| 15:24 Uhr

Vorgestellt
Wie Geschichte lebendig wird

Mit Stammbaum vertreten: Susanne Gröpler (r.), eine Nachfahrin des Forster Tuchfabrikanten Adolf Noack, mit Autorin Ingrid Ebert bei der Präsentation des Forster Jahrbuches im Textilmuseum.
Mit Stammbaum vertreten: Susanne Gröpler (r.), eine Nachfahrin des Forster Tuchfabrikanten Adolf Noack, mit Autorin Ingrid Ebert bei der Präsentation des Forster Jahrbuches im Textilmuseum. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Das 12. Forster Jahrbuch für Geschichte und Heimatkunde wurde im Brandenburgischen Textilmuseum Forst vorgestellt. Von Steffi Ludwig

Manchmal sind es Zufälle, die die Geschichten im Forster Jahrbuch entstehen lassen: So stellte die Forster Autorin Ingrid Ebert beim Besuch ihrer Freundin Susanne Gröpler in Neuruppin fest, dass diese offenbar zum Stammbaum der Forster Tuchmacherfamilie Adolf Noack gehört. Ein Büchlein in deren Schrank brachte Ingrid Ebert darauf – und zu einem Beitrag über Adolf Noack und die Forster Tuche. Beide präsentierten strahlend am Donnerstagabend bei der Vorstellung des Jahrbuches den weit verzweigten Stammbaum, den Michael Kranz vom Museumsverein zusammengestellt hatte.

„Es ist mir eine große Ehre, so einen Stammbaum zu haben, der bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht“, sagte Susanne Gröpler. Sie nahm gleich mehrere Forster Jahrbücher mit, auch für ihre Tante in Kanada.

„Wir haben schon Angst, dass die Auflage nicht reicht“, sagte darauf augenzwinkernd Kristian Schmidt, Vorsitzender des Forster Museumsvereins. Mit 1000 Stück ist diese Ausgabe 2017/2018 aufgelegt worden. 21 Beiträge von 23 Autoren – darunter 15 Erstautoren – sind auf 290 Seiten veröffentlicht worden, die Redaktion lag in den bewährten Händen des Museumsvereins.

„Das ist ein wichtiger Beitrag zur Geschichtsforschung in und um Forst und im Landkreis Spree-Neiße“, sagte Landrat Harald Altekrüger (CDU). Das sei auch den Kreistagsabgeordneten bekannt, weshalb die Förderung musealer Einrichtungen und somit auch des Textilmuseums aufgestockt worden war. Das sei spürbar gewesen und werde hoffentlich weitergehen, so Schmidt.

Zu den Erstautoren des Jahrbuchs gehört Sylvia Beyer. In ihrem Beitrag „750 Jahre Forst (Lausitz) – eine Stadt feiert“ hat das Mitglied des Festkomitees alle 15 Themenmonate des Jubiläumsjahrs zusammengestellt. „Wer einen exakten Überblick will, muss das lesen“, empfiehlt Kristian Schmidt.

Ebenso den Beitrag von Ralf Hauptvogel und Christian Menzel über die Forster Stadteisenbahn „Schwarze Jule“. Mit dem Titel „Von mir aus kann sie fahren“ hat der Beitrag die gleiche Überschrift wie der damalige RUNDSCHAU-Artikel über den Kesselprüfer Hans Förster und dessen Ausspruch zum Zustand der  Forster Stadtbahn. Der Dresdner Lehrer und „Jule“-Freund Ralf Hauptvogel hat mit Christian Menzel von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg einen Sachbericht zur Vorbereitung und über den Tag der Kesselprüfung an Lok Nr. 36 der Forster Stadteisenbahn verfasst. Erste Wege seien geebnet, sagte Hauptvogel über den Beschluss der Stadtverordneten, für die Unterbringung der „Jule“ ein Gebäude am Museum zu errichten: „Wir hoffen auf möglichst große finanzielle Unterstützung für die Jule.“

Als weiterer Autor stellte Frank Henschel seinen Beitrag über den Maler Otto Nagel und dessen Forster Jahre vor. Bei einem Besuch des Forster Dachdeckers Hartmut Rößler hatte Frank Henschel ein Schild über Otto Nagel auf dem Boden liegen sehen, auf dem stand, dass der Berliner Maler 1944/45 in Forst wirkte. „Mich interessierte dann, was ihn nach Forst verschlagen hat“, so Frank Henschel. Er fand unter anderem heraus, dass Nagel schon 1943 mit seiner Frau nach Forst übersiedelte und hier viele Bilder geschaffen hat. „Er hat viele seltene Ecken vom unzerstörten Forst festgehalten“, schwärmte Henschel. „Vielleicht wäre das mal ein Anlass für eine Otto-Nagel-Ausstellung im Textilmuseum“, schlug er vor. Das Museum besitzt zwei Nagel-Bilder.

Viele weitere Beiträge, beispielsweise über die jeweils 140-jährigen Forster Unternehmen Schmidt-Dunkel sowie Uhren- und Schmuck Renner, bereichern das Jahrbuch.