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| 02:34 Uhr

"Das ist eine Sauerei, Frau Merkel"

Lenny Jannaschke von der Turn-Talentschule in Forst, die auf dem Friedrichsplatz ihr Können unter Beweis stellte, bekam zu seinem siebenten Geburtstag ein Extra-Foto mit den SPD-Wahlkämpfern Frank-Walter Steinmeier (r.) und Ulrich Freese.
Lenny Jannaschke von der Turn-Talentschule in Forst, die auf dem Friedrichsplatz ihr Können unter Beweis stellte, bekam zu seinem siebenten Geburtstag ein Extra-Foto mit den SPD-Wahlkämpfern Frank-Walter Steinmeier (r.) und Ulrich Freese. FOTO: Michael Helbig/mih1
Forst. Sie steht für eine Solidarrente von 850 Euro, will die Angleichung von West- und Ostrenten. Sie steht für frühkindliche Erziehung in der Kita und will die "Herdprämie" abschaffen. Für sie hat die Braunkohle weiter Bedeutung bei der Energiewende. Die SPD hat in Forst ihren Straßenwahlkampf in Cottbus/Spree-Neiße gestartet – mit Polit-Prominenz aus Berlin. Christian Taubert

Kamerateams kümmern sich in diesen Tagen viel um die Kreisstadt von Spree-Neiße. Es ist bisher aber weniger der Bundestagswahlkampf, der sie hierher führt. Vielmehr wird ein Forster Junge am 28. August Brandenburgs neuer Ministerpräsident. Deshalb zieht es sie in den Ortsteil Naundorf, um Gespräche über den Gartenzaun zu führen und mehr über Dietmar Woidke, den Nachfolger von Regierungschef Matthias Platzeck (beide SPD) zu erfahren.

Ein willkommener Nebeneffekt für die Kreis-SPD: Es findet sich auch Medienpräsenz zum Auftakt ihres Straßenwahlkampfes im Wahlkreis 64 (Cottbus/Spree-Neiße) ein. Dazu hat Direktkandidat Ulrich Freese den SPD-Fraktionschef im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, mit auf den Forster Friedrichsplatz gelockt. Als Steinmeier, der Spitzenkandidat seiner Partei in Brandenburg, eintrifft, füllen sich die 14 Festzeltgarnituren neben den Getränke- und Bratwurstständen.

Die SPD ist weg von den großen Wahlkampfauftritten, erläutert Freese, der sogleich mit Steinmeier talkt und sich gemäß dem neuen Motto "Zeit für Gespräche" mit den Bürgern nimmt. Ohnehin ist das Steinmeiers Ansatz, wenn er das 116 Seiten umfassende SPD-Programm unter dem Titel "Das Wir entscheidet!" für die Wahl am 22. September erläutert. "Wieder mehr Gemeinsinn, Verantwortung auch für andere übernehmen - das müssen wir wieder hinbekommen", betont er. Nach zwei Krisen in kurzer Zeit könne nicht weiter gesagt werden, dass es der Markt schon richten werde. "Wir müssen als Staat die Voraussetzungen schaffen, dass jeder seine Chance erhält."

Für Ulrich Freese bedeutet das frühkindliche Erziehung in Kita, egal welcher Herkunft und unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Er trete mit seiner Partei für mehr Ganztagsschulen und gegen Studiengebühren ein. Zudem müsse es trotz der hohen Quote von zehn Prozent bei den jungen Leuten ohne Schulabschluss gelingen, ihnen über den Facharbeiterabschluss das Rüstzeug fürs Leben zu ermöglichen.

Steinmeier und Freese plaudern zunächst, beantworten Fragen. Beifall gibt es aber erst, als sie an diesem sommerlichen Mittwochabend die schwarz-gelbe Bundesregierung direkter aufs Korn nehmen: Während die SPD für eine Solidarrente von 850 Euro - auch steuerfinanziert - eintritt und bis 2020 die Rentenangleichung zwischen West und Ost vollziehen will, schweige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu. "Es ist eine Sauerei, Frau Merkel", sagt Steinmeier, "dass es bei den Unterschieden bleiben soll".

Und dass die Bundesregierung eine von der SPD geforderte Reduzierung der Stromsteuer um 25 Prozent abgelehnt habe, um die von ihr selbst verzapften Probleme bei der Energiewende mit immer weiter steigenden Strompreisen sozial abzufedern - "dafür gehört diese Bundesregierung abgewählt", sind sich beide SPD-Politiker einig.