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Forst
Kandidaten schärfen ihr Profil

Die fünf Bürgermeisterkandidaten (v.r.) Ingo Paeschke, Thomas Engwicht, Simone Taubenek, Helge Bayer und Aimo Bartel beantworteten die Fragen der Senioren. Helmut Ließ, Vorsitzender des Seniorenbeirats, führte durch die Diskussionsrunde.
Die fünf Bürgermeisterkandidaten (v.r.) Ingo Paeschke, Thomas Engwicht, Simone Taubenek, Helge Bayer und Aimo Bartel beantworteten die Fragen der Senioren. Helmut Ließ, Vorsitzender des Seniorenbeirats, führte durch die Diskussionsrunde. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Zur Sprache kamen Polizeipräsenz, „Schwarze Jule“ und seniorenfreundliches Forst. Von Katrin Kunipatz

Die „Schwarze Jule“ liegt gerade den alten Forstern am Herzen. Bestimmt nicht nur ihnen, aber sie waren es, die den Bürgermeisterkandidaten am Mittwoch Fragen stellen konnten. Auf Einladung des Seniorenbeirats und des Zak-Vereins kamen rund 80 Menschen im reifen Alter ins Kompetenzzentrum. Und eine Dame wollte genauer wissen, was mit der historischen Lok der Forster Stadteisenbahn passieren soll.

Thomas Engwicht (parteilos) wünscht sich, dass die Forster Kinder die Jule schon im Feuerwehrgerätehaus zu sehen bekommen. Da sie Teil des Gesamtkonzepts im Textilmuseum ist, habe er nur wenig Hoffnung, dass sie schon in kurzer Zeit besichtigt werden kann. Der 40-Jährige berichtete von der Ehrfurcht, mit der er als Kind im Dresdner Verkehrsmuseum vor der kleinen Lokomotive stand. „Wenn ich Bürgermeister werde, werde ich die Jule niemals mehr aus Forst weglassen“, sagte Engwicht halb im Spaß.

Ingo Paeschke (Die Linke), der nach eigener Auskunft die Lok sogar noch fahrend erlebt hat, erinnerte daran, dass es sich um eine Leihgabe handelt. Innerhalb einer bestimmten Zeit müsse sie öffentlich ausgestellt werden, sonst gehe sie zurück nach Dresden. Und weil es mit der Ausstellung am Textilmuseum noch einige Zeit dauern werde, sollte die Lok einen Platz auf der Freifläche an der Post bekommen. „Als sichtbares Zeichen für die Historie der Stadt“, sagte Paeschke.

Helge Bayer (CDU) spann die Idee weiter und entwarf das Projekt eines Spielplatzes neben der ausgestellten Jule. Überdacht werden könnte dieser mit einem Zelt, wie es in Cottbus-Sachsendorf stehe. Aimo Bartel (parteilos) möchte die Schwarze Jule gern als touristisches Pfund nutzen. „Ein kleiner Schienenring wäre eine schöne Attraktion, so es finanzierbar ist“, sagte er. Für Simone Taubenek (parteilos) gehört die Jule ins Textilmuseum.

Doch nicht allein um die 125 Jahre alte Lokomotive drehten sich die Fragen. Helmut Ließ, Vorsitzender des Seniorenbeirats, hatte gemeinsam mit dem Vorstand Themenkomplexe vorbereitet, zu denen die Kandidaten Stellung beziehen sollten. Beim Thema seniorenfreundliche Stadt lagen die Positionen der fünf Kandidaten nicht gravierend auseinander. Die Herren Bartel, Engwicht, Paeschke und Bayer betonten, dass seniorenfreundlich allein nicht reicht, sondern auch der Aspekt familienfreundlich wichtig sei. Simone Taubenek sieht einiges – wie zentrumsnahes Einkaufen – in Forst schon erreicht. Wichtig sei die Barrierefreiheit, so Taubenek. Aimo Bartel sprach von einer Verlegung des MVZ in die Innenstadt. Thomas Engwicht und Ingo Paeschke sahen in der Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs eine Möglichkeiten, um Stadtzentrum oder MVZ gut erreichen zu können. Helge Bayer will Interaktion mit der Bauverwaltung verbessern und bei Gefahrenquellen, wie Rissen oder hohen Borden, schnell handeln.

Beim Thema Sicherheit gingen die Meinungen der Kandidaten deutlich auseinander. Taubenek, bei der Polizei in leitender Position tätig, erläuterte, dass in allen Bereichen der Kriminalität ein Rückgang zu verzeichnen sei. Sie möchte den Präventionsrat wiederbeleben und auch die Sucht- und Drogenprävention mit ins Boot holen. Engwicht widersprach. Bei ihm sei im vergangenen Jahr dreimal etwas gestohlen worden. Als Bürgermeister wolle er mehr Polizisten in die Stadt holen. Dem stimmte Bartel zu. Und ergänzte: Man müsse die Perspektivlosigkeit als Ursache für die Beschaffungskriminalität beseitigen. Bayer betonte, jeden Täter müsse man frühzeitig aus dem Verkehr ziehen, damit er nicht noch Karriere mache. Paeschke verwies darauf, dass trotz rückläufiger Fallzahlen das subjektive Gefühl der Sicherheit landesweit schlechter werde. Als Bürgermeister könne man das eigene Ordnungsamt auch am Abend in der Innenstadt einsetzen. Eine andere Lösung seien mehr Polizisten, deren Ausbildung aber noch läuft. Taubenek verweist darauf, dass vor Jahren – in „Friedenszeiten“ – der Personalabbau beschlossen wurde und dann zusätzliche Aufgaben, wie Terrorismusbekämpfung und Kriminalität durch Zuwanderer dazu kamen. „Die ersten Zugänge kommen nächstes Jahr“, sagt sie.

Gesprochen wurde in der knapp zweistündigen Veranstaltung auch über ein „Haus der Vereine“, die Nahversorgung und die Belebung der Innenstadt. Marlies Moye, stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats sprach „von einer sehr gelungenen Veranstaltung“. Es sei schön, dass sich so viele Forster für die Stadt interessieren.