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Bürgermeisterwahl
Bürgermeisterkandidaten zu persönlicher Motivation, politischer Position und Führungserfahrung

Forst. Vier Männer und eine Frau wollen in Forst Bürgermeister werden. Ihr Motive erläutern der erfahrene Kommunalpolitiker Ingo Paeschke, Rechtsanwalt Helge Bayer, Gärtnermeister Thomas Engwicht, Organisator des Johannes Gaudiums Aimo Bartel und die Juristin bei der Polizei Simone Taubenek. Von Katrin Kunipatz

Warum wollen Sie Bürgermeister/in werden?

Ingo Paeschke, Bürgermeisterkandidat Der Linken
Ingo Paeschke, Bürgermeisterkandidat Der Linken FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Ingo Paeschke: Weil ich in zwanzig Jahren als Kommunalpolitiker genügend Erfahrungen in allen kommunalpolitischen Bereichen gesammelt habe und in meinem Berufsleben auch Führungsfähigkeiten erlernt und angewendet habe.

Welche Führungserfahrung haben Sie in Beruf oder Ehrenamt sammeln können?

Ingo Paeschke: Als Berufssoldat habe ich mehrfach Personal geführt. Ich habe ein abgeschlossenes Hochschulstudium als Diplomingenieur (FH). Außerdem war ich fast acht Jahre Vorsitzender eines Personalrats im öffentlichen Dienst für Soldaten, Beamte und Arbeitnehmer. In meiner Zeit als Stadtverordneter bin beziehungsweise war ich rund siebzehn Jahre Fraktionsvorsitzender.

Was ist – mit Ihren Worten – die Aufgabe eines Bürgermeisters?

Ingo Paeschke: Der Bürgermeister muss die Stadt öffentlich vertreten, Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger sein und die Stadtentwicklung in allen Bereichen aktiv vorantreiben. Es ist seine Aufgabe, Investitions- und Finanzentscheidungen mit seiner Verwaltung fachlich vorzubereiten und eng mit der Stadtverordnetenversammlung zusammenzuarbeiten.

Welche Erfahrung haben Sie in politischen Gremien, Parteien, Initiativen oder ähnlichem gesammelt?

Ingo Paeschke: Neben den genannten Tätigkeiten war ich fünf Jahre Mitglied des Landesvorstandes der Linken in Brandenburg und Mitbegründer des Kreisverbandes Lausitz (ein Zusammenschluss aus Spree/Neiße und Cottbus).

Wie beschreiben Sie ihre politische Position?

Ingo Paeschke: Ich bin ein Linker Politiker mit realistischen Ansichten. Ich stehe für eine Politik, die Interessen der Stadtbevölkerung bündelt und soziale Probleme im Interesse der Betroffenen löst. Ich bin ein bekennender Europäer, der nationalistische Tendenzen ablehnt.

Warum wollen Sie Bürgermeister/in werden?

Simone Taubenek, parteilose Bürgermeisterkandidatin
Simone Taubenek, parteilose Bürgermeisterkandidatin FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Simone Taubenek: Mit meinen 52 Jahren habe ich mich gefragt, ob ich noch einmal etwas Neues wagen kann und will. Die Antwort: Ich kann und ich will. Meine familiäre Situation ist so, dass meine Kinder keine 24-Stundenbetreuung mehr brauchen. Gerade als unabhängige Kandidatin – also von allem unbelastet – kann ich das Amt der Bürgermeisterin sehr gut ausfüllen. Nicht zuletzt war auch das Arbeiten am Wohnort ein Argument für die Kandidatur. Für die Stadt und für die Bürger etwas zu bewegen – das ist mein Plan.

Welche Führungserfahrung haben Sie in Beruf oder Ehrenamt sammeln können?

Simone Taubenek: In 23 Jahren in der Polizei habe ich ausschließlich Führungsfunktionen besetzt. Neben der Führung von Mitarbeitern gehören auch die Führung von Einsätzen dazu (Oder-, Neiße-, Elbe- und Schwarze Elster-Hochwasser, Fußballeinsätze, Versammlungslagen und vieles mehr). Menschenkenntnis und Bauchgefühl sind da zwingend erforderlich. Ehrenamtlich war ich einige Jahre Stellvertreterin im PSV Cottbus, sodass mir der nicht leichte Umgang mit den unterschiedlichen Interessen in einem Verein gut bekannt ist.

Was ist – mit Ihren Worten – die Aufgabe eines Bürgermeisters?

Simone Taubenek: Die Bürgermeisterin muss eine Allrounderin sein, auf jeder Hochzeit tanzen und rund um die Uhr (Urlaub muss aber sein) zur Verfügung stehen. Repräsentantin, Chefin einer Verwaltung, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, Visionärin, aber auch Realistin – das sind die Aufgaben und sicher noch einige andere mehr. Verantwortungsvoller Umgang mit den anvertrauten Mitarbeitern, zielführende Kommunikation mit den Stadtverordneten und anderen politischen Entscheidungsträgern gehören ebenfalls dazu.

Welche Erfahrung haben Sie in politischen Gremien, Parteien, Initiativen oder ähnlichem gesammelt?

Simone Taubenek: Die Polizei ist die politischste aller Verwaltungen. Ich kenne jetzt den 4. Innenminister und den 10. Polizeipräsidenten. Auf Arbeitsebene gibt es stets intensive Kontakte zu den Landräten, Bürgermeistern und der Justiz. Der Polizeibeirat und die Sicherheitspartner sind mir ebenfalls bekannt. Als Leiterin einer Sonderkommission habe ich auch am „Runden Tisch“ mit Ministern, Stadtverordneten und Ehrenamtlichen gearbeitet. Ich bin 16 Jahre in den Schulen meiner Söhne als Elternsprecherin aktiv.

Wie beschreiben Sie ihre politische Position?

Simone Taubenek: Ich bin schon immer ein politisch interessierter Mensch gewesen, der sich aber keiner Partei zuordnen möchte. Extremismus in jeglicher Form lehne ich grundsätzlich ab. Gerade auf kommunaler Ebene kommt es meines Erachtens nicht auf politische Positionen an, sondern auf gemeinsame Entscheidungen im Interesse der Stadt und somit für die hier lebenden Menschen. Ich bin eine harte Verfechterin von Recht und Gesetz, da dadurch ein problemloses Miteinander möglich wäre. Leider halten sich nicht alle daran.

Warum wollen Sie Bürgermeister/in werden?

Aimo Bartel, unabhängiger Bürgermeisterkandidat
Aimo Bartel, unabhängiger Bürgermeisterkandidat FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Aimo Bartel: Lange genug wurde nur geredet, vieles und viele wurde/n im Stich gelassen. Wie lange wollen wir Missmut, Lethargie, Stillstand und Perspektivlosigkeit noch zulassen? Das möchte ich als „Macher“ ändern, aufrütteln und mit dem „Wir, und Gemeinsam“ Forst eine lebenswerte Zukunft schaffen.

Welche Führungserfahrung haben Sie in Beruf oder Ehrenamt sammeln können?

Aimo Bartel: Von beruflicher Seite her viele. Durch die leitenden Funktionen, den Umgang mit den Menschen, ihren Sorgen und Problemen konnte ich einen großen und wichtigen Fundus für das Führen, Lenken, Leiten, Begeistern und Organisieren erschaffen. Ebenso große Kreativität, Um- und Weitsicht. Ein typischer Verwaltungsmensch bin ich nicht aber lernfähig. Im Ehrenamt ist damit den Erfahrungen sehr ähnlich.

Was ist – mit Ihren Worten – die Aufgabe eines Bürgermeisters?

Aimo Bartel: Ich sehe mich als den Lenker, Leiter, Moderator, Mediator, Organisator, Mittler, Sprecher der Bürgerschaft, ein Stück als treibender Keil und Macher zwischen den Stadtverordneten und der Stadtverwaltung mit ihren Fachbereichen mit ihren fachlichen und kompetenten Leitern, Mitarbeitern sowie der Bürgerschaft. Darin eingeschlossen sind aber auch die Institutionen und Behörden des Kreises, Landesbehörden und die vorhandene Parteienlandschaft.

Welche Erfahrung haben Sie in politischen Gremien, Parteien, Initiativen oder ähnlichem gesammelt?

Aimo Bartel: In politischen Gremien und Parteien keine, da es diesbezüglich kein Interesse gibt. Bei Initiativen sieht es da wesentliche anders aus, wenn man die Forster Mittelalterszene zugrunde legt. Das länderübergreifende und europäische Kulturprojekt „Monumentum Historica – Geschichte in der Niederlausitz“ würde es so nach fünf Jahren nicht geben.

Wie beschreiben Sie ihre politische Position?

Aimo Bartel: Diesbezüglich bin ich völlig unbeeinflusst, neutral und denke auch ein Stück weit europäisch. Das wird sich auch nicht ändern, als gewählter Vertreter der Bürgerschaft bin ich ausschließlich für diese und ihre Stadt da.

Warum wollen Sie Bürgermeister/in werden?

Helge Bayer, Bürgermeisterkandidat der CDU
Helge Bayer, Bürgermeisterkandidat der CDU FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Helge Bayer: Forst ist meine Heimatstadt. Hier lebe ich mit meiner Familie gern. Seit acht Jahren setze ich mich daher auch kommunalpolitisch für unsere Bürger ein. Viele Ideen konnte ich dabei schon einbringen. Immer darauf bedacht, auch für diejenigen da zu sein, die ihre Stimme nicht so stark erheben können. Mein Herz schlägt für Forst! Mit meinen Erfahrungen aus der Kommunalpolitik, meinen beruflichen Fähigkeiten und meiner Durchsetzungsstärke bin ich gewillt, unsere Stadt in eine gute Zukunft zu führen.

Welche Führungserfahrung haben Sie in Beruf oder Ehrenamt sammeln können?

Helge Bayer: Über zehn Jahre war ich Vorstandsmitglied eines sozialen Vereins mit mehr als 50 Mitarbeitern. Seit über zwei Jahren bin ich in einem Unternehmen mit derzeit über 40 Angestellten mit der Personalleitung betraut. Seit über 17 Jahren berate ich als Rechtsanwalt Unternehmen bei ihrer Personalpolitik, -planung und -organisation. Mit meinen juristischen Staatsexamen habe ich die Befähigung, höhere Verwaltungsstrukturen zu leiten. Einen Fachanwaltslehrgang für Arbeitsrecht habe ich erfolgreich abgelegt.

Was ist – mit Ihren Worten – die Aufgabe eines Bürgermeisters?

Helge Bayer: Seine Allzuständigkeit. Er ist erster Ansprechpartner für alle Bürger. Gleichzeitig ist er wichtiges Bindeglied zwischen Bürger, den Stadtverordneten und der Verwaltung. Es ist daher wichtig, dass er immer ein Gespür für das Notwendige und Wesentliche hat und fähig ist, auf alle zuzugehen. Ja, in der Mittagspause sollte er auf dem Marktplatz anzutreffen sein. Ein geschicktes Händchen bei der Arbeit mit den Stadtverordneten erwarte ich ebenso bei Verhandlungen mit Landesbehörden und der Polizei.

Welche Erfahrung haben Sie in politischen Gremien, Parteien, Initiativen oder ähnlichem gesammelt?

Helge Bayer: Seit 2010 als Sachkundiger Einwohner im Bildung- und Kulturausschuss und dem Bauausschuss. Seit 2015 Stadtverordneter unserer Stadt und im Finanzausschuss tätig. Daneben bin ich von unserer Stadt in den Aufsichtsrat der Lausitz Klinik Forst GmbH entsendet. Seit 2008 bin ich Mitglied der CDU. Dort Vorsitzender unseres Stadtverbandes und Vorstandsmitglied des CDU-Kreisverbandes. Bei meiner Tätigkeit für einen sozialen eingetragenen Verein habe ich auch Verträge für soziale Arbeit et cetera mit dem Landkreis verhandelt.

Wie beschreiben Sie ihre politische Position?

Helge Bayer: Ich bin in Weißwasser in einer Neubausiedlung groß geworden und habe auch in den Semesterferien noch als Elektriker gearbeitet, um mein Studium finanziell abzusichern. Ich weiß, Arbeit muss sich lohnen. Ich glaube daher, dass ich eine stark verwurzelte soziale Ader habe. Freiheitlich, liberal bin ich sowieso. Parteien sind tragender Teil unserer demokratischen Meinungsbildung. Ich bin stolz, dass mich meine Partei für fähig hält, das Amt des überparteilichen Bürgermeisters bekleiden zu können.

Warum wollen Sie Bürgermeister/in werden?

Thomas Engwicht, parteiloser Bürgermeisterkandidat
Thomas Engwicht, parteiloser Bürgermeisterkandidat FOTO: Steffi Ludwig / LR

Thomas Engwicht: Ich stehe mitten im Leben, bin belastbar und schaue zuversichtlich in die Zukunft. Die Situation der letzten Jahre in Forst, aber auch in Deutschland allgemein hat mich dazu gebracht, über eine Mitwirkung im politischen Geschehen nachzudenken. Jetzt bin ich dazu bereit. Ich sehe es als für mich einmalige Chance, mit dem Amt des Bürgermeisters noch größere Verantwortung für meine Heimatstadt zu übernehmen. Ich möchte gemeinsam mit den Forster Bürgern die Zukunft unserer Stadt mit Zuversicht gestalten.

Welche Führungserfahrung haben Sie in Beruf oder Ehrenamt sammeln können?

Thomas Engwicht: Seit vielen Jahren arbeite ich erfolgreich als selbstständiger Unternehmer. Dazu ist es notwendig, visionäre Projekte mit klaren Strategien und bodenständigem Fleiß umzusetzen. Das immer vorhandene unternehmerische Risiko zwang mich, auch beim Beschreiten neuer Wege, bedacht aber konsequent zu handeln. Diese Erfahrungen, selbstbestimmt und mit großer Verantwortung zu arbeiten, werden mir als Bürgermeister sehr helfen. Bei meinem ehrenamtlichen Engagement ist mir die Weitergabe von Erfahrungen und Werten wichtig.

Was ist – mit Ihren Worten – die Aufgabe eines Bürgermeisters?

Thomas Engwicht: Ich werde es als meine Aufgabe betrachten, die Stadt Forst und ihre Bürger nach innen und außen wieder angemessen zu repräsentieren. Dabei sind unsere Interessen zum Beispiel in der Wirtschafts- und Verkehrspolitik zu benennen und mit Engagement zur Durchsetzung zu bringen. Dazu sollten die SVV und die Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze in demokratischem Miteinander Ziele definieren und gemeinsam darauf hinarbeiten. Mir wird es auch wichtig sein, einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft zu vermitteln.

Welche Erfahrung haben Sie in politischen Gremien, Parteien, Initiativen oder ähnlichem gesammelt?

Thomas Engwicht: Seit vielen Jahren verfolge ich die politische Entwicklung in Forst und darüber hinaus. Die Vorgänge der SVV und ihrer Ausschüsse sind mir deshalb geläufig. Die Bürgerinitiative gegen die Kreisreform habe ich wie viele andere unterstützt. Auf eine aktivere Beteiligung in der Politik habe ich bisher verzichtet. Ich sehe es als großen Vorteil, ohne Vorbehalte mit allen Parteien und Fraktionen über Sachthemen verhandeln zu können und möchte ein Bürgermeister für alle Forsterinnen und Forster sein.

Wie beschreiben Sie ihre politische Position?

Thomas Engwicht: Christliche Werte sind mir wichtig. Politisch würde ich mich als liberal-konservativ in Verbindung mit ökologischen und sozialen Positionen beschreiben. Ich bin an politischen Themen sehr interessiert. Für die Stadtpolitik müssen aber Sachthemen und gute Problemlösungen im Vordergrund stehen. Ich werde als Bürgermeister keine politische Richtung vertreten sondern, dann als Beamter auf Zeit, stets versuchen, Neutralität zu wahren. Die Mitgliedschaft in einer Partei kommt für mich als Bürgermeister nicht infrage.

Die ausführlichen Antworten auf weitere Fragen zu den Themen Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung sowie Sicherheit und Wirtschaft lesen Sie in weiteren Beiträgen ebenfalls unter www.lr-online.de.