| 18:34 Uhr

Deponie Brozek lässt die Forster nicht los

Diese Luftaufnahme der Recyclingfirma im polnischen Brozek entstand Ende März, als die schwelenden Plastikabfälle mit Sand abgedeckt wurden.
Diese Luftaufnahme der Recyclingfirma im polnischen Brozek entstand Ende März, als die schwelenden Plastikabfälle mit Sand abgedeckt wurden. FOTO: zvg
Forst. Brozek lässt die Forster nicht los. Wochen sind seit dem Brand in der polnischen Recyclingfirma vergangen. Katrin Kunipatz

Trotzdem trafen sich in dieser Woche wieder knapp 20 Bürger an der Stadtkirche, um über das weitere Vorgehen zu sprechen. Denn auch wenn der stinkende Schwelbrand mit einer dicken Sandschicht abgedeckt ist, bleiben Fragen offen. Klären will man einen Teil davon bei einer öffentlichen Gesprächsrunde, erklärt Johann Staudinger, Sprecher der Initiative. "Wir wollen deutsche und polnische Fachbehörden, politische Vertreter und den Deponiebetreiber einladen", sagt er. Der Termin soll in der nächsten Woche, nach weiteren Abstimmungen, bekannt gegeben werden.

Währenddessen scheint bei der Recyclingfirma in Polen wieder Routine eingekehrt zu sein. Vor Ort ist zu beobachten, wie Lkw das Firmengelände erreichen. Dort lagern bereits wieder meterhoch die zu großen Würfeln gebündelten Plastikabfälle. Laufende Maschinen sind zu hören, Menschen gehen über das Gelände. Riesengroß türmt sich im hinteren Bereich des ehemaligen Schießplatzes ein Berg aus hellem Sand auf. Darunter liegen die möglicherweise immer noch heißen Reste des Mitte Februar ausgebrochenen Brandes.

Wie und wann dieses Material abtransportiert und ordnungsgemäß entsorgt wird, Hintergründe zur Recyclingfirma und den auf dem Gelände gelagerten Materialien wollte die RUNDSCHAU mit dem Bürgermeister von Brody, Ryszard Kowalczuk, klären. Er ist für die Gemeinde Brozek und damit auch für die Kontrolle der Firma verantwortlich. Jedoch hat Ryszard Kowalczuk zwei Gesprächstermine kurzfristig abgesagt. Es sieht so aus, als wolle er den Fragen, die ihm bereits vorliegen, aus dem Weg gehen.

Antworten gab es dafür vom ebenfalls angefragten Landratsamt des Kreises Zary. Die Leiterin der Abteilung Krisenmanagement Agnieszka Oskierko-Liczner schreibt, dass die Abfälle vollständig abkühlen müssen, bevor sie recycelt werden können. "Bis zu diesem Zeitpunkt werden sie ständig vom Umweltschutzinspektorat der Wojewodschaft Lebuskie beobachtet", versichert sie. Kontrollen durch die Umweltbehörden des Betriebsgeländes in Brozek gebe es, seit der Bürgermeister von Brody und der Landrat des Kreises Zary die Investitionen auf dem ehemaligen Schießplatz erlaubt haben. Weiter teilt die Leiterin des Krisenmanagements mit: Das Landratsamt Zary verfüge über keine Informationen, dass Behälter mit chemischen Substanzen in den vergangenen Jahren auf dem Betriebsgelände gelagert wurden. Bekannt sei dagegen, dass ein beträchtlicher Teil der Plastikabfälle aus Deutschland stammt.

Weitere Details zu den in den vergangenen zehn Jahren auf dem Gelände lagernden Materialien nennt ein polnischer Anwohner, der namentlich nicht in Erscheinung treten will. So habe der erste Besitzer Altreifen zu Kraftstoff verarbeiten wollen. Die heutige Firma gehört zu einem Firmengeflecht und stellt nach eigenen Angaben aus Plastikabfall Granulat her. Im September 2013 berichtete die polnische Tageszeitung "Gazeta Lubuska" über wachsende Müllberge auf dem Gelände der Recyclingfirma. Demnach habe die Umweltschutzbehörde der Woiwodschaft Lubuskie Strafen auferlegt und den Abtransport angeordnet. Die Firma habe die Termine jedoch verzögert, bis es schließlich im Februar 2017 brannte, schildert er.

Zum Thema:Am 14. Februar bricht das Feuer auf dem Lagerplatz der polnischen Recyclingfirma aus. Die Feuerwehr löscht. Am 3. März übernimmt der Eigentümer die Brandwache. Seitdem klagen Forster über starke Geruchsbelästigung, teilweise über Atembeschwerden und Augenreizungen, wenn Qualm über die Neiße zieht. Die Feuerwehr kann keine Gefahrstoffe in der Luft ermitteln. Das Landratsamt verweist auf Auskünfte polnischer Behörden.Erst auf massives Drängen von Forster Bürgern werden am 10. März Luftmessungen veranlasst und mit den Polen über die Beseitigung der Qualmursache gesprochen.Zwischen dem 22. März und dem 2. April wird die Brandstelle mit Sand abgedeckt.