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| 01:02 Uhr

„Der Speck ist aufgebraucht“

Forst.. Die Situation beim Kultur- und Begegnungszentrum „Park 7“ wird immer verworrener. Auf einer Mitgliederversammlung am Dienstag wollte der Vorstand geschlossen zurücktreten. Die Mitglieder weigerten sich jedoch, den seit sieben Monaten amtierenden Vorstand zu entlasten. Der Grund: Es hatte keine Kassenprüfung stattgefunden, die finanzielle Situation des Vereins konnten nicht dargelegt werden. Aus dem Vorstand war nur so viel zu hören, dass „der Speck aufgebraucht“ sei. Die Vorsitzende Viola von Hofe, die auch für die Finanzen verantwortlich ist, war krankheitsbedingt nicht anwesend. Von Bernd-Volker Brahms

Eigentlich sollte ein Aufbruchsignal von der Mitgliederversammlung des „Park 7“ ausgehen. Seit Wochen wird über die Krise bei dem Kulturverein gesprochen, unter dessen Dach zahlreiche Jugendgruppen organisiert sind und Sozialeinrichtungen arbeiten. Die Forster Wohnungsgesellschaft (FWG) hatte Mitte des Jahres angekündigt, den Nutzungsvertrag vorzeitig zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Zudem hatte der Nix e.V. als größter Verein im September das Gelände in der Parkstraße verlassen.
Ulrich Winkler von der FWG versicherte den Mitgliedern in der Sitzung nochmals, dass sein Unternehmen den Mietvertrag nunmehr bis Ende Januar 2007 erfüllen werde. Jedoch mahnte er gleichzeitig ein tragfähiges inhaltliches und finanzielles Konzept für die Vereinsarbeit an. Dies müsse in den nächsten vier Wochen erarbeitet werden. Ulrich Winkler war als stimmberechtigtes Mitglied für die FWG vertreten. Die Wohnungsgesellschaft verlange lediglich die Betriebskosten, keine Miete von dem Verein, verdeutlichte er die Situation. Die einzelnen Gruppen und Einrichtungen auf dem Gelände bezahlen an den Verein entsprechend der genutzten Flächen eine Miete, der Verein gibt dies Geld an die FWG weiter.

Keine Kassenprüfung gemacht
Nach Angaben von Vorstandsmitglied Sergej Hein sei in der letzten Zeit vorhandenes finanzielles Polster aufgebraucht worden, um die Lücke zwischen den Einnahmen und den Ausgaben zu schließen. Einzelne Gruppen hatten unzuverlässig ihr Geld bezahlt. Ohnehin waren vorsorglich Kündigungen der Verträge zum Jahresende ausgesprochen worden. „Neue Verträge sollte eigentlich der neue Vorstand ausarbeiten“ , sagte Jakob Röger, der von der Gruppe „East-Side-Produktion“ im Vorstand vertreten ist. Jakob Röger war in den vergangenen Wochen bei der Veranstaltung „Open Space“ an einer Reorganisation des „Park 7“ beteiligt.
Von welcher finanziellen Grundlage beim „Park 7“ -Verein überhaupt ausgegangen werden kann, blieb bei der Mitgliederversammlung offen. Kassenprüferin Heike Clodius bemängelte, dass vom Vorstand kein Auftrag zur Kassenprüfung an sie herangetragen worden sei, eine Prüfung mithin nicht stattgefunden habe. Dirk Wilking von der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) stellte daraufhin den Antrag, dem Vorstand die Entlastung nicht zu erteilen und die Wahl eines neuen Vorstandes von der Tagesordnung zu streichen. Die Mitglieder befürworteten den Antrag.
Der Vorstand um die Vorsitzende Viola von Hofe hatte zuvor bereits schriftlich erklärt, geschlossen zurückzutreten zu wollen. Von Hofe war auf der Sitzung nicht anwesend und auch auf RUNDSCHAU-Nachfrage nicht zu sprechen. Im Laufe der Diskussion stellte sich zudem heraus, dass der Vorstand bislang im Vereinsregister nicht eingetragen ist.

In vier Wochen nächste Versammlung
„Der Vorstand ist zurückgetreten, weil die Mitglieder in der schwierigen Situation überfordert waren“ , sagte Vorstandsmitglied Falk Pinkwart, der sich bei der Gruppe der Piraten engagiert. Der Vorstand habe nicht mehr die Interessen der Mitglieder vertreten können. Die Vorstellungen um einen Weiterbetrieb seien weit auseinander gegangen, sagte Jakob Röger.
In vier Wochen soll die nächste Versammlung beim „Park 7“ einberufen werden. Die rechtliche und finanzielle Situation soll bis dahin geklärt sein, sagt Vorstandsmitglied Karsten von Hofe. Aber auch Positives gab es zu vermelden: 14 Mitglieder wurden neu in den Verein aufgenommen. Das entspreche etwa einem Drittel der Gesamtmitglieder, so Jakob Röger.