Schön ist sie und elegant, fast von vollendeter Weiblichkeit, "Eleganza-Perfekta". So heißt die kleine Statue,die Sozialpädagogin Corinna Preuß zum Kaminabend der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (EFG) in Forst mitgebracht hat. Corinna Preuß ist nach Forst gekommen, um den Gästen des Kaminabends über ihre Arbeit mit an Essstörung erkrankten Jugendlichen zu berichten und über die Krankheit aufzuklären.

Sie hält die kleine Frauenstatue hoch und beginnt, von dem Schönheitsideal und der Zusammenwirkung von Erfolg und Aussehen in der heutigen Gesellschaft zu berichten. "Es ist vor allem für junge Menschen schwer, mit den vielen Erwartungshaltungen an sich umzugehen", sagt Corinna Preuß. Heute leitet sie die Telefonseelsorge in Cottbus, davor hat sie vier Jahre mit essgestörten Jugendlichen gearbeitet.

Tabuthemen ansprechen

"Die Ursachen für Essstörung sind genau wie die Arten von Essstörungen unterschiedlich", erklärt die Sozialpädagogin. Meist seien psychische Probleme die Ursache von gestörtem Essverhalten. Bei vielen Jugendlichen würden auch Veränderungen wie beispielsweise der Umzug in eine andere Region oder die Scheidung der Eltern den Ausschlag geben. "Grundsätzlich ist aber bei Menschen mit Essstörungen von psychischen Ursachen auszugehen", sagt Corinna Preuß. Denn der Körper suche sich einen Weg, um mit Druck oder Kummer umzugehen. Deswegen sei bei einer Therapie auch das Umfeld des Betroffenen gefragt. Ingrid Ebert, Veranstalterin der regelmäßigen Kaminabende der Gemeinde, hat das Thema bewusst gewählt. "Wir haben uns vorgenommen, in kommender Zeit mehr über vermeintliche Tabuthemen bei unseren Abenden zu sprechen", sagt sie.

Den Fokus auf Themen zu legen, die die Leute eher scheuen, kam dadurch, dass in der Gemeinde über Homosexualtität gesprochen wurde. Dieses wie auch andere Themen sollten laut Ingrid Ebert auch in einem größeren Rahmen eine Rolle spielen. "Die Leute sollen unbefangen darüber reden, da ist so ein Kaminabend der richtige Rahmen", sagt sie. Auftakt machte am Mittwoch das Thema Essstörungen. Da Corinna Preuß schon einmal bei der EFG war und sich mit dem Thema Essstörungen gut auskennt, bot sich ein Gespräch dazu an. Aber auch Betroffene kommen zu Wort, abwechselnd lesen Corinna Preuß und Ingrid Ebert aus Büchern vor, in denen Betroffene von ihren Erfahrungen berichten. Erschütterndes ist da zu hören, meist von Mädchen die im Kampf um Aufmerksamkeit oder als Machtdemonstration über den eigenen Körper hungern und erbrechen.

Oft ein ständiger Begleiter

"Essstörungen sind ein großes Problem, aber als Thema aus der Öffentlichkeit zurzeit weitestgehend verschwunden", sagt Corinna Preuß. Bei der Telefonseelsorge ist sie mit dem Thema weniger konfrontiert. "Dort begegnen mir eher andere Themen wie Sucht oder Einsamkeit", berichtet die Sozialpädagogin.

Aus ihrer Erfahrung mit Essgestörten weiß sie, dass das Problem durch alle Schichten und Altersgruppen geht. Jedoch seien vor allem junge Mädchen und Frauen betroffen. "Zu therapieren sind Essstörungen sehr schwer, denn wir müssen ja essen", sagt Corinna Preuß. So bleibe die Essstörung oft ein ständiger Begleiter. Trotzdem sei nicht jeder Gewichtsverlust gleich ein Grund zur Sorge. "Erst wenn man bei jemanden das Gefühl hat, hier werden Grenzen überschritten, sollte man handeln", rät Corinna Preuß. Derjenige müsse sich aber selbst für Hilfe entschließen. Als erster Schritt wäre es das Beste, auf denjenigen zu zugehen und ihm ein offenes Ohr anzubieten - wenn er möchte.

Nächster Kaminabend zum Thema Homosexualität, am 27. November um 19 Uhr im Gästehaus der EFG.

Zum Thema:
Drei Hauptarten von Essstörungen gibt es: Magersucht, Bulimie und Binge-Eating. Bulimie ist gekennzeichnet von einer streng eingehaltenen Dauerdiät und Fressattacken, nach denen erbrochen wird. Magersucht ist das dauerhafte Hungern und sich trotz extremen Gewichtsverlustes zu dick fühlen. Nicht alle Essstörungen führen zum schlanken Körper: Beim Binge-Eating führen wiederholte Fressattacken zu Übergewicht der Betroffenen.