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Deichverbot nach Wolfsangriff

Teichwirt Christoph Junghanns lässt seine Schafe nicht auf den Deichen weiden. Sicher sind sie vor dem Wolf auf der Koppel in Mulknitz trotzdem nicht.
Teichwirt Christoph Junghanns lässt seine Schafe nicht auf den Deichen weiden. Sicher sind sie vor dem Wolf auf der Koppel in Mulknitz trotzdem nicht. FOTO: kkz
Forst. Drei Schafe fehlen in seiner kleinen Herde. Ihre Reste hat Christoph Junghanns auf einem Feld nahe der Koppel in Mulknitz gefunden. Katrin Kunipatz

Der Teichwirt ist sich ziemlich sicher, dass Wölfe des in der Nachbarschaft lebenden Teichland-Rudels die Schafe getötet und gefressen haben. Der Kehlbiss, die nicht beim Kadaver befindlichen Innereien und die weggefressenen Rippen sind für ihn untrügliche Hinweise auf den Wolf.

"Aber der im Auftrag des Landesumweltamts tätige Rissgutachter hat es abgelehnt die Spuren zu sichern", sagt Christoph Junghanns. Ein genetischer Nachweis sei nur 24 bis 36 Stunden nach dem Riss möglich, lautete die Begründung. Tatsächlich lagen zwei Tage zwischen dem Wolfsangriff und dem Telefonat mit dem Rissgutachter. Christoph Junghanns schildert: "In der Nacht zum Dienstag vergangene Woche sind die drei Schafe getötet worden." Am Mittwoch habe er es bemerkt und - weil er viel zu tun hatte - erst am Donnerstag den Rissgutachter verständigt.

Für Thomas Frey, Pressesprecher im Landesumweltamt, ist es nachvollziehbar, dass der Rissgutachter den Besuch ablehnte. Innerhalb von 24 Stunden sei eine Meldung nötig. "Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird die Spurenlage", sagt er. Regen, andere Aasfresser und die Verwesung erlaubten es nicht mehr, eindeutig auf den Wolf als Verursacher zu schließen. Frey verweist auf die Kosten-Nutzen-Rechnung und die Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler. "Grundsätzlich sind wir daran interessiert, dass die Betroffenen nach einem Wolfsriss schnell entschädigt werden, aber dafür ist eine saubere Beweislage nötig", sagt Frey.

Christoph Junghanns hat dagegen das Gefühl, man versuche, das Problem nicht hochkochen zu lassen. Seit 20 Jahren hält der Teichwirt Schafe. Sie fressen das Gras auf den Deichen. Positiver Nebeneffekt: Mit ihren Hufen verfestigen sie den Deich. Und für Frösche, Eidechsen oder Insekten sind die Schafe besser als der große Mulcher, der alles klein häckselt.

Viele Jahre lief es gut. Im September 2015 erlebte Christoph Junghanns den ersten Wolfsangriff. Vier Schafe holten die Raubtiere. Leicht fiel es ihnen, weil die Koppel wasserseitig nicht gesichert war. Trotz des Strom führenden Weidezauns verlor er im vergangenen Jahr ein Schaf an den Wolf. Seitdem hat Junghanns die Tiere auf der Koppel direkt hinter seinem Wohngrundstück. Hier wagten die Wölfe in diesem Jahr den jüngsten Angriff und holten zwei Mutterschafe und ein Lamm. Seitdem sperrt er die Herde jeden Abend im Stall ein.

Eine Entschädigung für die getöteten Tiere bekommt der Mulknitzer als hauptberuflicher Tierhalter nicht. Stattdessen kann er Fördermittel für Schutzmaßnahmen beantragen. Aber wolfssichere Zäune sind auf den schmalen Deichen nur mit großem Aufwand aufzustellen. Junghanns beantragte deshalb einen Viehanhänger in den er nachts die Schafe einsperren und den er leicht zwischen den Deichen bewegen kann. Sein Antrag wurde abgelehnt. Und weil die Schafe nicht mehr die Deiche pflegen, muss Junghanns mit dem schweren Mulcher fahren und ist so weit weg von einer ökologischen nachhaltigen Bewirtschaftung. "Am meisten ärgert mich, dass diejenigen, die etwas für die Natur tun, die Geschädigten bleiben", sagt er.

Zum Thema:
Fünf Wolfsrudel vermerkt das Landesumweltamt im Landkreis. Sie leben in den Regionen Teichland, Hornow, Zschorno, Bärenklau und Lieberoser Heide. Wolfsrisse von Nutztieren werden seit 2007 dokumentiert. Im Landkreis wurden seitdem pro Jahr zwischen keinem und 14 eindeutig vom Wolf getötete Tiere gezählt.Das Teichland-Rudel ist im Wolfsjahr 2012/13 erstmals als Paar nachgewiesen worden. Zum Rudel gehören im Winter etwa acht Tiere: das Elternpaar sowie Welpen dieses Jahres und des Vorjahres.