„Wir befinden uns nun schon in der dritten Woche des Corona-Modus – gefühlt allerdings schon viel länger“, sagt die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos), um vor der Presse ein erste Bilanz dieser Zeit zu ziehen.

Die fällt, abgesehen von den wirtschaftlichen Konsequenzen, recht positiv aus. „Die Menschen in Forst sind sehr diszipliniert und halten sich an die Vorgaben“, erklärt die Bürgermeisterin. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden relativ wenig Regelverstöße feststellen – und wenn doch, würden die meisten Leute auf die Ansprache einsichtig reagieren.

Diese Disziplin sei, auch weil Forst schon aus demografischen Gründen mit vielen Älteren eine große Risikogruppe hat, sehr wichtig.

Neun bestätigte Corona-Fälle in Forst

Mit Stand vom 7. April waren in Forst neun bestätigte Corona-Fälle registriert. In der Abklärungsstelle der Lausitz Klinik Forst wurden bis dahin 648 Corona-Test durchgeführt, wobei insgesamt 37 Corona-Fälle bestätigt wurden. Allerdings testet das Klinikum nicht nur für Forst, sondern auch Personen aus anderen Orten im Landkreis.

Für den gesamten Landkreis wurden bisher 51 Corona-Fälle nachgewiesen. Die Zahlen unterscheiden sich zum Teil, weil zum Beispiel Einwohner von Spree-Neiße auch in Krankenhäusern außerhalb des Kreises getestet wurden.

In Forst und im Landkreis wird mit beachtliche Dunkelziffer gerechnet

Zudem wurden im Spree-Neiße rund 150 Personen auf Anweisung des Gesundheitsamtes in Quarantäne geschickt, am 7. April betraf dies noch 55 Personen.

Dazu kommt eine nicht erfasste Anzahl von Menschen in freiwilliger Quarantäne, beispielsweise in Absprache mit dem Arbeitgeber nach Reisen in Risikogebieten. Auch wenn neben den bekannten Corona-Fällen weiter von einer beachtlichen Dunkelziffer ausgegangen werden muss, so ist es doch gelungen, die Situation im Raum Forst etwas zu stabilisieren.

Forst hat eine eigene Internetseite zu Corona

Allerdings um den Preis, dass die Corona-Krise alle Bereiche des Lebens erfasst. Daher hat Forst in dieser Woche eine eigene Website www.corona.forst-lausitz.de speziell zu Themen rund um Corona frei geschaltet.

„Hier sind aktuelle Informationen für Schulen und Wirtschaft, Kontaktangebote für Bürger, Formulare, Info-Angebote verschiedenster Institutionen oder zum Rechtsrahmen der Corona-Maßnahmen zu finden“, erklärt Sven Zuber, Leiter des Stabes für außergewöhnliche Angelegenheiten der Stadt, der die Aktivitäten zur Coronakrise koordiniert.

In dem Stab kommen jetzt regelmäßig Vertreter der Stadt, der Lausitz Klinik, der Polizei, der Feuerwehr, der Roten Kreuzes, der Stadtwerke Forst und der Forster Wohnungsbaugesellschaft zusammen.

„Damit erhält jeder Einblick in die Situation und wir erreichen dadurch wichtige Synergieeffekte“, betont Simone Taubenek.

Team Forster Zusammenhalt bietet vielfältige Hilfen an

Eine große Rolle bei den städtischen Hilfsangeboten spielt auch das „Team Forster Zusammenhalt“, das die Stadt gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz ins Leben gerufen hat. Infos dazu gibt es ebenfalls auf der neuen Corona-Website von Forst.

Dieses Team hat derzeit drei Arbeitsschwerpunkte. Zum einen das Corona-Bürgertelefon mit der Nummer 03562-989-289, zum anderen die Aktion „Mund- und Nasenmasken nähen“ und als Drittes das Hilfsprojekt für Kinder und Eltern „Helfen-Lernen-Spielen“.

Forster Bürger fragen vor allem nach Unterstützung beim Einkauf

„Am Bürgertelefon gingen bisher vor allem Anfragen nach Unterstützung beim Einkauf von Lebensmitteln und Botengängen ein“, erklärt Sven Zuber. Dazu kämen Fragen, vor allem für allein wohnende Menschen, nach der Versorgung mit warmen Mahlzeiten.

Bei einem Gespräch mit Vertretern von Heimen und Pflegediensten der Stadt am 26. März kam zutage, dass die Vorräte an Schutzausrüsten zwischen den Heimen und Diensten sehr stark variieren - von wenigen Wochen bis mehreren Monaten. Daher wurde die Aktion zum Nähen von Mund- und Nasenschutz gestartet.

„Bisher wurden 350 selbst genähte Mund-Nasen-Masken von der Bevölkerung abgegeben“, so Sven Zuber. Die wurden an Pflegeheime und -dienste sowie an die Freiwillige Feuerwehr verteilt. Allerdings ist der Bedarf weiter sehr hoch. Zudem gehen allmählich Stoff und Gummizüge zum Nähen der Masken aus.

Forst/Herzberg/Spremberg/Zittau

Mund-Nasen-Schutz ist in Forst nach wie vor gefragt

„Weil das Rathaus derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen ist, bitten wir Spender von Masken oder Material darum, kurz unter 03562-989-289 anzurufen. Dann kommt ein Mitarbeiter an die Tür und nimmt alles entgegen“, erklärt Sven Zuber.

Grundsätzlich, so die Bürgermeisterin, habe es noch nie so eine Situation wie die aktuelle gegeben. „Darum haben wir auch keine Erfahrungen im Umgang damit vorliegen.“ Das betrifft sowohl die Frage, was passiert, wenn die Pandemie vorbei ist, als auch, wie jetzt die Kommunalpolitik organisiert werden kann. „Wir müssen in der Stadtpolitik weiter Beschlüsse fassen“, betont Simone Taubenek.

Forster Stadtverordnete tagen in der Aula der Grundschule

Das kann die Verwaltung auf Dauer nicht im Alleingang. Deshalb soll die nächste Stadtverordnetenversammlung wie geplant am 24. April stattfinden – aus Sicherheitsgründen allerdings nicht wie gewohnt im Rathaus, sondern in der Aula der Grundschule Mitte.