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Der Sänger mit der roten Mütze

Ohne rote Mütze, aber für viele Zuhörer gehörte Tino Eisbrenners Musik zur Jugend. In Forst präsentierte er auch neue Lieder.
Ohne rote Mütze, aber für viele Zuhörer gehörte Tino Eisbrenners Musik zur Jugend. In Forst präsentierte er auch neue Lieder. FOTO: Angela Hanschke/aha1
Forst. Kein Platz war frei, als am Sonntag Lutz Hoff im Pavillon Genuss & Kunst Tino Eisbrenner begrüßte. Auch wenn die meisten Zuhörer das sechste Lebensjahrzehnt längst überschritten hatten, so verbanden alle untrennbar mit seinem Namen den Hit "Ich beobachte Dich". aha1

Der bescherte der Gruppe "Jessica" den Titel "Beliebteste Newcomerband der DDR". Die Melodie und seine unverwechselbare Stimme blieben auch nach fast 30 Jahren im Ohr. "Es gibt keinen jüngeren DDR-Star", betonte Moderator Hoff, der das Leben seines Gastes auch mittels originaler Videos im Schnelldurchlauf aufräufelte. "Wir waren die letzte Generation von DDR-Fernseh-Gesichtern", bestätigte Tino Eisbrenner, dessen Markenzeichen die rote Ledermütze war. Als unangepasst, als junge Wilde, galten die Bandmitglieder. Das bescherte zu Beginn ihrer Karriere 1986 gleich zwei Musikern die Einberufung zur NVA und das unfreiwillige Aus für die Gruppe Jessica, der seine Solokarriere folgte. Unbequem ist der charismatische Rockpoet noch immer. Er hat sich als Komponist, Lyriker, Schauspieler einen Namen gemacht, bezieht Stellung: "Ich mache keine Musik, um etwas zu verkaufen. Ich muss mich engagieren". Unter anderem mit dem Projekt "Musik statt Krieg", mit einem Brecht-Programm und mit Texten von Heine. Und mit dem "Friedenslied", mit dem er gegen die Ästhetik des Krieges angeht.

Immer wieder erhielt er spontanen Applaus. "Man hat nach der Wende kaum noch was von ihm gehört", sagte Berthy Wieczorek (47) und ergänzte: "So eine Ledermütze hatte ich auch. Für viel Geld aus dem Exquisit." Sie kenne Tino Eisbrenner gar nicht, bekannte Erika Weiß (88). Sie sei nur wegen der Freundin gekommen. Für Doris Pahl (65) gehört Tino Eisbrenner hingegen zur eigenen Jugend. "Das war unsere Musik. Die neuen Texte sind echt gut!" Es sei der beste Talk gewesen, den es bislang gab, sagte eine Zuhörerin, die ihn zuvor gar nicht kannte. Eine ältere Musikfreundin meinte etwas unwirsch, als Eisbrenner nach der Pause aus seinem Buch "Von heute auf morgen" las: "Der soll singen!"