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| 01:10 Uhr

Der WegZu Kirchen, Affen und Wetterfröschen

Wer war Paul Thumann„ Wie arbeiteten vor über hundert Jahren die Kumpel unter Tage bei Groß Kölzig“ Was machen Affen bei einer Affenhitze? Alles Fragen, auf die man bei dieser Radtour Antworten erhält. Von Nicole Hoffmann

Zum Kennenlernen der näheren Umgebung dient eine Tour über kleine Dörfer. Von Forst geht es los zum ersten Zielpunkt: Groß Schacksdorf. Schon von weitem ist der schwarze Kirchturm erkennbar und beim näheren Herantreten sieht das gelb-weiße Kirchengebäude sehr modern aus. Bei einer kleinen Führung durch die Kirche wird jedoch schnell klar, dass sie doch einige historische Schätze in sich trägt, zum Beispiel den prunkvollen Altar: „Sowohl der Altar als auch die Orgel stammen aus der Weißagker Kirche“ , erklärt Ilona Senftleben, die nach Absprache gerne durch die Kirche führt. 1989 wurde die sonst eher kühl wirkende Dorfkirche neu renoviert. Seitdem werden dort regelmäßig Gottesdienste abgehalten.

Erinnerung an Paul Thumann
Etwa 100 Meter geht es dann auf der selben Straße weiter. Dort fällt auf der rechten Seite in dem Grün von Bäumen, Gräsern und Sträuchern ein hellbrauner Gedenkstein auf. Der Name Paul Thumann, sein Geburts- und Sterbedatum sind auf diesem zu finden. Doch viele werden mit diesem Namen nichts in Verbindung bringen können. Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich in der gegenüberliegenden Heimatstube von Groß Schacksdorf über das Leben von Paul Thumann zu informieren. Der rote Backsteinbau, in dem heute die Heimatstube untergebracht ist, diente bis 1952 als Schule.
Schon im kleinen Vorgarten sind landwirtschaftliche Geräte der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu finden. Beim Betreten des Vorraums zieht neben vielen Bildern von Groß Schacksdorf und bäuerlichen Geräten ein großer Erntekranz die Blicke auf sich. Der mit roten Bändern verzierte Kranz ist das Schmuckstück der Schacksdorfer Bindekunst.
Der erste Raum der Heimatstube wirkt auf den unbefangenen Besucher zunächst sehr militärisch. Das hat seinen Grund und liegt daran, dass die Entwicklung des Dorfes über lange Jahre durch den Flugplatz der Nationalen Volksarmee (NVA) geprägt worden ist. Noch einige Jahre wurde der Flugplatz von der Bundeswehr genutzt, die 1994 ihre Zelte abbrach, aber zahlreiche Hangars und Gebäude hinterließ. Seitdem wird versucht, das Gelände, das dann ETLC hieß, wirtschaftlich zu nutzen. Heute gilt es als eine von vier Industriereserveflächen im Land Brandenburg und soll, so die Idee, als Güterverkehrszentrum auch auf Straße und Schiene entwickelt werden.
In einem Zimmer klärt sich das Rätsel um Paul Thumann auf, dessen Gedenkstein vorher auffiel. Der Maler wurde 1834 in Groß Schacksdorf geboren. An der Stelle, wo heute der ihm gewidmete Gedenkstein steht, befand sich einst sein Geburtshaus. Im Thumann-Zimmer der Groß Schacksdorfer Heimatstube sind hauptsächlich biblische Bilder von dem streng wirkenden Mann zu bewundern.
Das Gefühl, als wäre man mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit gereist, überkommt einem in dem nächsten Raum. Dort sind viele Gegenstände vom bäuerlichen Leben vergangener Zeiten ausgestellt.
In einem letzten Raum ist ein Klassenzimmer aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts liebevoll nachgestellt worden. Ein Besuch in der sehenswerten Heimatstube ist außerhalb der Öffnungszeiten (siehe „Hintergrund“ ) nach Absprache mit dem Bürgermeister von Groß Schacksdorf, Wolfgang Katzula, möglich.
Von Groß Schacksdorf führt ein sehr gut ausgeschilderter Radweg nach Jocksdorf durch ruhige Wälder und Felder. In dem kleinen Straßendorf Jocksdorf bietet sich die Möglichkeit einer kleinen Pause im Dschungelimbiss. Der Name kommt nicht von ungefähr. Denn in dem dortigen Gehege können verschiedene Affenarten und Vögel bewundert werden.
Schräg gegenüber dem Dschungel-Imbiss erkennt man ein großes, graues Denkmal mit einem roten Stern als Spitze. Dieser mit russischen Schriftzügen beschriebene Gedenkstein erinnert an die gefallenen Soldaten der Roten Armee und an die deutschen Soldaten. Die Dorfstraße ist durch kugelförmig geschnittene Bäume sehr interessant gestaltet.

Die Kirche zu Groß Kölzig
Der nächste Zielort ist der Dorfplatz von Groß Kölzig. Von dort aus ist der Glockenturm der Kirche des Dorfes bereits sichtbar. Beim Eintreten in die Kirche fallen einzelne Schautafeln auf, und ein Tisch voller selbst gemachter Kleinigkeiten, die zum Kauf einladen. Wenn man weiter in die im 14. Jahrhundert gebaute Kirche eintritt, vermittelt sie eine gemütliche Stimmung. Der Kirchenratsvorsitzende Michael Förster erklärt: „Besonders sehenswert ist ein barocker Altar. Zusätzlich steht auf diesem noch ein Flügelaltar. Dieser stammt aus einer ehemaligen Kapelle vom ortsnahen Marienberg.“
Anschließend bietet sich noch ein Besuch der Heimatstube von Groß Kölzig an, da diese nur ein paar Meter entfernt liegt. Das Gebäude wurde 1892 als Schulhaus gebaut. Durch Schautafeln und verschiedene Bodenproben wird den Besuchern anschaulich dargestellt, was sich hinter der Bezeichnung „Muskauer Faltenbogen“ verbirgt: Eine in ihren Ausmaßen in Europa einzigartige riesige Falte in der Landschaft, die durch den Druck einer eiszeitlichen Gletscherzunge entstand. Dadurch wurden auch Kohleflöze bis an die Oberfläche gedrückt, die vor gut 150 Jahren zum Beginn des Bergbaus in der Region führten.
Mancher wird sich in dem alten Klassenzimmer der Heimatstube Groß Kölzig noch gut an seine eigene Schulzeit erinnern können: Bänke und eine Tafel, Schulbücher, eine alte Karte und Schuluniformen entführen in eine Zeit, wo Informatikunterricht noch nicht einmal
zu erahnen war.

Stollen lockt auch Studenten an
„So lebten und wohnten unsere Vorfahren“ ist das Motto eines anderen Raumes in der Heimatstube Groß Kölzig, in dem es viel sehenswertes Material über den Bergbau gibt. Am faszinierendsten ist wohl der Nachbau eines Stollens, bei dessen Anblick man leicht glauben könnte, dass man sich wirklich unter der Erde befinden würde, so echt wirkt er. Um dies zu sehen, kommen sogar Professoren mit ihren Studenten nach Groß Kölzig. Zur Glasindustrie, zum Gaststätten- sowie zum Sport- und Vereinswesen sind ebenfalls Ausstellungsstücke dargestellt.
Auf dem Groß Kölziger Dorfplatz kommt man an der gewaltigen Friedenseiche vorbei. Sie wurde im Jahr 1872 für vier in den Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Groß Kölziger gepflanzt. Es ist empfehlenswert, sich an einer Karte neben der Eiche über die Weiterfahrt nach Richtung Mattendorf zu erkundigen, da die Fahrradstraße nach Mattendorf nicht gut ausgeschildert ist. Sie ist jedoch wieder neu geteert und führt durch die Natur. In einem Waldstück befindet sich noch eine Karte, die das Finden des richtigen Weges in das Dorf unterstützt.
In Mattendorf angekommen, bietet sich ein Besuch in der Wetterstation an, der aber angemeldet werden muss. Siegfried Kramer erklärt dort alles über die modernen Techniken sehr genau. „Die Wetterstation in Mattendorf gibt es schon seit sieben Jahren. Sie gehört zu einem großen Netz von Stationen der Meteomedia AG“ , berichtet Siegfried Kramer, der diese Arbeit ehrenamtlich leistet. Übrigens: Jeden Freitag lässt sich der Mattendorfer Wetterfrosch in die Karten schauen, wenn er das Wochenend-Wetter für die Region in der Forster RUNDSCHAU ankündigt - mit einer überzeugenden Trefferquote. Wie diese geht, erklärt er Besuchern gerne.

Mit der Kunst der Hände
Wer sich gerne handwerklich betätigt, muss noch einige Kilometer zurücklegen und sollte bei der Töpferwerkstatt Kamilla in Jethe vorbeischauen und vielleicht selbst einmal Hand anlegen. Bis zu 28 Personen können in der Werkstatt ihr Können unter Beweis stellen. Fertig ist man mit kleineren Stücken normalerweise schon nach einer halben Stunde. Bevor man sein Kunstwerk abholen kann, muss man jedoch zwei Tage warten. Nach Jethe kommt man über den Fahrradweg von Mattendorf über Gahry. Teilweise ist der Radweg allerdings leider sehr kaputt, so dass man gut beraten ist, den Löchern und Rissen auszuweichen.
Der weitere Weg führt von Jethe nach Gosda I, zu dem die Ortsteile Dubrau und Klinge gehören. Wer sich über die römische Eins im Namen wundert, ist in guter Gesellschaft: Zur besseren Unterscheidung eines anderen Ortes mit gleichem Namen bei Jerischke wurden beide Orte nummeriert Gosda bei Klinge erhielt die römische Eins, das andere Gosda die römische Zwei. Der Dorfanger, die geschwungenen Straßen, die Eichenalleen und die historische Bausubstanz verleiht Gosda I ein reizvolles Ansehen. Klinge wurde bekannt durch die Landung Chamberlins in der Nähe des Ortes nach dem ersten Ozeanüberflug, aber vor allem auch durch das Eem-Vorkommen, in dem vor fast hundert Jahren ein fast komplett erhaltenes Mammut-Skelett gefunden wurde. Ähnlich gut erhaltene Fundstücke in Deutschland lassen sich an einer Hand abzählen. Eine Kopie des Mammut-Skeletts ist im Kreishaus Forst zu betrachten. Dort finden auch fast ständig wechselnde Ausstellungen statt. Das Kreishaus liegt allerdings nicht auf der Tour, kann aber quasi nebenbei während eines Besuchs in der Kreisstadt Forst besucht werden.
Fazit: Die Dörfer sind größtenteils sehr gut ausgeschildert und die Radwege sind gut befahrbar. Sie führen durch die pure Natur und es stehen oft Bänke für eine kurze Erholungspause zur Verfügung. Die einzelnen Punkte sind leicht zu finden.

Hintergrund Öffnungszeiten und Ansprechpartner
Kirche Groß Schacksdorf mit Orgel und Altar aus dem abgebaggerten Ort Weißagk, Ansprechpartner: Ilona Senftleben, Tel.: 03 56 95 / 70 31
Heimatstube Groß Schacksdorf , Öffnungszeiten: dienstags von 17.30 bis 19 Uhr, außerhalb der Öffnungszeiten nach Absprache, mit Wolfgang Katzula, Tel.: 03 56 95 / 3 42.
Dschungelimbiss mit Affengehege in Jocksdorf, Öffnungszeiten: täglich ab 10 Uhr
Heimatstube Groß Kölzig , Öffnungszeiten: sonntags 15 bis 17 Uhr, ansonsten telefonische Vereinbarungen unter 03 56 00 / 2 21 80 oder 66 76.
Töpferwerkstatt Kamilla , Tel.: 03 56 95 / 302, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 16 Uhr (Bei Nachfrage auch zu anderen Zeiten).
Kreishaus Forst , Heinrich-Heine-Straße 1, mit der Rekonstruktion des bei Klinge gefundenen Mammut-Skeletts. Zu besichtigen montags bis freitags 8 bis 18 Uhr.