ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:17 Uhr

Forst
Neue Forschung auf Forster Feld

Die Robinien und Pappeln auf den Gehölz-Feld-Flächen bei Sacro wurden am Dienstag  mit Spezialtechnik abgeerntet. Das geschredderte Holz wird in einem Heizwerk zur Energiegewinnung verarbeitet. Die Gehölze wachsen nach der Ernte besser und schneller nach als vorher.
Die Robinien und Pappeln auf den Gehölz-Feld-Flächen bei Sacro wurden am Dienstag mit Spezialtechnik abgeerntet. Das geschredderte Holz wird in einem Heizwerk zur Energiegewinnung verarbeitet. Die Gehölze wachsen nach der Ernte besser und schneller nach als vorher. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Gehölze werden geerntet – und die Cottbuser Uni startet weiteres Projekt auf Agroforst-Fläche.

Bewegung herrscht derzeit auf einem Feld zwischen den Forster Ortsteilen Sacro und Naundorf: Mit Spezialtechnik und viel Getöse werden die Pappeln und Robinien, die auf dem Feld gepflanzt wurden, abgesägt und geschreddert. Abernten heißt das in der Fachsprache. 2010 hatte die Agrargenossenschaft Forst die Gehölze in jeweils elf Meter breiten Streifen gepflanzt, um Agroforst zu betreiben – die Kombination von Landwirtschaft und Forstwirtschaft, um beispielsweise die Bodenerosion zu verringern.

Seit Anfang an ist die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg mit an Bord, um die verschiedenen positiven Effekte der Agroforstwirtschaft zu erforschen. Auch andere Wissenschaftler aus Hohenheim oder Göttingen waren bereits in Forst für diverse Messungen vor Ort.

Am Dienstag baute Dr. Christian Böhm vom Fachgebiet für Bodenschutz und Rekultivierung der BTU  neue Messtechnik in den Forster Boden ein, sogenannte Saugker­zenanlagen. Denn in dem neuen Forschungsprojekt „Inno Kompagt“ geht es darum, wie der Nitrateintrag in das Grundwasser am besten reduziert werden kann. „Wir haben hier vor Jahren schon Grundwassermessstellen installiert – und festgestellt, dass die Nitratbelastung unter den Baumstreifen wesentlich geringer ist als unter dem Feld“, so Christian Böhm. Er spricht von Werten von rund fünf Milligramm Nitrat pro Liter unter den Bäumen im Vergleich zu 80 bis 100 Milligramm unter dem Feld. Bereits ab rund 50 Milligramm Nitrat werde es laut der europäischen Nitratrichtlinie bedenklich, ergänzt Dr. Thomas Sommer vom Dresdner Grundwasserforschungszentrum, der am Projekt beteiligt ist. Das Nitrat könne in Gewässern zur Überdüngung führen.

„Unsere Forschungsidee ist eine Kombination aus Agroforstwirtschaft und Kompostdüngung. Hierbei werden Laub- und Grünschnittkomposte mit Mineraldünger und Gärresten angereichert, sodass ein stickstoffreiches Substrat entsteht. Der Kompost besitzt zudem ein hohes Bindungsvermögen für Nährstoffe, wodurch auch Nitrat besser vor Auswaschung geschützt werden kann“, erklärt Christian Böhm. Installiert wurden vier Saugkerzen­anlagen, in welchen mittels Unterdruck Sickerwasser gewonnen werden kann. Gemessen wird der Nitrataustrag, abhängig vom Düngemanagement.

Bereits nach Ostern werden die ersten Proben analysiert. Drei Jahre lang soll das Forschungsprojekt laufen, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wird. Auch der Einfluss verschiedener Feldfrüchte soll erforscht werden. Eine andere Versuchsfläche befinde sich im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. „In den vergangenen Jahren ist im Bereich Agroforst schon viel passiert, aber es gibt noch viel Arbeit. Denn das Ziel ist, die Wertschöpfung auch in der Region zu halten und beispielsweise kleinere Heizwerke aufzubauen, um das Holz zu verarbeiten“, so der Cottbuser Forscher. Durch die Nitrat-Forschung erhofft sich Böhm auch mehr öffentliche Beachtung des Themas Agroforst.

Die Forster Pappeln und Robinien waren nach vier Jahren das erste Mal abgeerntet worden, nun folgt das zweite Mal. „Nach der ersten Ernte wachsen sie besser und schneller, im September werden sie wieder zwei Meter hoch sein“, so Böhm. Effekte wie die Reduzierung der Wind­erosion oder der Schutz des Bodens vor Verdunstung hatten die Forscher bereits nachgewiesen.

Dr. Christian Böhm von der BTU (r.) und Dr. Thomas Sommer vom Dresdner Grundwasserforschungszentrum beim Setzen der neuen Messtechnik.
Dr. Christian Böhm von der BTU (r.) und Dr. Thomas Sommer vom Dresdner Grundwasserforschungszentrum beim Setzen der neuen Messtechnik. FOTO: Steffi Ludwig / LR