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| 21:18 Uhr

Gesundheit spezial: Korn von kargem Lausitzer Land
Der Ur-Roggen aus der Lausitz

Christin Starick im Hofladen des Gutes Neu Sacro mit dem Johannisbrot, Mehl aus dem Johannisroggen und Johanniskeksen.
Christin Starick im Hofladen des Gutes Neu Sacro mit dem Johannisbrot, Mehl aus dem Johannisroggen und Johanniskeksen. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Das Gut Neu Sacro setzt auf bekömmliches Getreide und gesunde Produkte aus der Region. Von Steffi Ludwig

Er hat kleine Ähren mit kleinen Körnern, die im Ganzen fein geschrotet werden – und ist deshalb besonders bekömmlich. „Im Mehl ist darum alles drin, da wir das komplette Korn nutzen. Vielleicht ist der Johannisroggen deshalb ein Stück gesünder“, erklärt Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal. Von einigen Kunden ist zu hören, dass das Johannisbrot besonders gut verträglich ist. Jeden Freitag gibt es das kräftig duftende, in Ährenform gebackene Brot im Hofladen des Gutes Neu Sacro – und es ist äußerst beliebt. „Etwa 80 Prozent sind Stammkunden“, so Bernd Starick. „Auch ich esse es nur noch. Es ist im Brotkasten sehr gut haltbar und reicht genau eine Woche.“

Vor einigen Jahren hatte die Erfolgsgeschichte des Ur-Roggens, auch Waldstaudenroggen genannt, in der Lausitz begonnen. Die Bauern AG Neißetal hatte ihn auf einer etwa zehn Hektar großen Rekultivierungsfläche im Tagebau Jänschwalde angebaut, als erste Kultur nach der Wiedernutzbarmachung der Kippe. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, im Boden gibt es keine Vorbelastung“, so Bernd Starick. Bundesweit gibt es so einen Anbau kein zweites Mal. Deshalb hat sich die Bauern AG den Namen Johannisroggen auch schützen lassen – benannt nach dem traditionellen Datum der Aussaat, dem Johannistag 24. Juni.

Schonend gemahlen werden die Körner dann in der Spreewaldmühle Kümmel in Burg. Und mit der  Forster Familienbäckerei Merschank wurde eine Bäckerei gefunden, die auch mit kleineren Mengen arbeitet. Aus dem fertigen Mehl backt sie die Johannisbrote, -brötchen und -kekse, die dann im Hofladen des Gutes Neu Sacro verkauft werden.

Diese regionale Kooperation hatte der Bauern AG 2015 den renommierten Marketingpreis des Brandenburger Verbandes Pro Agro in der Kategorie „Direktvermarktung“ eingebracht, der auf der Grünen Woche in Berlin verliehen wurde.

Auf Produktmessen wie in Guben ist das Johannisbrot immer mit dabei. „Es kommen gezielt Leute, die uns darauf ansprechen“, so der Vorstand. „Aber wir wollen es dennoch nicht damit übertreiben und die Menge nicht unbedingt erhöhen. Denn es ist ein Produkt von vielen.“

Das Gut Neu Sacro setzt auf viele gesunde Produkte aus der Region, wie Objektmanagerin Sylvia Müller betont: „Wir treten an für Regionalität, wollen die Dinge unverfälscht auf den Tisch bringen.“ Nichts sei haltbar gemacht mit Konservierungsstoffen, alles sei handgemacht. Das gelte für den Hofladen wie für das Restaurant im Gut Neu Sacro. „Wir bereiten alles à la Carte vor, nichts wird auf Vorrat gekocht“, so Sylvia Müller. „Geschmacksverstärker gibt es nicht.“

Angebaut werden von der Bauern AG Neißetal zudem weitere Kulturen, beispielsweise Buchweizen und kleine Chargen Ölleinen. „Hier würde ich mich über weitere Beziehungen zu heimischen Mühlen freuen“, so Bernd Starick.

Damit das Wissen um traditionelle Landwirtschaft und Anbauformen nicht ausstirbt, veranstaltet die Bauern AG mit dem Gut Neu Sacro beispielsweise auch die Neuland-Touren. Eine der geführten Tagebautouren findet auch wieder am Samstag statt – allerdings war eine Voranmeldung notwendig. Dann wird nicht nur über den Johannisroggen, sondern auch die Pfingstnelke und mehr vor Ort berichtet. Als Verköstigung sind Hirseklößchen geplant: das alte sorbisch-wendisches Nationalgericht „Hierschekleeßchen“ hatte das Gut in Zusammenarbeit mit Reinhard Natusch vom Dorfmuseum Sacro kürzlich erstmals öffentlich gekocht. Eine gelungene Premiere, über die noch immer gesprochen wird und die Hunger auf ein Nachfolgerezept macht.