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| 02:41 Uhr

Damwild muss geschossen werden

Jagsal. Fast zwei Monate ist es her, dass Unbekannte nachts die Gatter des Damwildgeheges von Rainer Schülzke in Jagsal (Elbe-Elster) zerschnitten haben. 120 Tiere entwichen aus den Gehegen. Jetzt soll das Damwild geschossen werden, auch tragende Tiere. Die Schonzeit ist aufgehoben. Birgit Rudow

Rainer Schülzke blutet das Herz. Von den 120 Tieren sind ihm nur wenige geblieben. Einige wurden eingefangen, andere kamen von selbst zurück. Die Verfolgung seines Eigentums hat er jetzt aufgegeben. Die Tiere gehören ihm nicht mehr und unterliegen dem Jagdrecht.

Das nun frei lebende Damwild ist zum vollständigen Abschuss freigegeben. Die oberste Jagdbehörde des Landes Brandenburg hat die Schonzeit für das ausgebrochene Gehegewild aufgehoben. Alle Jagdpächter der Hegegemeinschaft Weisshaus sind informiert und müssen jeden Abschuss an die Jagdbehörde des Kreises melden. "Das Damwild ist in Gefangenschaft geboren. Schon die Eltern der Tiere haben im Gehege gelebt. Man kann es nicht betrachten wie hier heimisches Wild", sagt der Leiter des Ordnungsamtes der Kreisverwaltung, Reiner Sehring.

In der Begründung der Anordnung zum Damwildabschuss wird dargelegt, dass Damwild generell in Deutschland ein fremdes Tier ist, da es zum Zeitpunkt der Einführung des Bundesjagdgesetzes 1953 nicht heimisch gewesen ist. Gebietsfremde Arten könnten zur Veränderung von Funktionsabläufen in Öko-Systemen führen und ursprüngliche Lebensgemeinschaften beeinträchtigen, heißt es in der Begründung. Außerdem entstünden wirtschaftliche Schäden für die Land- und Forstwirtschaft.

Auch für den Menschen würden Gefahren vom Damwild ausgehen, so im Straßenverkehr. Ihm sei bisher aber noch kein Unfall mit dem Ende März entwichenen Damwild bekannt, so Sehring.

Die in der Hegegemeinschaft Weisshaus befindlichen Jagdreviere bewirtschaften ausschließlich Rotwild, führt er an. Mit dem Abschuss des Damwildes werde erreicht, dass der natürliche Zustand der Hegegemeinschaft wieder hergestellt wird und die weitere Verbreitung einer fremden Tierart nicht stattfindet.

Konkret bedeutet die Anordnung zum vollständigen Abschuss, dass die Schonzeit, in der sich Damwild derzeit befindet, aufgehoben ist. Für die Aufzucht notwendige Elterntiere dürfen nicht geschossen werden. In diesem Fall heißt das, so erklärt der Ordnungsamtschef, dass die Jungtiere vor den Elterntieren geschossen werden müssen. Auch tragende Muttertiere sind zum sofortigen Abschuss freigegeben. "In diesem Ausnahmefall ist das so", sagt Reiner Sehríng. Die Abschussanordnung gilt bis zum 31. März nächsten Jahres.

Reiner Schülzke ist Jäger. Er kennt das Jagdrecht, und er weiß, dass keine weiteren Wildarten in der Region angesiedelt werden sollen. Er wünscht sich, dass diejenigen, die vor zwei Monaten die Gatter zerstört haben, wissen, was sie den Tieren damit angetan haben. "Diejenigen, die meinen, das Damwild aus Tierschutzgründen freilassen zu müssen, haben mit ihrer Aktion nichts gekonnt. Im Gegenteil, sie schaden diesen und den anderen Tieren nur", sagt er.

Zum Thema:
Ursprünglich in ganz Mitteleuropa verbreitet, wurde das Damwild während der letzen Eiszeit nach Südosteuropa und Vorderasien verdrängt. Im 16. Jahrhundert wurde es aus Zuchtbeständen Dänemarks nach Deutschland wieder eingeführt. Es beansprucht eine parkähnliche Kulturlandschaft mit gleichen Anteilen von Wald, Feld und Wiese. (Quelle: Stiftung Unternehmen Wald)