Teilweise etwas schüchtern liefen die Schüler durch die weitläufige Turnhalle. Einige hatten sich im Schulunterricht auf die Ausbildungsbörse vorbereitet und schon einmal Fragen formuliert. „Ich möchte nicht als Arbeitloser enden“ , sagt der 16-jährige Gymnasiast Christopher Noack. Daher wolle er sich umfassend informieren. Momentan könne er sich eine ganze Menge für seine berufliche Zukunft vorstellen, sagt er. Eine Anstellung in der Verwaltung oder beim Sanitätsdienst der Bundeswehr käme in Frage. Jedoch stehe für ihn zunächst das Abitur an, sagt Christopher Noack. Etwas konkreter ist es da schon für William Gohr (19). Nach dem Abitur im kommenden Jahr möchte er studieren. „Aber das geht ja auch bei der Polizei“ , sagt der Gymnasiast. Ein paar Informationen dazu habe er sich von dem Stand geholt.
Eine Gruppe mit vier Mädchen von der Johann-Wolfgang-Goethe-Schule erkundigt sich beim Stand des Krankenhauses nach den Voraussetzungen für den Beruf einer Krankenschwester. Linda Friesen (14) sagt: „Krankenhaus könnte ich mir schon vorstellen.“ Rickarda Rudolf (14) berichtet darüber, dass im Unterricht der 9. Klasse das Thema „Bewerbung“ behandelt worden sei. Zu verschiedenen Berufen hatten sie sich Fragen überlegt. „Es geht teilweise um so einfache Aufgaben, wie das herausfinden von Adressen“ , sagt Schulleiterin Kathrin Müller. Eine Woche lang waren an der Oberschule Aufgaben im Deutsch- oder Informatikunterricht zum Thema Berufsfindung integriert worden. Am Ende stand eine komplette Bewerbungsmappe, die auch zensiert wurde. Auch ein Eignungstest wurde simuliert. Auch in der zweiten Forster Oberschule bereiteten sich die Schüler einige Tage auf die Messe vor, wie Schulleiter Peter Bode sagt.

Auch Schule ist eine Möglichkeit
„Das Interesse bei den Eltern ist häufig größer, als bei den Jugendlichen“ , sagt Lehrer Dr. Dietmar Braeuer vom Forster Oberstufenzentrum. Die Bildungseinrichtung wolle sich als eine qualitativ gute Alternative präsentieren. „Wir legen Wert drauf, dass auch vernünftige Leute in der Region bleiben“ , sagt Dietmar Braeuer. Mit den entsprechenden Abschlüssen könne an der Schule besipielsweise der Beruf eines staatlichen geprüften Umweltschutztechnischen Assistenten erworben werden. Oder Schüler, die die 10. Klasse mit der Fachoberschulreife absolviert haben, könnten in der Fachrichtung Technik die Studierfähigkeit an einer Fachhochschule erlangen. Etwa 2800 Schüler besuchen derzeit das Ober-stufenzentrum in Forst. „Viele Schüler wissen gar nicht über die einzelnen Abschlüsse Bescheid“ , hat Dietmar Braeuer auf der Ausbildungsbörse erfahren.
Alle Schüler, die jedes Jahr ohne Ausbildungsplatz bleiben, sind verpflichtet, sich am Obsterstufenzentrum zu melden, um dann in Berufsvorbereitungsklassen unterrichtet zu werden. „Das ist immer nur eine Ersatzlösung“ , sagt Dietmar Braeuer. Dies sollten die Jugendlichen auf keinen Fall anstreben. Die Tendenz ist jedoch steigend. In diesem Jahr waren es etwa 140 Schüler, sagt der Lehrer. In den Vorjahren waren es immer zwischen 60 und 80 Schüllern.
„Es ist unheimlich schwer, geignete Auszubildene zu finden“ , sagt Bäckermeister Klaus Mehrschank. Er selbst habe derzeit drei Lehrlinge im Betrieb. Für ihn gehe es darum, ein Mittelmaß zwischen theoretischen und praktischen Fähigkeiten zu finden. „Bei einigen stimmen die schulischen Noten einfach nicht“ , sagt der Bäcker. Auf der Ausbildungsmesse gehe es ihm auch darum, den ganzen Berufsstand in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Der größte Andrang bei der Forster Messe war bei der Bundeswehr. „Das ist immer so“ , sagt Wehrdienstberater Rainer Görlitz. Die Bundeswehr könne einen sicheren Job und „pünktliches Geld“ bieten, dass sei für viele sehr wichtig. Auch Studienmöglichkeiten in 16 verschiedenen Richtungen würde geboten, darüber hinaus stehe die Armee auch den Frauen in gleichem Maße offen. Allerdings könne die Bundeswehr auch nicht alle Bewerber akzeptieren, sagt der Stabsfeldwebel. Auf seinem Schreibtisch in Cottbus würden monatlich 40 bis 50 Bewerbungen eintrudeln. Auch eine Flexibilität müsse von den Berufsanwätern vorausgesetzt werden. „In der Region gibt es ja kaum Kasernen.“

Nur wenige Stellen vorhanden
„Es ist schon traurig“ , sagt auch Sinaida Koch, die zuständige Personalchefin im Krankenhaus Forst. Der 310 Mitarbeiter große Betrieb könne in diesem Jahr zwei Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen. „Wir bekommen aber jedes Jahr über 100 Bewerbungen“ , sagt Koch. Im Bereich Physiotherapie könnten immerhin jedes Jahr sechs Praktikums-plätze angeboten werden, die Bestandteil der Ausbildung sind. Auf der Messe stellt sich auch die Krankenpflegerin Elke Ullmann den Fragen der Schüler. „Das Interesse bei den Eltern ist meistens aber noch größer“ , sagt sie. Sie könne dies nachempfinden, die Tochter absolviere auch gerade die 13. Klasse und befände sich in der Berufsfindungsphase. Jedoch zeichne sich bei der Tochter ab, dass sie wohl studieren werde, möglicherweise nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr.
Etwas enttäuscht ist Organisator Gerhrad Heuer, dass das Forster Gymnasium offiziell nicht an der Veranstaltung beteiligt ist. „Wir haben die Ausbildungsmesse ja gerade in die Mehrzweckhalle gebracht, um das Gymnasium mit einzubinden“ , sagte Heuer. Auch Bürgermeister und Schirmherr Dr. Gerhard Reinfeld (CDU) zeigt Unverständnis: „Nicht jeder, der Abitur macht, wird später auch studieren“ , so Reinfeld.

Hintergrund Ausbildungssituation
 Die Bundesagentur für Arbeit in Cottbus hat vor kurzem die Zahlen des Ausbildungsmarktes für den gesamten Bezirk für das abgelaufene Ausbildungsjahr 2004/05 veröffentlicht. Aktuelle Zahlen gibt die Agentur nicht heraus. Bei der Berufsberatung in Cottbus haben sich im vergangenen jahr 8188 junge Menschen gemeldet, die einen Ausbildungsplatz suchen. Regional wurden 3721 Ausbildungsstellen angeboten, von denen bis auf 27 alle besetzt wurden. Allerdings fanden auch etwa 1200 Jugendliche einen Platz ausserhalb des Agenturbezirks, 1069 strebten dagegen einen höheren Schulabschluß, 1546 haben nach Agenturangaben eine berufliche Alternative gefunden. 579 junge Menschen fanden keine Lehrstelle. Spezielle Zahl nur für den Bereich Forst/Döbern gibt es nicht.