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Landratswahl Spree-Neiße
Der Vizelandrat will nach vorn

Hermann Kostrewa auf seiner 650er-Honda, die er bereits seit 1984 hat. Touren macht er damit oder mit dem Rad regelmäßig. Ansonsten gehört Rockmusik zu den Leidenschaften, die sich der Gesundheits- und Sozialdezernent leistet, der Landrat werden will.
Hermann Kostrewa auf seiner 650er-Honda, die er bereits seit 1984 hat. Touren macht er damit oder mit dem Rad regelmäßig. Ansonsten gehört Rockmusik zu den Leidenschaften, die sich der Gesundheits- und Sozialdezernent leistet, der Landrat werden will. FOTO: Margit Jahn
Spree-Neiße. Hermann Kostrewa ist nicht der Typ, der Menschen mitreißt. Eher der sachliche Macher. Nach mehr als 20 Jahren in der Führungsebene will er Landrat werden.

 Seine Sprache hat etwas Entschleunigendes. In Diskussionen trieb Hermann Kostrewa (SPD) damit schon andere zur Weißglut. Nein, der in Ostfriesland aufgewachsene Kostrewa ist wahrlich kein emotionaler Typ. Das   ländlich geprägte Ostfriesland und die Niederlausitz seien sich ähnlicher als beispielsweise Leipzig und Spree-Neiße, sagt Kostrewa, der mehr als 20 Jahre in Klein Jamno bei Forst wohnt. Zwei Leidenschaften pflegt er: Touren mit seiner 650er-Honda, die er seit 1984 hat, und Rockmusik, wie er sie als Stammgast im Forster Manitu hört. Er selbst war nie Musiker, eher Organisator, erklärt der studierte Sozialpädagoge, der zwei Jahre in Emden eine Einrichtung geleitet hat, die mit dem Cottbuser Glad- House vergleichbar ist.

Abgesehen von ein paar Jahren als SPD-Unterbezirksvorsitzender war Kostrewa eher ein Mann der zweiten Reihe. Er wurde 1995 Sozial- und Bildungsdezernent, als Dieter Friese SPD-Landrat in Spree-Neiße war. Unter Harald Altekrüger (CDU) wurde er Beigeordneter, landläufig Vizelandrat genannt. Es war eine Art Gleichgewicht der Kräfte zwischen CDU und SPD: Wenn die eine Partei den Landrat stellte, kam der Beigeordnete aus der anderen Partei. In einem Jahr läuft Kostrewas Amtszeit aus. Im Herbst 2019 wird der neue Kreistag gewählt, der den Beigeordneten bestimmt.

Tritt der 62-Jährige mit seiner Kandidatur also die Flucht nach vorn an? Nein, sagt er. „Ich möchte noch einiges bewegen“ –  in der kompletten Amtszeit von acht Jahren. „Das geht nicht in zwei oder vier Jahren.“ Da sei Beharrlichkeit gefordert. Das gelte beim Strukturwandel ebenso wie beim Ausbau der Verkehrsverbindungen. Kostrewa führt die Bundesstraßen 169 und 168 an; die Verbindung von Cottbus an Kolkwitz und Klein Ossnig vorbei, den zweigleisigen Ausbau  der Bahnstrecke Cottbus – Lübbenau, den weiteren Ausbau der B 112 von Guben nach Frankfurt und die Bahnanbindungen Richtung Frankfurt und Wroclaw. Und sehr wichtig sei, wie sich die Förderpolitik der EU neu ausrichte.

Er gehörte über 20 Jahre zu den führenden vier Köpfen im Landratsamt. Warum hat er nicht schon früher Einfluss genommen? Kostrewa verweist auf Zuständigkeiten. Er sei für Soziales und für Bildung zuständig gewesen. Zum Beispiel für die  kreislichen Gymnasien, die zwischen 1995 und 2010 saniert worden seien; für die beiden Oberstufenzentren, deren Angebot mit Cottbus so abgestimmt worden sei, dass kein Angebot sich überschneide; für die Serviceeinheit Entgeltwesen, die alle brandenburgischen Landkreise und kreisfreien Städte gegenüber den Sozialkassen vertrete. Er habe die Vorschläge eingebracht, Bundesfördermittel so zu nutzen, dass die kreislichen Gymnasien in Guben und Cottbus  barrierefrei würden und die Förderschule in Spremberg davon profitiere. Es habe Absprachen gegeben mit der Stadt Forst zum weiteren Vorgehen bei den Sportanlagen am Gymnasium („die Stadt muss sich jetzt positionieren“). Punkte, die sich auch im Wahlprogramm des jetzigen Landrats finden, der die Gesamtschule für Kolkwitz zur Chefsache machte und Kostrewa zur Seite drängte.

„Seitdem bewegt sich nichts mehr“, sagt Kostrewa, dem aus Kolkwitz der Vorwurf gemacht wurde, das Projekt zu hintertreiben. Kostrewa sieht das anders. Das Land habe klar gemacht, dass nichts gegen die Nachbargemeinden gehe. Jetzt müssten Gespräche die Lösung bringen. Es müsse auch über die Oberstufenzentren gesprochen werden. Ein gemeinsames Vorgehen mit Cottbus funktioniere, sagt Kostrewa und verweist auf Zusammenarbeit in der Jugendarbeit und im Sozialwesen. Auch eine abgestimmte Schulentwicklungsplanung sei lange kein Problem gewesen. Eine Kooperation sei auch denkbar bei der Kfz-Zulassung (Programm auf www.hermann-kostrewa.de).

Kostrewa deutet seine Kritik am Amtsinhaber Altekrüger, der auch ein Gegenkandidat ist, eher an, als er ihn angreift: Man müsse seine Ziele kennen und im Blick behalten; Handlungen und Entscheidungen darauf ausrichten. Es gebe keine wirkliche Personalentwicklungsplanung im Landratsamt, so Kostrewa. Dabei werde von einem Landrat Steuerungskompetenz verlangt – und er müsse Entscheidungen treffen. So dezent kann man seinem Chef Plan­losigkeit vorwerfen. Mehr Emotionen  wird es von Kostrewa kaum geben. Das wäre auch nicht seine Art.