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Der schwierige Weg der Integration

Lehrerin Natalja Götz vermittelt den Schülern Wjatislaw aus Kasachstan und Domenica aus Polen Deutschkenntnisse.
Lehrerin Natalja Götz vermittelt den Schülern Wjatislaw aus Kasachstan und Domenica aus Polen Deutschkenntnisse. FOTO: Landes
Forst. Die Kenntnis der deutschen Sprache ist ein wichtiger Bestandteil bei der Integration von Kindern aus dem Ausland in Deutschland. Speziell geschulte Lehrer sollen dabei helfen. Sie unterrichten Deutsch als Fremdsprache. Hartmut Landes

Natalja Götz ist Lehrerin aus Leidenschaft. Die gebürtige Weißrussin und studierte Pädagogin lebt und arbeitet seit drei Jahrzehnten in Deutschland. Seit drei Jahren unterrichtet sie "Deutsch als Fremdsprache" auch an der Gutenberg-Oberschule in Forst. Zunehmend hat es Natalja Götz bei dieser Aufgabe mit schulpflichtigen Kindern von Flüchtlingen zu tun. Sie erteilt ihnen Förderunterricht. Eine Stunde pro Woche, maximal zwei Schuljahre lang. Ein Tropfen auf den heißen Stein sei das, sagt die Lehrerin. Und immer wieder hat sie es mit neuen Gesichtern zu tun. Denn die Fluktuation unter den Flüchtlingskindern ist hoch. Denn nach erfolgreichem Asylverfahren verlassen viele Familien wieder die Region und ließen sich andernorts in Deutschland nieder.

Aus Tschetschenien, Syrien, Kurdistan, dem Irak, Afghanistan, Polen und Kasachstan kommen die Kinder, die Natalja Götz in Forst unterrichtet. Die Voraussetzungen, die sie mitbringen, sind denkbar verschieden. "Schulerfahrung haben die meisten von ihnen", weiß die Lehrerin. So sei die Arbeit in der Schule, die Wissensvermittlung, zwar schwierig, aber ihr geringstes Problem. Um wirklich integrieren zu können, brauche es Regeln, an die sich auch die Eltern halten. Ihnen müssten stärker Gesetze, Abläufe und Normen vermittelt werden, damit sie eingehalten werden können. So ist Natalja Götz über die Jahre nicht nur zu einer Art "Rudelmutter", wie sie sich selbst bezeichnet, für die Kinder von Flüchtlingen geworden, sondern auch regelmäßiger Gast in den Forster Asylbewerberheimen. Dort spricht sie mit Eltern, gibt Hilfestellungen, beispielsweise derart, dass Eltern ihre Kinder bei Krankheit für die Schule entschuldigen können. "Vertrauen zu Eltern und Kindern aufbauen, es schaffen, dass Termine eingehalten werden, das sind die ganz kleinen Erfolge, über die ich mich freue", sagt die Lehrerin.

Sie verweist auch auf viele private, kirchliche und Vereinsinitiativen, die bei der Integration - nicht nur der sprachlichen - von Flüchtlingskindern helfen. In Forst habe man damit schon seit mehreren Jahren Erfahrung gesammelt. In anderen Städten im Spree-Neiße-Kreis stehe man in dieser Entwicklung erst am Anfang.

Das ist eine Auffassung, die auch Ilona Sieg teilt. Die für weiterführende allgemeinbildende Schulen im Kreis zuständige Schulrätin räumt ein, dass es den staatlichen Stellen nicht wirklich möglich ist, flexibel auf die aktuellen Zahlen von schulpflichtigen Flüchtlingskindern zu reagieren und den Schulen jene Kräfte zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen. "Wir bieten Weiterbildungen an. Aber wir haben noch zu wenige Lehrer mit der entsprechenden Qualifikation für diese Aufgabe", sagt sie.

Genaue Zahlen, wie viele Lehrer sich der Aufgabe des Förderunterrichts für Flüchtlingskinder im Kreis stellen und wie viele Schüler das Angebot nutzen, will die Schulrätin nicht nennen. "Die Zahlen ändern sich praktisch täglich", sagt sie. Deutlich wird auf jeden Fall, sie reichen nicht aus.

Zum Thema:
Laut Eingliederungsverordnung des Brandenburger Bildungsministeriums haben Schüler im Rahmen der personellen und sächlichen Voraussetzungen einen Anspruch auf schulische Förderung und Ausgleich von Benachteiligungen, die aus den mangelnden Sprachkenntnissen erwachsen.Die Förderung erfolgt unter Berücksichtigung der deutschen Sprachkenntnisse und auf Grundlage individueller Förderpläne. Bei der Klassen- und Kursbildung ist auf eine gleichmäßige Verteilung der Schüler zu achten. Ihr Gesamtanteil soll 30 Prozent der Schüler einer Klasse nicht übersteigen. Eltern erhalten regelmäßige Informationen über die Lernfortschritte ihrer Kinder. Dieser Unterricht soll genutzt werden, um fehlende Kenntnisse in den Unterrichtsfächern auszugleichen. Die Teilnahme am Förderkurs soll maximal zwei Jahre betragen.