ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:55 Uhr

Döbern
Die Kirche und ihr Rhododendron

Hinter dem Altarkreuz der 110 Jahre alten Christuskirche in Döbern ist der segnende Christus – in der Luce-Floreo-Technik auf Glas gemalt – zu sehen.
Hinter dem Altarkreuz der 110 Jahre alten Christuskirche in Döbern ist der segnende Christus – in der Luce-Floreo-Technik auf Glas gemalt – zu sehen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Döbern. Superintendent Michael Moogk lädt in Döbern am Pfingstsonntag zum Festgottesdienst ein.

Ein junges Paar hat am Donnerstag vorm Eingang der Christuskirche in Döbern eifrig gefegt und unterm üppig blühenden Rhododendron geharkt. Ihr Baby schläft im Schatten des Gemeindehauses. Superintendent Michael Moogk begrüßt die Familie herzlich. Das Paar heiratet am heutigen Samstag in der Christuskirche. „Konfirmation, Hochzeit, die Taufe der Kinder“, zählt Superintendent Moogk schmunzelnd auf. In Döbern halten Familien noch am christlichen Glauben fest. Aber auch in der Christus-Kirchengemeinde nimmt die Zahl der Mitglieder ab. 550, so schätzt er, sind es noch. Aber in Döbern wird die Ökumene gelebt. „Klar, kommen auch die Katholiken zu unserem Fest am Pfingstsonntag“, sagt Michael Moogk. 110 Jahre sind seit der Kirchenweihe der evangelischen Christuskirche  vergangen. Das wird gefeiert mit einem Festgottesdienst, einem gemeinsamen Mittagessen im Pfarrgarten und einem Konzert des Senftenberger Chores „Gospel & Friends“.

Die Gemeindemitglieder kennen ihre Kirche im Büttner-Baustil. Aber wenn Gäste kommen, genießt Michael Moogk leise, wie überrascht  sie erst einmal im Kirchenraum stehen.

Im Jahr 1906 hatten die Döberner Kontakt zum Königlichen Baurat Georg Büttner (1858 bis 1914) in Berlin-Steglitz aufgenommen. Im September 1907 konnte der Kirchenbau öffentlich ausgeschrieben werden – die Finanzierung war geklärt. Der Häusler Gustav Kraetsch, so erzählt es die Festschrift zum 100. Geburtstag, schenkte der Kirche das Baugrundstück. Der Döberner Maurermeister Wilhelm Möbus bekam den Zuschlag für die Maurerarbeiten, die Firma Peschke & Comp. den Zuschlag für die Zimmerarbeiten. Grundsteinlegung war am 10. November 1907, Richtfest am 26. Juni 1908. Am 6. August ertönte erstmals der harmonische Dreiklang der Bronzeglocken in fis, ais und cis. Wie viele Kirchenglocken mussten auch die zwei größeren Glocken der Christuskirche im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden. Seit Pfingsten 1956 rufen drei Stahlglocken in g, h, und d die Gläubigen.

Eingeweiht wurde die Kirche am vierten Adventssonntag 1908. Blickfang im Kirchenschiff ist der segnende Christus im Fenster. „In der Luce-Floreo-Technik wurde das geschaffen. Dabei werden drei Glasschichten mit dem Motiv bemalt, was diese räumliche Wirkung erzeugt“, erklärt Michael Moogk.

Fünf Apsis-Fenster sollen so gestaltet worden sein, aber  nur das mittlere hat der Zweite Weltkrieg den Döbernern gelassen. „Zu Glassplittern, die noch erhalten geblieben sind, wird gerade an einer Masterarbeit geschrieben“, so der Superintendent. Das Kruzifix ist eine Tiroler Holzarbeit. Die Laufgang-Arkade hat nach Büttners Entuwrf der Döberner Tischlermeister Wagner gefertigt. Die Brüstungsfelder der Empore mussten 1950 ersetzt werden. „Es wurde sich damals für christliche Symbole und Sprüche des Kirchenjahres entschieden“, sagt Michael Moogk. Und die Orgel schuf der Sorauer Orgelbaumeister Gustav Heinze – 1909 wurde sie eingebaut, wie der kleine Kirchenführer, den die Christus-Kirchengemeinde herausgegeben hat, erzählt.

Ein Stapel dieser Heftchen liegt neben dem gut gefüllten Gästebuch. „Es gibt doch immer wieder Leute, die unsere Kirche entdecken, deshalb öffnen wir sie auch jeden Tag“, sagt der Superintendent. Seit 1987 ist er hier evangelischer Pfarrer. Mit seinen langen Haaren hatte er damals für etwas Aufsehen gesorgt und nach der Wende mit Wissendurstigen Altgriechisch gelernt und philosophiert. Mit dem Gemeindekirchenrat und vielen weiteren Helfern wird er am Pfingstsonntag das 110. Kirchenjubiläum feiern. Propst Dr. Christian Stäblein predigt. Die Liturgie begleitet die katholische Theologin Dr. Regina Elsner.

Das Kind des jungen Paares vor der Kirche ist aufgewacht, sanft schaukelt es die Mutter im Arm. Der Blumenschmuck, der zu ihrer Hochzeit auf den Altar der Christuskirche  gelegt wird, wird zum Festgottesdienst am Pfingstsonntag noch zu bestaunen sein. Aber auch das Grün rund um die Kirche macht viel her. Der Rhododendron und die Rotbuchen sollen bereits 1909 gemeinsam mit Azaleen auf dem Gelände gepflanzt worden sein.

Superintendent Michael Moogk in Döbern ist deutlich jünger als der Rhododendron auf dem Döberner Kirchengelände.
Superintendent Michael Moogk in Döbern ist deutlich jünger als der Rhododendron auf dem Döberner Kirchengelände. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit