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| 09:58 Uhr

"Da geht richtig die Post ab"

Forst. Bereits 1990 wurden die ersten Kontakte von Keuner Lehrern zur Schule in Brody (Pförten) geknüpft. Mittlerweile gibt es eine enge Zusammenarbeit, die über ein lockeres Treffen hinaus geht. Es findet in beiden Schulen Fremdsprachenunterricht statt, außerdem wird etwa alle zwei Monate ein gemeinsamer Unterricht gemacht. "Die Kinder gehen sehr offen miteinander um", sagt Lehrerin Kathrin Hirsch. Auch drei weitere Schulen in der Rosenstadt haben Kontakte zu Bildungseinrichtungen im polnischen Brody und Lubsko. Von Bernd-Volker Brahms

Schulleiterin Dagmar Siegmeier läuft über den Flur der Grundschule Keune, umringt ist sie von einem Pulk Steppkes. "Die Erstklässler wollen die polnischen Schüler auch einmal sehen", sagt Siegmeier. Schnell noch bringt sie den neugierigen Kleinen das polnische "dzien dobry" für "guten Tag" bei, ehe diese im Türrahmen des Klassenraumes etwas verschüchtert stehen bleiben. 16 Schüler aus Brody sind zu Besuch in der Forster Grundschule. "Jeweils mit Beginn der vierten Klasse wird der Kontakt zu den gleichaltrigen polnischen Schülern aufgebaut", sagt die Forster Lehrerin Kathrin Hirsch. Am Anfang des Schuljahres gebe es immer eine Abstimmung mit den polnischen Kollegen, Termine werden vereinbart, erläutert Dagmar Siegmeier. Anfangs seien es lediglich lockere Begegnungen gewesen, mittlerweile ist die Kooperation aber so weit gediehen, dass gemeinsame Unterrichte durchgeführt werden. Auf den Tischen liegen Sträuße, die aus verschiedenfarbigen Baumblättern geschickt gebastelt wurden. An den Fensterscheiben kleben Pappkürbisse und Fledermäuse. Lehrerin Kathrin Hirsch hat das Wort "Herbst" an die Tafel geschrieben, ihre polnische Kollegin Donata Lewicka hat das Pendant "jesien" hinzugefügt. Die 23 polnischen und deutschen Schüler sitzen quer durcheinander an den Tischen, in einem Nebenraum ist eine zweite deutsch-polnische Klasse untergebracht. Mit einem Kleinbus sind die Schüler aus dem benachbarten Brody angereist. Zunächst ging es bei strahlendem Sonnenschein nach draußen zum Blättersammeln und anschließendem Basteln. Zwischendurch studierten die Schüler der fünften und sechsten Klassen das Lied "Bruder Jakob" sowohl auf Polnisch als auch auf Deutsch ein. Den Abschluss des Tages bildet eine kleine Vokabelstunde mit Begriffen rund um das Thema Herbst. "Die Schüler lernen das viel schneller als wir Erwachsenen", sagt die Deutsch- und Sportlehrerin Kathrin Hirsch. Sie selbst sei noch nicht weit über das polnische "guten Tag" hinaus gekommen. Die Kollegin Donata Lewicka ist dagegen viel weiter, sie spricht flüssig Deutsch. In Brody an der Schule unterrichtet sie dies als Fremdsprache. Dreimal die Woche steht bei den polnischen Kindern Deutsch auf dem Stundenplan. Die Schüler in Forst können Polnisch in einer wöchentlichen AG erlernen, nach Schulschluss. Angeboten wird der Unterricht von Donata Lewickas Mann. "Die Kinder gehen sehr offen miteinander um", sagt die polnische Pädagogin. Anfangs seien die Schüler zwar etwas schüchtern, jedoch würden sie sich nach einiger Zeit gut miteinander verständigen, auch wenn sie die jeweils andere Sprache nur sehr bruchstückhaft beherrschen. Im Unterricht tuscheln die Schüler miteinander und geben heimlich Hilfe bei der Aussprache der Vokabeln. "Es geht aber nicht nur um die Sprache", sagt Schulleiterin Dagmar Siegmeier. Auch die unterschiedlichen Mentalitäten sollen kennen gelernt werden. So treffen sich die Schüler auch bei Sport- oder Faschingsfesten. "Da geht richtig die Post ab", hat die Forster Lehrerin schon als Erfahrung aus Polen mitgebracht. Fördergelder bekommt die Schule für die Zusammenarbeit indes nicht, obwohl die EU welche bereit hält. "Das geht nur, wenn noch intensiver Unterricht gemacht wird", sagt Siegmeier. Dazu müssten die Schüler mehrere Tage an der anderen Schulen verbringen. "Da bekommen viele aber Heimweh", so die Schulleiterin. Entsprechende Experimente waren schon gemacht worden. Hintergrund Polnisch im Schulunterricht Lediglich an zwei Grundschulen in Brandenburg (Angermünde und Frankfurt/Oder) können Schüler Polnisch lernen. Nach Angaben des Potsdamer Bildungsministeriums lernten im vergangenen Schuljahr landesweit 2000 Schüler Polnisch. Ein Drittel dieser Schüler taten dies in Arbeitsgemeinschaften außerhalb des regulären Unterrichts. Auch in Forst haben die ersten Schüler begonnen, diese Sprache zu lernen. An den Grundschulen in Noßdorf, Keune und Frankfurter Straße gibt es Arbeitsgemeinschaften und Kooperationen zu polnischen Schulen. . Auch die Oberschule in der Bahnhofstraße baut derzeit Kontakte zu einer Schule in Brody auf.