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| 18:48 Uhr

Gesellschaft
Spaziergang in die Vergangenheit

Bürgermeister Wolfgang Katzula (M.) erzählte auf der Neujahrswanderung Geschichten über Soldaten zu Zeiten des 30-jährigen Krieges, Totenbretter und den Herausgeber einer Fischzeitung.
Bürgermeister Wolfgang Katzula (M.) erzählte auf der Neujahrswanderung Geschichten über Soldaten zu Zeiten des 30-jährigen Krieges, Totenbretter und den Herausgeber einer Fischzeitung. FOTO: Margit Jahn
Groß Schacksdorf . Bürgermeister Wolfgang Katzula erzählt beim Neujahrsspaziergang durch Groß Schacksdorf viele Geschichten über vergangene Traditionen.

Eine große Besucherschar traf sich in Schacksdorf an der Kreuzung Forster Straße/Schulstraße. Nach der offiziellen Begrüßung setzte sich der Neujahrskorso in Bewegung. Entlang der Schulstraße „bis nach Jethe“, wie Wolfgang Katzula scherzte. Die Straße führte an vielen Grundstücken vorbei, wo Namen früherer Bewohner ausgetauscht wurden. Henoch, Katzula, Laugksch, Kulisch waren einige davon.

Der Bürgermeister informierte über die aktuellen Einwohnerzahlen. In Schacksdorf leben derzeit 350 Menschen, in der Waldsiedlung aktuell 429. 18 neue Häuser sind in den letzten Jahren gebaut worden.

Entlang des Weges erzählte Katzula aber auch vom 1910 gebrochenen Damm. Damals konnten die Menschen mit Körben die dicken Fische „rausholen“. Rund um das Dorf gab es damals viele Teiche, und die Fische wurden in Hälterbecken zwischengelagert. Es gab sogar einen Herrn Vogel, der  eine Fischzeitung herausgab. Diese wurde von Schacksdorf bis nach Sachsen gelesen. Von 1895 bis 1905 wurden drei Fischbücher herausgegeben. Bei den Hälterbecken entstand dann auch der bis 1950 genutzte Eiskeller, um Waren zu kühlen zu einer Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab.

Die Gretchenfrage war, wohin die Malxe fließt. Die Antwort: als erstes in den Hammergraben, zur Spree, dann in die Havel, weiter zur Elbe und dann „kommt man an der Reeperbahn raus“, wie in der Gruppe gescherzt wurde.

Spannend war die Geschichte vom „Toten-Mann-Weg“. Zwei Soldaten aus dem 30-jährigen Krieg, der „Mühlbacher Schlacht“, wollten durch Schacksdorf nach Hause gehen. Sie wurden auf ihrem Weg von einem Gewitter überrascht. Einer von beiden wurde vom Blitz erschlagen. Damals war es aber Tradition, dass Fremde nicht auf dem heimischen Friedhof beerdigt wurden, sondern an Ort und Stelle. Ein Denkmal aus Muschelkalk wurde  errichtet, nach der Wende gestohlen und später wiedergefunden, saniert.

Weiter führte der Weg an der Schule entlang, die 2013 ihren Betrieb einstellte. Dies bedauert der Bürgermeister noch immer sehr. Diese Schule war ein Zweckbau,  zu einer Nachmietung ist es nicht gekommen. Damit ist das 1978 errichtete Objekt dem Vandalismus preisgegeben. Bis zu 40 Fensterscheiben wurden in der Vergangenheit eingeschlagen. Auch die danebenstehende Turnhalle, die erst 1988/89 erbaut wurde, hinterlässt ein tiefes Finanzloch in der Gemeindekasse. Durch Mieteinnahmen von Sportvereinen kommen 2000 Euro pro Jahr zusammen, die Unterhaltung kostet allerdings 4000 bis 7000 Euro.

Die Wanderung setzte sich um den Turnplatz fort, ehemalige Gärten auf diesem Platz wurden später zu einer großen Freifläche umgewandelt. 2010 gab es eine große Überflutung.

„Seitdem die Armee nicht mehr vor Ort ist, sind die Unfälle weniger geworden“, berichtet Katzula. Vor allem die großen schweren Fahrzeuge haben seinen Angaben zufolge an den Straßen und Brücken viele Schäden hinterlassen. Er deutete weiter auf den großen Platz vom Schlepperverein, wo inzwischen traditionell Feste mit Oldtimern und Traktoren im Jahr stattfinden.

Interessant auch die Geschichte zu den „Totenbrettern“. Särge gab es damals noch nicht, deshalb wurden die Toten zum Friedhof auf Brettern getragen. Allerdings durfte man mit den Brettern nicht durch das nächste Dorf gehen. Sie wurden  einfach am Eingang abgestellt und sind dann verrottet. Ab 1923 gab es Strom in Groß Schacksdorf. Eine Sensation damals für das Dorf. Noch heute stehen viele Strommasten im Ort. Ein Neubau ist sehr kostenaufwändig – vor allem für die Einwohner, deshalb bleiben die fünf Kilometer langen Stromleitungen vorerst bestehen.

Angekommen am ehemaligen Schloss, gab es auch dort viel Wissenswertes zu erfahren. Der einstige Schloss- oder Pferdegarten ist heute ein kleines Biotop. Die Berliner Familie Keilholz ist im Besitz des Schlosses. Weil die Sonne dann noch so herrlich herauskam, führte die Wanderung auf Wunsch der Gäste noch eine weitere Runde durch das Dorf. Zu erzählen gibt es ja immer und überall viel Spannendes.