Von Sven Hering
und Josephine Japke

Senftenberg macht’s vor: Bis zum Frühjahr 2020 soll dort ein Vorschlag erarbeitet werden, wie der Nahverkehr in der See-Stadt künftig kostenlos gestaltet werden kann. Im Wahlkampf hatten sich mehrere Parteien für einen unentgeltlichen Stadtverkehr ausgesprochen. Damit soll ein Beitrag für das Erreichen der Klimaziele durch die Kommune geleistet werden. Der Senftenberger Stadtverkehr wird durch die Fahrgeldeinnahmen, die Ausgleichsfinanzierung des Landkreises und durch einen Zuschuss der Stadt bezahlt. Im Jahr 2019 ist die Seekommune mit 167 500 Euro dabei. Nach Angaben der ersten Beigeordneten, Teresa Stein, würde sich der Zuschuss der Stadt bei einem unentgeltlichen Stadtverkehr bei gleichbleibender Linienführung und gleichen Taktzeiten um rund 100 000 Euro erhöhen. Geprüft werden müsse, ob die bisherige Förderung durch den Landkreis, derzeit rund 40 000 Euro, weiter gewährt würde.

Während in Senftenberg also in den kommenden Monaten noch einige offene Fragen zu klären sind, ist im Landkreis Spree-Neiße und in der Stadt Cottbus dieses Modell dagegen keine Option.

Schülerverkehr soll ausgebaut werden

„Wir setzen stattdessen darauf, das Angebot zu verbessern“, erklärt Spree-Neiße-Finanzdezernent Carsten Billing. Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe – und werde Geld kosten. Der Kreis will dabei vor allem zunächst den Schülerverkehr ausbauen. So wird derzeit geprüft, welche Kosten auf den Kreis zukommen, wenn zwischen 12 und 16 Uhr alle Linien stündlich verkehrten. Das umfasst alle Strecken, auf denen öffentliche Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien bedient würden. Gleichzeitig wollte der Kreis noch einen Schritt weitergehen und den stündlichen Verkehr bis 17 Uhr ausbauen.Veränderungen seien zwingend nötig, hieß es jüngst im Kreistag. So regte Eberhard Müller (Unabhängige Wählergemeinschaft) an, die zumutbaren Fahr- und Wartezeiten noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Es gebe Schüler, die wegen nicht optimaler Verbindungen mitunter sehr lange auf dem Weg zur oder von der Schule unterwegs seien. Kurz vor dem Sommer hatte der Kreistag außerdem zugestimmt, dass der Landkreis Spree-Neiße ein zusätzliches Linienpaket bei Cottbusverkehr einkaufen darf. Damit wird die Spreewaldregion Burg künftig besser mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar sein.  Für rund 205 000 Euro bestellt der Landkreis bei Cottbusverkehr zusätzliche Verbindungen.

Grundsätzlich sei der öffentliche Personennahverkehr im Landkreis Spree-Neiße gut aufgestellt. „Es geht deshalb im Nahverkehrsplan mehr um die Angebotsoptimierung als die Angebotserhöhung“, sagt René Kämpfer vom  IGES-Institut, das vom Landkreis mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplans für die Jahre 2018 bis 2022 beauftragt worden ist.

Cottbus stellt Kostenfrage

Auch in der Stadt Cottbus werden die Pläne für kostenlose Bus- und Bahnfahrten eher kritisch gesehen. Die Fraktion AUB/SUB würde den Plan schon seit Jahren verfolgen und wäre 100 Prozent dafür, betont Fraktionschef Torsten Kaps. Aber: „Das darf nicht zulasten von Irgendjemandem gehen. Wir diskutieren stark mit Cottbusverkehr darüber, denn ohne die geht es nicht.“ Eine Machbarkeitsstudie sei geplant, schließlich müsse jemand den Nahverkehr bezahlen. Sein Wunsch: „Das Liniennetz könnte man in dem Zuge attraktiver gestalten.“ Ähnlich sieht das auch Hans-Joachim Weißflog von Bündnis 90/Die Grünen: „Den Nahverkehr nur kostenlos zu gestalten, wird am Ende nichts bringen. ÖPNV muss auch sonst attraktiv sein.“ Dazu zähle nicht nur das Fahrbahnnetz sondern auch die Erneuerung alter Straßenbahnen. Gerade aus Klimagründen sei weniger Individualverkehr in der Innenstadt wünschenswert. „Ob das in unserer Haushaltssituation überhaupt realistisch ist, muss man allerdings gut überprüfen. Nicht zu vergessen: Cottbus hat hohe Schulden.“ Ein Argument, das auch für Hagen Strese, stellvertretender Fraktionschef der CDU, im Vordergrund steht: „In Cottbus wird das so nicht funktionieren, weil wir 200 Millionen Euro Schulden haben.“ Auch, wenn die Entlastung des Normalverkehrs „sicherlich eine schöne Sache wäre“, dürften die freiwilligen Leistungen der Stadt nicht erhöht werden und das würde im Zuge eines kostenlosen Nahverkehrs passieren.Wenn aber eine Finanzierung des Nahverkehrs über Bund und Land sichergestellt wäre, wäre kostenloser Nahverkehr grundsätzlich nichts Schlechtes, so Denis Kettlitz, stellvertretender SPD-Fraktionschef. Alleine könne die Stadt das nicht stemmen und „wenn das Geld nicht über den Fahrpreis kommt, muss das anders geregelt werden“, sagt er.