Von Heido Briesemann

Nur selten wird an dieser Stelle auf den Wahrheitsgehalt des Hundertjährigen Kalenders eingegangen. Zu lang her ist die Erschaffung des Werkes, zu unberechenbar das aktuelle Klimageschehen. Doch das Oktoberwetter im Jahr des Merkur anno 2019 wurde wie folgt beschrieben. […] der erste Teil des Herbstes bringt viel Regen, Frühreif und ersten Frost. Ab der Hälfte des Oktober beginnt endlich schönes, trockenes Wetter, das bis zum Beginn der Adventszeit andauert […].

Soweit voraus geht dieser Bericht zwar nicht, aber der tatsächliche Wetterverlauf zumindest der letzten vier Wochen spiegelte bemerkenswert die Beobachtungen vor 450 Jahren wider.

Das Tief „Nils“ und der Ex-Hurrikan „Lorenzo“ bestimmten mit vielen Wolken und fast täglichen Regenschauern die erste Oktoberwoche. Die Höchstwerte lagen mit 12 Grad bereits im spätherbstlichen Bereich. Positiver Aspekt: Es gab vielerorts wieder Pilze in den Wäldern; Maronen und Birkenpilze füllten schon nach kurzer Zeit die Körbe der Sammler.

Der erste Luftfrost (minus 2,5 Grad) am Morgen des 7. Oktober  zerstörte dann in vielen Gärten die  Blütenpracht der Dahlien. Letzte Tomaten und Paprika wurden „sichergestellt“, Kirmesblumen und Astern und Geranien leuchteten als letzte in den Kleingärten.

Wechselhaft endete die erste Dekade, bevor ein Ausläufer des Azorenhochs „Lisbeth“ noch einmal sehr warme Luft in die Lausitz schickte. Die Folge: vier ungewöhnlich warme Tage mit viel Sonne und dem Monatshöchstwert von 26 Grad am 13. Oktober in Forst. Nichts Ungewöhnliches im Herbst, auch im jahr 2018 hatte der Oktober vier Sommertage parat.

Tief „Thilo“ brachte dann zwar wieder leicht unbeständiges Wetter, Tage mit grauem Himmel wechselten sich mit einem Sonne-Wolken-Mix ab, aber bis auf die ein paar Tropfen Regen am 16. und 27. des Monats blieb es die letzten 14 Tage trocken.

Morgens oft spektakuläre Sonnenaufgänge und tagsüber eine herrliche Laubfärbung: Es war insgesamt betrachtet ein schöner Oktober. Zehn Tage mit Höchstwerten über 20 Grad, davon zwei Sommertage gehen in die Statistik ein. Auch die 142 Sonnenstunden waren ein Top-Wert. Das Monatsmittel lag bei milden 12,1 Grad.

Der Niederschlag von 59 Litern tat der Natur gut. Zu einer ausgeglichenen Jahres-Wasserbilanz fehlen dennoch 160 Liter.

Schließlich endete der Oktober 2019 dank Hoch „Oldenburgia“ mit viel Sonne aber zwei frostigen Nächten. Minus 6,0 Grad waren am Morgen des Reformationstages zu verzeichnen.

Bleibt nun abzuwarten, ob die Prognose (sonnig und trocken) des Hundertjährigen Kalenders auch für den November gilt – in vier Wochen kann Bilanz gezogen werden.