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Das Abc der Flüchtlingshilfe

Olga Reger (l.) und Ronaz Hamo begrüßen 15 neue Kursteilnehmer.
Olga Reger (l.) und Ronaz Hamo begrüßen 15 neue Kursteilnehmer. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Ronaz Hamo steht an der Tafel. Sie übersetzt das, was Olga Reger von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) den 15 Männern im Kursraum in der Cottbuser Straße erklärt. Daniel Schauff

Ronaz Hamo hat gerade ihren Deutschkurs abgeschlossen und ihr Zertifikat in der Tasche. Nach sieben Monaten kann sie ausreichend Deutsch, um den neuen Kursteilnehmern den Start im Erlernen der deutschen Sprache zumindest ein bisschen zu erleichtern. Sie hatte in Syrien bereits ein wenig Deutsch gelernt, eine Stunde pro Tag, sagt sie. Im Internet. Die lateinische Schrift kannte sie schon, konnte ein wenig Englisch. Deshalb hat ihr Kurs nur sieben Monate gedauert. Die Männer, die am Montag im Kursraum sitzen, werden länger brauchen. Sie kennen das lateinische Alphabet noch nicht. Elf Monate dauert ihr Kurs.

Den müssen sie belegen, sobald ihnen ihr Aufenthaltsstatus Zugang zum freien Arbeitsmarkt und Berechtigung zu Sozialleistungen verschafft, erklärt Doreen Keß, Fallmanagerin im Jobcenter Guben. Die tatsächliche Vermittlung in Arbeit sei auch nach dem Abschluss eines Integrationskurses noch schwierig. Das Jobcenter bietet Folgekurse an, erklärt sie. Dennoch zähle sie unter den Gubener Asylbewerbern derzeit rund 170 erwerbsfähige Leistungsbereichtigte ohne Job.

Die FAW bietet neben den Sprach- und Integrationskursen auch sogenannte Kompass-Programme an. Dabei, so erklärt Olga Reger, gehe es insbesondere darum, den Teilnehmern eine erste Orientierung auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Wie werden Bewerbungen geschrieben? Wo findet man Arbeitsstellen? Die Rückmeldungen von Unternehmen seien allerdings verhalten, sagt FAW-Sprecherin Anja Wendt. Dabei übernehme die FAW die Versicherung, wenn ein Unternehmen einem Flüchtling ein Praktikum anbiete. Außerdem kümmere sich die Akademie auch, wenn es während des Praktikums zu Problemen kommen sollte. Nur um die fachliche Anleitung müsse sich das Unternehmen kümmern.

Ronaz Hamo hofft bereits auf einen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die Männer, die im Kursraum von Lehrer Vadim Feldmann gerade erklärt bekommen, dass für den Unterricht Block und Stift notwendig sind, brauchen noch einige Unterrichtsstunden, bis sie bei einem Arbeitgeber vorsprechen können.

Täglich werden sie bis Januar 2018 nun bei der FAW pauken. Die Grammatik, sagt Vadim Feldmann, sei für viele das größte Problem. Vier Stunden pro Tag hat Feldmann nun Zeit, den Lernenden von Buchstaben über Wortformen bis hin zum Satzbau die deutsche Sprache näher zu bringen. Drei Kurse laufen bei der FAW parallel, sagt Olga Reger. Die Akademie sei bemüht, die Zahl auf vier zu erhöhen. Gut 80 Zertifikate konnte sie im vergangenen Jahr ausgeben. Nur ein Bruchteil der Absolventen aber bleibe in Guben, sagt Doreen Keß. Viele verließen mit dem Zeugnis die Stadt, um in größeren Zentren ihr Glück zu versuchen. Immer mehr aber blieben auch an der Neiße, sagt Regina Bellack. Viele würden sich für eine Stadt entscheiden, in der sie die Menschen schon kennen.

Zum Thema:
Im gesamten Spree-Neiße-Kreis leben derzeit 1487 Flüchtlinge. Das teilt die Integrationsbeauftragte des Landkreises, Annett Noack, mit. 595 Flüchtlinge sind beim Jobcenter Spree-Neiße registriert, 892 erhalten Leistungen nach dem Asylgesetz. Aktuell gibt es im Kreis vier zugelassene Integrationskursträger - neben der FAW sind das Nestor, Damago und die Industrie- und Handelskammer (IHK). Viele Flüchtlinge besuchen laut Annett Noack aber auch Integrationskurse in Cottbus. Viele Flüchtlinge bemühen sich laut Olga Reger von der FAW bereits um einen Integrationskurs, bevor sie es rechtlich überhaupt müssen. Pflicht wird er erst mit der Anerkennung durch das Bamf.