Der Forster Grenzübergang ins polnische Zasieki ist dicht: „Closed“, sagt einer der zwei Grenzbeamte auf der polnischen Seite der Brücke. Er schaut grimmig und ein bisschen genervt. Das kleine Camp, das der polnische Grenzschutz aufgeschlagen hat, liegt ein Stück entfernt. Möchte man miteinander reden, muss man sich entgegenkommen.

Die Absperrung unmittelbar an der deutschen Grenze ist dabei lapidar: Rot-weiß-gestreifte Barken signalisieren, dass die Fahrt über die Lusatian Neiße Brücke nicht erwünscht ist. Sie versperren die Fahrbahn und einen der zwei Fußgängerwege. Der andere ist noch offen. Ob er genutzt werden darf oder nicht, ist unklar. Hinweise von deutscher Seite fehlen völlig. Grenzbeamte oder Polizisten, die man fragen könnte, sind weit und breit nicht zu sehen.

Entsprechend irritiert ist auch die Reaktion der Autofahrer: Ein polnischer Kleintransporter bleibt vor der Absperrung stehen. Der Fahrer schaut hilflos, tippt dann etwas in sein Navigationsgerät ein und wendet. Zwei deutsche Autos drehen sofort wieder um.

Ein Fußweg auf die polnische Seite ist offen - aber wer ihn nutzt wird zurückgeschickt

Nur wenn man genau hinschaut, ist das polnische Camp auf der anderen Seite der Neiße überhaupt zu sehen: Ein Militär-Lastwagen und eine grüne Absperrwand weit hinter der Brücke. Ab und zu bewegt sich etwas – hier sind also doch Menschen. Wer wissen möchte, ob die Grenze nicht vielleicht doch passiert werden kann, muss zu Fuß über den nicht gesperrten Fußweg laufen und auf eine Antwort der polnischen Grenzbeamten hoffen.

Ein kleine Gruppe macht sich auf den Weg über die Brücke: Ein Mann, der nach einem offenen Grenzübergang für seine polnischen Kollegen sucht, und ein paar Jugendliche, die einfach neugierig sind. Zwei polnische Grenzbeamte sind ihnen entgegen gekommen, um sie am Ende der Brücke zu empfangen. Sie haben ein Maschinengewehr vor dem Bauch hängen, einer trägt eine Leuchtweste.

„Dobry“, sagt der ohne Leuchtweste – „Tag.“ Und dann etwas, das keiner der Besucher aus Deutschland versteht.

Deutsch sprechen die Grenzbeamten nicht, dafür etwas „angielsku“ - ein bisschen Englisch und ein sehr entschlossenes Gesicht machen deutlich: Hier kommt keiner durch. Niemand, der zur Arbeit muss, keiner der tanken möchte und erst recht kein Schaulustiger. „Ten days“, setzt er noch hinzu – zehn Tage. Dazu macht er eine vage Handbewegung, es könnten wohl auch noch mehr werden. Etwas später wurde auch der zweite Fußgängerübergang gesperrt. Ein Passage der Brücke ist nicht mehr möglich. In der Pressemitteilung der Landespolizei vom 18. März 2020, in der auf die Verkehrssituation der Grenzübergänge eingegangen wird, findet der Grenzübergang Forst-Zasieki keine Erwähnung.