Durchschnittlich legen Haare täglich zwischen 0,3 bis 0,5 Millimeter Länge zu. Das ergibt innerhalb eines Monats etwa 1 bis 1,5 Zentimeter. Manch einer griff angesichts der „Frisur-Krise“ entnervt zu Haushaltsschere oder Haarschneidemaschine.

Doch ein Ende ist in Sicht. Bund und Länder haben nun beschlossen, dass Friseurbetriebe bundesweit ab dem 4. Mai wieder öffnen können. Terminvereinbarungen sollen telefonisch erfolgen, um einem Stau im Wartebereich vorzubeugen.

Erste Woche bereits ausgebucht

Bei Friseurmeisterin Annemarie Schütze, der Inhaberin des Forster Salons „Haar-Ambiente“ in der Thumstraße 1, sind nicht nur alle Termine für die Wiedereröffnung am 4. Mai, sondern bereits für die gesamte erste Woche vergeben. An der Eingangstür weist ein Schild auf die veränderten Öffnungszeiten hin. Am Montag ist der Salon von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Dienstags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr und am Samstag von 8 bis 12 Uhr.

Einiges wird sich für Friseure und ihre Kunden ändern. Letztere werden um Geduld gebeten, denn das regelmäßige Desinfizieren gehört nun zur Tagesordnung. „Wir werden alle geforderten Sicherheitsstandards einhalten. Sowohl für unsere Kunden, als auch für unsere Mitarbeiter. Im Wartebereich kann derzeit nur einer unserer vier Plätze besetzt werden. Jegliche Bewirtung mit Getränken hat zu unterbleiben. Unsere Kunden müssen also auf diesen Service verzichten“, berichtet die Chefin. Auch Zeitschriften dürfen nicht zur Verfügung gestellt werden. „Wir werden unsere Kunden mit Mund-Nasen-Bedeckungen empfangen. Die Kunden sollten auch solch einen Schutz tragen und sich nach Betreten des Salons die Hände waschen oder desinfizieren. Ein Spender befindet sich im Eingangsbereich“, ergänzt ihre Tochter Katrin Tietze – selbst Meisterin im Friseurhandwerk – anhand der Vorgaben der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Auch müsse ein Kundenabstand von 1,5 Metern eingehalten werden.

Bartpflege ist weiter tabu

„Bei jedem Kunden müssen die Haare gewaschen werden und Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen derzeit nicht ausgeführt werden“, schildert sie weitere Regelungen.

Elf Arbeitsplätze gibt es im „Haar-Ambiente“. Nur knapp die Hälfte davon kann künftig aufgrund des Sicherheitsabstandes benutzt werden. Und noch eines ist Annemarie Schütze ganz wichtig: „Alle meine vier Mitarbeiterinnen sind derzeit in Kurzarbeit, doch keine wird ihren Arbeitsplatz einbüßen. Alle werden gebraucht“.

Schwierige Zeiten liegen hinter der Friseurmeisterin. Die Einnahmen eines kompletten Monats sind weggefallen, insbesondere das Ostergeschäft und die Jugendweihen. Die Kosten für Miete und Versicherungen fielen jedoch weiterhin an. Doch alle Friseure müssen derzeit mit diesem Problem kämpfen. Die Hilfe von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) sei bereits bewilligt worden. „Eine wichtige Hilfe, aber dennoch nicht ausreichend“, sagte Katrin Tietze, die künftig einmal das Geschäft der Mutter weiterführen wird. „Ich habe in den vergangenen Wochen das Lager umgeräumt, Bestellungen geschrieben und einen Frühjahrsputz im gesamten Warensortiment vorgenommen“.

Privileg für den Ehemann

Hat sie während der vergangenen Wochen in Forst auf die Köpfe der Passanten geachtet? „Eine Friseurin schaut immer auf die Frisuren in der Umgebung“, sagte sie lächelnd. Auf Fachveranstaltungen mussten die beiden Fachfrauen natürlich verzichten, studierten jedoch im Internet die neuesten Trends. „Meine Tochter Marilen (11) stand mir als Model für neue Flechttechniken zur Verfügung“, so Katrin Tietze. Viele Kunden baten insgeheim um Hausbesuche. „Aber wir haben uns strikt an das vorgegebene Kontaktverbot gehalten und bei dringenden Fällen auf den You-Tube-Kanal verwiesen.“

Einer sei dennoch in den Genuss des Privilegs gekommen, regelmäßig frisiert und gestylt zu werden – ihr Ehemann.

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