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Forst
Der Mythos weiße Weihnacht entzaubert

Groß Kölzig. Kurt Noack aus Groß Kölzig hat einen Blick in die Wetteraufzeichnungen gemacht.

Um das diesjährige Weihnachtswetter braucht jetzt nicht mehr gerätselt zu werden. Die Meteorologen sagen voraus, dass der aktuelle Winter sich im Rückzug befindet und die weiße Weihnacht 2017 fraglich ist. Alle Jahre wieder träumen wir von Weihnachten im Schnee.

Doch die schnöde Statistik entzaubert diesen Mythos. Viele Regionen Deutschlands erleben weiße Weihnachten kaum. Auf Helgoland erleben die Menschen nur alle 50 Jahre und im Rheintal, sagt der Deutsche Wetterdienst, nur alle zehn Jahre Weihnachten im Schnee, in Berlin doppelt und in München viermal so oft. Die Zugspitze hingegen ist zu Weihnachten immer weiß.

Auch der äußerste Südwesten Deutschlands gehört zum schneearmen Raum  und dass auf grüne Weihnachten weiße Ostern oder umgekehrt folgen müssen, gehört in das Reich der Hypothese.

Auf grüne Weihnachten folgen allzu oft auch grüne Ostern und mehrmals folgte weiß auf weiß. Unsere Wetterregion Ostdeutschland meldet ausgerechnet zu Weihnachten oft auch Tauwetter.

Eine Prognose abzugeben, bleibt bis zum Tage vor Heiligabend spannend, meinte ein zu Rate gezogener Experte vom Deutschen Wetterdienst, und wenn sie von früher reden, meinen ältere Zeitgenossen gern, dass die Winter kälter und die Sommer eben wärmer waren. Die Simulationen für den Klimawandel lassen aber klar einen Trend zu milderen Wintern erwarten.

Doch zwischen 1945 und 2016 konnten sich die Leute in unserer engeren Heimatregion 27-mal zu Weihnachten weißer Pracht erfreuen, in jedem dritten Jahr also, wenn auch nicht immer in klassischer Form. Damit zählen wir zu den darin begünstigten Regionen Deutschlands.1956 schneite es hier zum Heiligabend und den 1. Feiertag hindurch. Im Jahre 2000 fiel Heiligabend in ganz Deutschland Schnee, doch um Forst herum erst am 1. Feiertag. Das Jahr 1961 bescherte uns die kälteste Weihnacht des Jahrhunderts, und richtigen Winter zu Weihnachten erlebten wir zuletzt in den Jahren 2001, 2002 und 2010.

Dreimal, 1974, 1977 und 2012, gab es an den Weihnachtstagen seit 1893 nie gemessene milde Temperaturen und ebenso oft war das Weihnachtswetter frühlingshaft. Bitterkalt war es hingegen zu Weihnachten 1946 und 1961 mit Temperaturen unter 15 Grad.

Der zweite Nachkriegswinter zog sich bis Mitte März hin und bereitete damals den vielen Familien in notdürftigen Wohnungen große Sorgen. Den meisten Schnee zu Weihnachten mit circa 30 Zentimetern, beginnend am 22. Dezember, bescherte uns der Wettergott im Jahre 2001, doch nur für elf Tage, und Weihnachten 2007 zeigte sich tatsächlich grün mit Sonne vom blauen Himmel. Tief verschneite Ostertage hatten wir zuletzt im Jahre 2008.

Die Lausitzer RUNDSCHAU schrieb am 1. September 1989, dass nach Ansicht der Ornithologen sich ein harter Winter in Europa ankündigt und verweist dabei auf den frühen Rückflug der Störche. Nach Beobachtungen zyprischer Vogelkundler verließen die Störche damals mindestens zwei Wochen früher als üblich ihre europäischen Sommerquartiere. Tatsächlich aber entwickelten sich die Temperaturen danach ganz normal und bescherten uns am 1. Weihnachtsfeiertag sogar Osterwetter.