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Der Geopark als Erlebnis

Für die Kinder gab es bei der Märchenwanderung auch Vieles in der Natur zu entdecken.
Für die Kinder gab es bei der Märchenwanderung auch Vieles in der Natur zu entdecken. FOTO: Margit Jahn/mjn1
Döbern. Der Jüngste war Emil Baumgart aus Horno. Die sieben Kilometer waren für den Dreieinhalbjährigen mit den kleinen Beinen schon eine Herausforderung, die er bravourös gemeistert hat. Margit Jahn / mjn1

Aber in Begleitung von Freund Moritz Priel (5) und der beiden Mütter lief es sich bestens. Weitere Teilnehmer kamen aus Weißwasser, Stendal, Sagar bei Krauschwitz, Groß Kölzig und Weskow. "Es ist unsere erste Wanderung", sagte Martina Baumgart. "Märchen sind gerade großes Thema und Wald und Natur sowieso." Moritz war schon auf Kräuterwanderung in Guben, erzählte Diana Priel. Das Interesse an der Natur hilft Kindern ungemein bei so einer Tour.

Ähnlich war es auch bei Florian Meinhardt (9) und Leonard Schüller (9). Sie haben von dem Ferienwandertipp in der Zeitung gelesen und waren noch nie im Märchenwald. Und auch Lisa (6) und Pascal (10) waren ganz gespannt darauf, welche Märchen sie im Märchenwald entdecken oder wiedererkennen würden.

Entlang des Radweges zwischen seltenen Weißtannen, Birken, hohen Buchen und Erlen erfuhren die großen und kleinen Wanderer viel Wissenswertes um die Landschaft. In kindgerechter Art erklärte Geopark-Geschäftsstellenleiterin Nancy Sauer von Eiszeiten, welche die teils sumpfige Landschaft maßgeblich gestaltet und wieder umgestaltet haben. Die Neiße suchte sich vor 20 000 Jahren einen ganz anderen Weg, als den sie heute hat. Damals verlief sie südlich von Weißwasser in Richtung Westen. Dies ist anhand von gefundenem Schotter bewiesen. Später wurden die Hänge und Terrassen geformt, die nun das Neißetal einrahmen. "Ein Fluss ist wie jemand, der sein Wohnzimmer immer renoviert. Und in den letzten 10 000 bis 12 000 Jahren wurde viel gewandelt."

Bei der ersten kleine Rast wurde passend zum Neißegelände das Spiel "Herr Fischer wie tief ist das Wasser?" gespielt. Einige Kinder kannten das alte Spiel noch, und nicht nur die Kleinen hatten Freude daran. Später, am Neißewehr in Zelz, war die nächste verdiente Rast. Dort gab es Wilhelm Buschs "Adelens Spaziergang" zu hören. Anschließend tauchte die kleine Gruppe dann auf den "richtigen" Märchenweg ein; samtig auf weichem Moos gehend, umgeben von hohen Farnen und durch den Weg schlängelnd - so stellt man sich einen Märchenwald vor. Unterwegs kreuzte eine blitzschnelle kleine Ringelnatter den Weg, viele Mistkäfer verrichteten fleißig ihre Arbeit und eine Minieidechse wurde von den Kindern entdeckt. Ein kleiner Abstecher an die Neiße wurde unternommen, um den Kindern zu erklären, was eine Furt ist, warum sie früher so wichtig war, dass sogar große Städte wie Frankfurt die Überquerungsmöglichkeit noch heute im Namen tragen. "Die Neiße ist eine der besten naturerhaltenen Flüsse in Deutschland", erklärte Nancy Sauer. Aufgrund der Grenzsituation wurde in den letzten Jahrzehnten kaum gebaut und konnte sich eine einzigartige und artenreiche Flora und Fauna erhalten oder sogar ausbreiten.

Auf dem weiteren Verlauf des Weges sollten die Kinder die erste Fichte suchen und bekamen auch eine circa 80-jährige absterbende Buche zu sehen, deren Stamm von vielen Pilzen bewachsen war. Kippt sie um, kommt der Hirschkäfer, legt Eier ab und die Larven fressen sich bis zu sieben Jahre dick, bevor sie selbst ein Hirschkäfer werden.

Am Radweg gab es auch einen Bioacker zu bestaunen. Dieser war daran zu erkennen, das die Ähren recht klein sind und sich auch viel Gras dazwischen befindet. Der Acker kommt ohne jegliche Pestizide aus. Weil die Erträge deshalb nicht groß sind, wird er vom Land als Bioacker gefördert.

In der letzten Rast bekamen die Kinder noch die Geschichte von der Fichte zu hören, als russische Version von "Aschenputtel". Und am Ende des Märchenwaldweges bekamen alle Kinder eine Urkunde als Erinnerung übergeben. Zum Abschluss gab es noch die Geschichte vom "Zauberer Pumphut" zu hören.

Auch wenn Isabella Platzke (6) aus Bad Muskau keine Edelsteine gefunden hat, wie sie es eigentlich im Märchenwald vorhatte - es war für alle ein schöner und informativer Ferientag in angenehmer Gesellschaft gewesen.