ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Das Wasserwerk in der Triebeler Straße 131

Forst.. Vor über 100 Jahren gab es in der Stadt noch keine zentrale Wasserversorgung. Zirka 45 Brunnen lieferten für die Forster das notwendige Trink- und Gebrauchswasser. Mühl- und Lohmühlgraben versorgten die Industrie mit Wasser. Hans-Joachim Schulz

Infolge des Auftretens von Typhus-Erkrankungen 1889 beschloss der Magistrat im Juni 1893 die Errichtung einer zentralen städtischen Wasserleitung auszuschreiben. Die Firma Heinrich Scheven aus Bochum hatte bereits in 46 Städten Wasserwerke errichtet und bohrte in der Nähe an 30 Stellen und befand die Wehrinsel als geeignet für ein zu bauendes Wasserwerk. Der Magistrat bildete daraufhin am 9. April 1897 eine fünfköpfige Wasserwerksbaukommission, Die Stadt kaufte Bauprojekt sowie die von der Firma Scheven vom Wehrinselbesitzer Paul Rüdiger angekauften Teile der Wehrinsel zurück.
1899 erhielt der erfahrene Zivilingenieur E. Prinz aus Charlottenburg einen Vertrag als Bauleiter für das Projekt zur Errichtung des Wasserwerkes. Er stellte jedoch zu hohe finanzielle Forderungen, und die Wasserwerksbaukommission beschloss 1901, das Wasserwerk auf Kosten der Stadt in eigener Regie zu bauen. Als Bauleiter stellte man den Oberingenieur Flächsner ein.
In vier Rohrbrunnen vorgenommene Untersuchungen ergaben, dass die benötigten Wassermengen für ein Wasserwerk auf dem Wehrinselgelände nicht ausreichten. Es hätten statt vier insgesamt 24 Brunnen angelegt werden müssen.
Daraufhin veranlasste der Magistrat am 28. August 1898 Bohrversuche auf einem gräflichen Waldgelände in der Gemarkung Koyne. Die Untersuchungen erbrachten ein gutes Ergebnis hinsichtlich Wasserqualität und -menge. Der neue Wassergewinnungsort wurde von der Königlichen Regierung genehmigt.
Nachdem die Vorschläge vom Ingenieur Prinz überarbeitet waren, entstanden an der Chaussee Forst - Triebel das Werksgelände mit sechs Brunnen, einem acht Meter tiefen Sammelbrunnen, sechs Heberleitungen zum Sammelbrunnen, einer Pumpstation mit Maschinen- und Kesselhaus, Enteisungs- und Entwässerungsanlage, Saug- und Druckrohrleitung vom Reinwasserbehälter zum Hochbehälter im Wasserturm und der Wasserturm selbst. Ein Dienstwohnhaus für den Maschinenmeister und Heizer ergänzte das Ganze. Im unteren Geschoss befand sich noch ein Kommissions-Sitzungszimmer.
Für die Trinkwasserversorgung entstand ein Druckrohrverteilungsnetz mit öffentliche Wasserentnahmestellen, an dem 314 Feuerlöschunterflurhydranten eingebaut wurden. Dazu kamen zahlreiche Hausanschlüsse. Auch zwölf Firmen aus Forst waren am Bau beteiligt. Zum Beispiel errichtete der Forster Maurermeister Bodo Hammer das Maschinen- und Kesselhaus und der Maurermeister Grape das Dienstwohngebäude.
Ab dem 1. September 1903 erfolgte die regelmäßige zentrale Wasserversorgung der Stadt. Aus den sechs, etwa 30 Meter tiefen Rohrbrunnen läuft das Wasser durch eine Hebeleitung in den Sammelbrunnen, von wo es zum Rieseler gepumpt und dort gereinigt wurde. Bereits 1913 wurden vier neue Brunnen, 1920 noch einmal zwei weitere angelegt, bevor 1923 das Grundstück durch Zukauf von Waldflächen bedeutend vergrößert wurde, um den Wasserbedarf der Stadt zu sichern. 1925 kamen fünf Brunnen hinzu, 1931 erfolgten Modernisierungen. 1936 hatte das Hauptrohrnetz eine Länge von 76,5 Kilometern, an die 3218 Grundstücke angeschlossen waren.
Nachdem die Elektro-Versorgung erhöht werden konnte, floss am 14. Juni 1945 wieder das erste Trinkwasser ins Stadtrohrnetz. Am 4. Oktober konnte der leicht beschädigte Wasserturm seinen Betrieb wieder aufnehmen.
In den 70er- und 80er-Jahren kamen große Wasserringleitungen durch Jamno, Dubrau, Bohrau, Mulknitz, Naundorf hinzu. Die Länge des Straßenrohrnetzes erweiterte sich auf rund 251 Kilometer.