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Cottbuser Kleinunternehmer blicken optimistisch in die Zukunft

Cottbus. Die Wirtschaft ankurbeln will die Europäische Zentralbank (EZB) mit den niedrigen Zinsen. Unternehmen sollen Lust bekommen, Kredite aufnehmen und zu investieren. Annett Igel-Allzeit

Doch die Unternehmer zögern. Sie investieren vorsichtig und sind oft so stabil, dass sie die kleineren Investitionen ohne Kredite stemmen. Das bestätigt jetzt eine Umfrage, die die Commerzbank beim Meinungsinstitut Ipsos in Auftrag gegeben hatte.

Unter den 3110 Kleinunternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 2,5 Millionen Euro, die im Juli und August 2016 befragt wurden, waren 50 Cottbuser Firmen. "Die Auftragsbücher sind bei den meisten Kleinunternehmen noch besser gefüllt als im Jahr 2015", sagt Erik Baudisch, Leiter der Geschäftskunden-Beratung in der Commerzbank-Niederlassung Cottbus. Mehr als die Hälfte blicken positiv ins Jahr 2017, 22 Prozent erwarten sogar eine bessere Entwicklung, 46 Prozent rechnen weiterhin mit stabilen Geschäften. Nur zwölf Prozent der befragten Firmen in Cottbus nutzen den Niedrigzins, um Investitionen stärker fremd zu finanzieren, weiß Baudisch. "Auch bundesweit sind es mit 16 Prozent nicht viel mehr. Dagegen sehen die Unternehmer die private und auch die betriebliche Altersvorsorge durch die Niedrigzinsen bedroht", sagt Erik Baudisch.

Zum größten Problem entwickelt sich der Fachkräftemangel. Bundesweit wie auch in Cottbus bereitet er mit 44 Prozent die meisten Sorgen, keine geeigneten Fachkräfte mehr zu finden. Im Vergleich zum Vorjahr stieg diese Sorge in Cottbus um 14 Prozent. Entgegen dem Bundestrend (neun Prozent) haben in Cottbus aber mehr Unternehmer (28 Prozent) Sorge, kein Geld mehr für Investitionen in die moderne Technik zu haben. "In den alten Bundesländern konnten sich die Kleinunternehmer in besseren Zeiten mehr Rücklagen bilden", so Baudisch. Und nach acht Prozent im Vorjahr stieg die Angst vor einer Arbeitsunfähigkeit auf 22 Prozent - der Bundestrend liegt bei 18 Prozent. Diese Angst vor Arbeitsunfähigkeit habe durchaus etwas mit dem Fachkräftemangel zu tun, sagt Baudisch. "Nicht immer kann eine Stelle schnell wieder besetzt werden, dann lastet die Arbeit auf weniger Schultern. Ein Viertel der Unternehmen in Cottbus brauche inzwischen länger als ein halbes Jahr, um eine freie Stelle zu besetzen."

Besonders gesucht würden Techniker, Mitarbeiter in der Produktion und Auszubildende - und zwar erst an zweiter Stelle (48 Prozent) über die Agentur für Arbeit. Zu 56 Prozent kommen neue Mitarbeiter über Empfehlungen von Kollegen und Geschäftspartnern. Nur für knapp 28 Prozent der Cottbuser Kleinunternehmer sind Flüchtlinge als potenzielle Arbeitnehmer denkbar - ein Problem, wo sich auch die Kammern und die Agentur für Arbeit ein Umdenken wünschen.

Zum Thema:
Unter den Befragten in der Stadt Cottbus waren fünf Unternehmen aus der Heil- und Gesundheitsbranche, neun Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberater und andere Freiberufler, neun kleine Handwerksbetriebe und 27 Gewerbetreibende - darunter auch mehrere Bauunternehmen. Befragt hat Ipsos Unternehmer - unabhängig davon, ob sie ihr Konto bei der Commerzbank oder anderen Geldinstituten und Sparkassen haben.