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Brozek-Initiative will Lösung

In der Gemeindeverwaltung Brody sprechen die Forster mit Brodys Bürgermeister Ryszard Kowalczuk (v.l.). Johann Staudinger sitzt neben ihm.
In der Gemeindeverwaltung Brody sprechen die Forster mit Brodys Bürgermeister Ryszard Kowalczuk (v.l.). Johann Staudinger sitzt neben ihm. FOTO: kkz
Forst / Brody. Wie geht es mit der abgedeckten Brandstelle bei Brozek weiter? Sechs Monat nach dem Feuer auf dem Lagerplatz der polnischen Recyclingfirma beschäftigt diese Frage immer noch die Forster Bürger. Einige haben sich in einer Initiative zusammengeschlossen. Katrin Kunipatz

Ihr Ziel ist ein klärendes Gespräch mit deutschen und polnischen Umweltbehörden, den Landräten und allen anderen Akteuren.

Das Treffen fand am Montag im Gemeindehaus im polnischen Brody statt. Nur Bürgermeister Ryszard Kowalczuk und der stellvertretende Forster Bürgermeister Jens Handreck folgten der Einladung. Johann Staudinger vom BUND und Sprecher der Initiative ist enttäuscht von den vielen Absagen. "Wir wollen hier nicht nach Schuldigen suchen, sondern gemeinsam Lösungen finden", erklärt er zum Auftakt.

Bürgermeister Ryszard Kowalczuk berichtet den knapp 15 anwesenden Forstern, dass er bereits mehrere Male an der abgedeckten Brandstelle war. Emissionen, brennende oder glimmende Bereiche habe er nicht wahrgenommen. Deshalb könne er sich nicht erklären, warum einige Bewohner in Keune berichten, in den vergangenen Tagen wieder Gestank wahrgenommen zu haben. Am 31. August habe die Umweltbehörde der Wojewodschaft eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Überprüft wurden die Vorschriften für den Lagerplatz und die aktuelle Situation. Verständnis habe er für deutsche Befürchtungen, polnische Behörden würden nicht objektiv untersuchen. Kowalczuk verweist jedoch auf Messungen der BASF, welche die polnischen Ergebnisse bestätigten. Außerdem würde das polnische Umweltministerium unabhängige Messbüros beauftragen, die ihre Zertifizierung nicht mit falschen Analysen aufs Spiel setzen würden. Seit 2009 habe sich in der polnischen Umweltbehörde viel getan. Personal sei ausgetauscht worden und die Kommunikation zwischen Gemeinde und Behörde habe sich verbessert.

Stadtverordneter Michael Lindner stellt die entscheidende Frage: "Werden die Brandreste beseitigt oder ist für die polnische Seite mit dem Abdecken alles erledigt?" Bürgermeister Kowalczuk schüttelt heftig den Kopf. In der nächsten Woche wird die Feuerwehr mit Wärmebildkameras das abgedeckte Gebiet kontrollieren. Ende September ist im Gemeinderat Brody eine Sitzung mit dem Landrat von Zary und den Inspektoren der Umweltbehörde geplant. Dann soll über das weitere Vorgehen gesprochen werden. Laut Empfehlung der Feuerwehr müsse der Brandherd bis zum Jahresende abgedeckt bleiben, so Kowalczuk. "Erst im Frühjahr werden vorsichtig Proben genommen und entschieden, ob die Plasteabfälle weiterverarbeitet werden können oder per Hochtemperaturverbrennung beseitigt werden müssen." Finanziell müsse der Eigentümer dafür aufkommen, so der Bürgermeister. Sollte er das Geld dafür nicht haben, müsse die genehmigende Behörde dafür eintreten. Hier streiten Gemeinde und Landkreis im Moment über die Zuständigkeit, berichtet Kowalczuk.

Am Rand des Gesprächs überreichte Johann Staudinger eine Liste mit über 1000 Unterschriften an den stellvertretenden Forster Bürgermeister Jens Handreck. Die Forderungen der Brozek-Initiative, von denen einige bereits erfüllt sind, richten sich aber an die Entscheidungsträger des Landes Brandenburg, die jedoch nicht anwesend waren. Nach zwei Stunden endet die Unterredung mit Brodys Bürgermeister. Sabine Lindner, eine derer, die sich seit März engagieren, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis. "Der Bürgermeister hat souverän und zuverlässig geantwortet und scheint persönlich an einer Lösung interessiert zu sein", schätzt sie am Tag danach ein. Es sei noch ein langer Weg, aber man sei im Gespräch. Johann Staudinger ist vor allem hinsichtlich der Beseitigung der Brandreste skeptisch. "Wir werden weiter dranbleiben und im Frühjahr schauen, wie der Stand ist", versichert er.