gewesen. Nach 1990 seien diese Unterlagen im Westen sehr gefragt gewesen. Natusch erzählt, das er 1993/1994 selbst für einen hohen Preis solche Unterlagen von einem privaten Anbieter abkaufte, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Der Verkäufer war damals in Papiercontainern fündig geworden. All diese wertvollen Unterlagen von mutigen Forster Bürgern sollen den Forstern näher gebracht werden. Man solle  wieder für das Thema sensibilisieren,  denn so die Anwesenden, die jüngeren Generationen müssten es ja mal weitertragen.

Ab 26. März bis zum 15. April ist das Geschichtskabinett öffentlich zugänglich: sonntags von 14 bis 17 Uhr oder nach  Vereinbarung auch zu gewünschten Zeiten (Telefon 03562 662053).