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Buch sucht Spuren des Zweiten Weltkrieges

Auch dem Sowjetischen Ehrenfriedhof auf dem Spremberger Georgen berg haben sich die Buch-Autoren gewidmet.
Auch dem Sowjetischen Ehrenfriedhof auf dem Spremberger Georgen berg haben sich die Buch-Autoren gewidmet. FOTO: cw
Spree-Neiße. Ein neues Buch forscht nach Spuren im Spree-Neiße-Kreis, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern. Die Berliner Autoren begaben sich auf Friedhöfe, an die Stätten früherer Zwangsarbeiterlager und auf öffentliche Plätze. René Wappler

Sie dokumentierten 103 Denkmale, Erinnerungszeichen und Orte: Die Autorin Alexandra Klei und der Fotograf Christian Herrnbeck stießen auf ihrer Reise auf Spuren, die von den schweren Kämpfen zwischen der Roten Armee und den deutschen Einheiten der SS und der Wehrmacht zeugen. Zugleich wollen sie mit ihrem Buch "Überall Geschichte" daran erinnern, "dass unter den Toten auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren", wie Alexandra Klei im Vorwort schreibt, "Menschen also, die in Lager gesperrt und zur Arbeit gezwungen wurden". Das Buch gliedert sich in mehrere Kapitel.

Sowjetische Ehrenfriedhöfe und Gräber: Eine kleine Gedenkanlage für Soldaten der Roten Armee befindet sich auf dem Friedhof in Groß Döbbern. Auf einem Stein liest der Besucher: "Hier ruhen fünf russische Soldaten, gefallen im April 1945". Nähere Informationen zu den Toten oder der Gedenkanlage finden sich jedoch nicht, wie die Autorin des Buches anmerkt. In Reuthen bei Felixsee gibt es einen sowjetischen Ehrenfriedhof, der wiederum an 63 Soldaten und Offiziere erinnert, die im Frühjahr 1945 in der Nähe ihr Leben verloren. Auch den Spremberger Gedenkort auf dem Georgenberg samt der Skulptur der sitzenden Frauenfigur, gestaltet vom Künstlerkollektiv Woyski-Sowinski-Lagner, erwähnt das Buch.

Denkmale für die Opfer des Faschismus: Ein Denkmal an der Fritz-Schulz-Straße in Schwarze Pumpe soll dem Namensgeber der Straße sowie Josef Linke und Rosa Rehork gewidmet sein, die mit Flugblätter gegen die Nationalsozialisten kämpften und dafür ins Zuchthaus kamen. Fritz Schulz wurde am 6. Februar 1945 hingerichtet.

Denkmale für Deserteure und Kriegsgegner: 80 Wehrmachtssoldaten verließen im April 1945 ihre Truppen und wurden in der Wolfsschlucht bei Weissagk von der SS gefasst. Ein Standgericht verurteilte sie zum Tode. Auf dem Hautpfriedhof in Forst steht ein Stein: "Hier ruhen 80 namenlose Deutsche, ermordet im April 1945 in Weissagk durch die SS." Er wurde im Jahr 1976 von Weissagk in die Neißestadt verlegt, da der Ort dem Tagebau zum Opfer fiel.

Erinnerung an Arbeitslager, Todesmärsche und Deportationen: 4500 Menschen arbeiteten in einem Gubener Zweigwerk der Rheinmetall Borsig AG, die Hälfte von ihnen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Alexandra Klei schreibt: "Sie lebten zum Teil in einem mit Stacheldraht abgesperrten Lager mit rund 30 Baracken am Schlagsdorfer Weg." 223 Ausländer seien dort gestorben, unter ihnen auch Kinder. Nach dem Jahr 1945 wurden die Werksanlagen demontiert, 1959 entstand dort das Chemiefaserwerk.

Auf dem Waldfriedhof an der Drebkauer Straße in Spremberg befindet sich ein Gedenkstein: "28 KZ-Häftlinge wurden hier von der SS ermordet / unsterbliche Opfer / ihr sanket dahin / umgebettet vom Friedhof Gosda 1964". Die Gefangenen gehörten zu 630 Menschen, die auf einem Todesmarsch aus dem Außenlager Großkoschen des Konzentrationslagers Groß-Rosen kamen. Sie starben an Entkräftung - oder sie wurden von der SS erschossen.

Weitere Kapitel des Buches widmen sich den Zwangsarbeitern und den jüdischen Friedhöfen im Spree-Neiße-Kreis. Zudem stellt es einige Denkmale und Gräber aus der Region vor, die mittlerweile nicht mehr existieren.

Kommentar: Die Zeichen von gestern bleiben

Zum Thema:
Das Buch "Überall Geschichte" ist als Begleitkatalog zu einer Ausstellung entstanden, die noch in diesem Jahr im Berliner Werkraum "Bild und Sinn" in der Bergmannstraße 59 gezeigt wird - und anschließend auch im Spree-Neiße-Kreis. Es soll in den kommenden Wochen in den Bibliotheken des Landkreises erhältlich sein. Das Projekt wurde durch das Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" unterstützt.