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Rückschau und Ausblick
Von Kreisstadt bis Alkoholverbot

2017 schätzten die Behörden ein, dass ein generelles Alkoholverbot in der Innenstadt, wie von der Stadt gewollt, nicht möglich ist.
2017 schätzten die Behörden ein, dass ein generelles Alkoholverbot in der Innenstadt, wie von der Stadt gewollt, nicht möglich ist. FOTO: Katrin Kunipatz
Forst. Wie der stellvertretende Forster Bürgermeister Jens Handreck auf 2017 und 2018 blickt. Von Steffi Ludwig

Im März 2017 habe er sich dafür entschieden, „den Hebel im Kopf“ umzulegen, sagte der stellvertretende Bürgermeister Jens Handreck im RUNDSCHAU-Gespräch. Erst dann sei ihm so richtig klar geworden, dass er für die kommende Zeit verantwortlich für die Stadt sein würde und sein muss. „Bis dahin hatte es immer wieder Aussagen vom ehemaligen Bürgermeister gegeben, dass er bald wiederkommen würde“, so Handreck, der gleichzeitig Verwaltungsvorstand für Finanzen und Sicherheit ist. Der ehemalige Bürgermeister Philipp Wesemann war seit November 2016 erkrankt.

Doch rückblickend konstatiert Handreck, dass es ihm gelungen sei, mit der gesamten Verwaltung, allen voran den beiden Verwaltungsvorständen Heike Korittke und Sven Zuber, das Schiff Forst auf Kurs zu halten und zählt eine Reihe positiver Entwicklungen auf: „Einer der wichtigsten Punkte war Ende des Jahres die Entscheidung, dass Forst Kreisstadt bleiben kann.“ Besonders würdigt Jens Handreck das Engagement vieler Forster Unternehmen: „Durch ihre Leistungen tragen sie auch den Namen Forst nach außen.“ Stolz ist er auch auf das große bürgerschaftliche Engagement, unter anderem in den vielen Vereinen. „Sie halten damit die Stadt Forst auch ein Stück weit hoch. Das fließt auch in wichtige Forster Veranstaltungen ein wie die Rosengartenfesttage, das Sattelfest oder das Mitternachtsshopping.“ Auch das Engagement der freiwilligen Feuerwehr zähle dazu – und das vieler ehrenamtlicher Helfer beim dreimaligen Auftauchen von Fundmunition 2017 in Forst. Zudem habe es durch die Verabschiedung des langjährigen Stadtwehrführers Bernd Frommelt auch emotionale Momente gegeben.

Weiterhin sei es gelungen, die kleinen touristischen Leuchttürme, wie Rosengarten und Freibad, ein Stück nach vorn zu bringen. „Eine positive Nachricht war zum Jahresende, dass unser größtes Investitionsziel, die Schwimmhalle, ein großes Stück näher gerückt ist“, so Handreck. Hier hatte es die Fördermittelzusage von vier Millionen Euro gegeben, dem Hauptteil der Bausumme. „Weitere Mittel werden eingeworben. Ich denke, dass es dieses Jahr mit dem Umbau los geht.“

Die gemeinsame Gesprächsbasis mit dem Kinder- und Jugendbeirat betrachtet Handreck als Erfolg, ebenso die neue Stelle einer Sachbearbeiterin Sucht- und Drogenprävention/Gesundheitsförderung.

Zu den negativen Aspekten zählt Handreck, dass die Einwohnerzahl von Forst noch immer sinke. Als einen Grund nennt er das Problem, dass in Forst nach der Wende die drei größten wirtschaftlichen Anker im Wesentlichen weggebrochen seien: die Tuchindustrie, der Maschinenbau, aber auch die Technische Gebäudeausrüstung.

„Geärgert hat mich 2017 auch, dass wir offenbar behördlicherseits unterschiedliche Wahrnehmungen zum Thema Ordnung und Sicherheit haben und dass dadurch unser Alkoholverbot teilweise abhanden kam“, sagt Handreck. Sorgen mache ihm auch die hohe Diebstahlquote, beispielsweise von Fahrrädern oder Autos. Der Präventionstag am 4. November sei ein, wenn auch kleines, Mittel vonseiten der Stadt und Polizei dagegen gewesen und soll wiederholt werden. Er appelliert an die Zuständigen im Land, die Polizeipräsenz vor Ort zu verstärken, wenn es die Lage erfordert. Die Wiederbelebung der Fahrradwache in Forst, bisher angekündigt für Anfang 2018, werde hoffentlich im Laufe des Jahres glücken.

Auf die Bürgermeisterwahl am 22. April schaut Handreck (CDU) mit positivem Blick: „Es wird einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin geben. Ich habe mich entschieden, nicht zu kandidieren. Denn ich weiß durch das eine Jahr, was wirklich dranhängt. Es war ein tolles Jahr mit vielen Erfahrungen. Ich weiß, dass man allein nicht viel stemmen kann, dass man die Unterstützung auch anderer Behörden braucht.“ Aber gerade vonseiten des Landes sei ihm diese manchmal zu gering ausgefallen.

Jens Handreck, stellvertretender Bürgermeister von Forst, zieht Bilanz,
Jens Handreck, stellvertretender Bürgermeister von Forst, zieht Bilanz, FOTO: Steffi Ludwig / LR