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| 18:23 Uhr

Trinkwasser in Forst
Das Ende des Spülgangs

Forst. Vor einigen Wochen hat das Frühwarnsystem im Forster Wassernetz angeschlagen. Wie geht es weiter?

Eigentlich hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Gäbler auf „drei Nullen“ gehofft. das hätte bedeutet: Es gibt keine Keime mehr an den drei Kontrollstellen im Nordosten der Stadt. Dort, wo an 30 Trinkwasseranschlüssen seit gut einem Monat das Abkochgebot gilt. 30 von mehr als 3000 Abnehmern, wie Gäbler betont, um das Verhältnis zu verdeutlichen. Denn angesichts von Schlagzeilen, die das Forster Trinkwasser als „nicht keimfrei“ titulieren, wäre Gäbler am liebsten, wenn das Thema nicht hochgekocht würde. Es gibt keine Gefahr, betont der Chef der Forster Wasserversorgung. Die gefundenen Keime seien Indikatoren, also Hinweisgeber, dass irgendwo irgendwas in Bewegung gesetzt wurde. Etwas, was sich  im Laufe der Jahre als biologischer Film irgendwo an der Innenseite eines Rohres festgesetzt hat und nun gelockert und vom Wasser mitgerissen wurde. Die Ursache können Erschütterungen durch Bauarbeiten oder einen Lastwagen sein oder ein Wechsel der Fließrichtung.

Ein Wechsel der Strömungsrichtung ist möglich, weil das Trinkwassernetz in Forst etappenweise ausgebaut wurde. 1903 vom Wasserwerk zum Wasserturm, dann sternförmig mit heute viel zu großen Rohren bis zu den Rändern der damals wachsenden Wirtschaftsstadt mit ihrer durstigen Industrie. Später wurden zwischen diesen „Strahlen“ Verbindungsleitungen geschaffen. Dieses 160 Kilometer umfassende Spinnennetz von Wasserleitungen ermöglichte es außerdem im Fall einer Havarie oder von notwendigen Arbeiten an einem Strang, die Versorgung dahinter  gewährleisten zu können.

Am Ende eines solchen großen Wasserleitungsstrangs lagen früher vor allem große Textilbetriebe. Heute sind es noch gut 30 Anschlussstellen, darunter das Landratsamt und das Oberstufenzentrum. Die Leitung ist mehr als drei Mal so dick, wie sie heute – ohne Industrie –  eigentlich sein müsste.  Doch selbst eine neue Leitung würde keine Garantie bringen, dass das Problem verschwände. Abgesehen von den Kosten. Bislang wird das alte Leitungsnetz Schritt für Schritt modernisiert – dort, wo ohnehin die Straßen erneuert werden, gehen Ver- und Entsorger auch in die Tiefe und erneuern das alte Trinkwasserversorgungsnetz und die ebenfalls häufig für heutige Verhältnisse überdimensionierte Abwasserentsorgung. Selbst wenn alle Leitungen erneuert würden – irgendwann bilde sich wieder ein Film, irgendwann könnte auch der sich wieder teilweise lösen, erklärt Gäbler das Problem.

Ohnehin ist nicht klar, wo die Keime ihren Ursprung hatten. „Es muss nicht diese Leitung gewesen sein“, betont Gäbler. Die Querverbindung dieses Stranges zu anderen Leitungen wurde durch Schieber unterbrochen. 300 bis 400 Kubikmeter Wasser wurden täglich durch die Leitung gespült und landeten dann im Mühlgraben.

Ungewöhnlich ist das Auftreten solcher Keime nicht, beispielsweise bei Bauarbeiten. Dann werde  beprobt, gespült und meist sei das Problem innerhalb kürzester Zeit erledigt, wie im Dezember bei Bauarbeiten in der Hochstraße.

Dieses Mal wurde das Problem bei Routinekontrollen des Gesundheitsamtes quasi am eigenen Wasserhahn  entdeckt – das Landratsamt ist eine von etwa ein Dutzend Beprobungsstellen. Weitere gibt es beispielsweise in der Stadtverwaltung und im Krankenhaus, aber auch an den Übergabestellen  Richtung Groß Schacksdorf oder Dubrau.

Am Donnerstag werden die nächsten Proben an den drei Messstellen im Forster Nordosten genommen. Die Ergebnisse sollen Montag vorliegen. Dann hofft Gäbler wieder auf drei Nullen. Die Strategie wird auf Empfehlung des Gesundheitsamtes jetzt geändert (siehe „Info“).