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| 16:38 Uhr

Das Hochwasser 1958
Der Tag, als der Deich brach

Mit einer Ausstellung wurde an die Flut vor 60 Jahren erinnert.
Mit einer Ausstellung wurde an die Flut vor 60 Jahren erinnert. FOTO: Margit Jahn
Briesnig. Mit einer Ausstellung erinnern die Briesniger an das verheerende Hochwasser vor 60 Jahren.

Vor 60 Jahren musste alles ganz ganz schnell gehen. Der 7. Juli 1958 war ein Tag, den die Briesniger nicht vergessen – deshalb haben die Heimatfreunde Birgit Gohrbandt, Eveline Böhme und Siegried Röhrs den Jahrestag zum Anlass genommen und eine kleine Ausstellung zusammengestellt. Die Fotos wurden von den Bewohnern zusammen getragen, aber auch die Wasserwirtschaft hatte viele Fotos und Dokumente im Archiv und stellte sie zur Verfügung. Viele Zeitzeugen haben Erinnerungen ausgetauscht und das Erlebte kommentiert.

Da der Besucherandrang am Donnerstag so groß war, wurde die Gruppe nach der Besichtigung der Fotos in den Nebenraum gebeten, wo Siegmar Tilgner einen Vortrag zum Hochwasser hielt. Der spätere Leiter der Wasserwirtschaft absolvierte von 1954 bis 1958 die Ausbildung in der Wasserwirtschaft und leitete 1958 die Maßnahmen beim Hochwasser in Briesnig. Als am Pegel Görlitz Alarm ausgerufen wurde, waren Betriebe und Wasserwirtschaft in Forst nicht auf ein Hochwasser vorbereitet. Viele waren zu den Rosengartenfesttagen in Forst abgestellt, die Gesamtsituation war chaotisch, so Tilgner. Die Feuerwehr übernahm Deichwachen, war nachts mit Fackeln und Taschenlampen unterwegs. Moped-Melder übermittelten die aktuellen Pegelstände. „Das lief alles nicht fachmännisch ab“, so Tilgners heutige Einschätzung. Briesnig hatte nur ein schmales Vorland; der Damm brach. Schwemmgut verengte den Durchfluss, der Eisenbahndamm hielt die Wassermassen nicht lange auf. Das Wasser ergoss sich in die Ortschaft –  bis Heinersbrück wurde die Landschaft in den Niederungen unter Wasser gesetzt. Bahnwaggons an die Bruchstelle gefahren und dort versenkt.. „Einen Deichbruch zu schließen ist absolut schwierig“, erklärt Tilgner, auch mit Verweis auf die technischen Bedingungen des Jahres 1958.

Fred Riedel, damals beim DRK, ergänzte das Geschehen aus seiner Sicht, genauso wie Werner Robbisch, der damals 17 und bei der Feuerwehr aktiv war. „Wenn man so etwas erlebt hat, wird man robuster“ sagte Robbisch.

Eveline Böhm war damals 16 Jahre alt und gerade vier Tage an ihrer neuen Arbeitsstelle tätig, als  sie für die Versorgung der Rettungskräfte abgeordnet wurde. Im jetzigen Gemeindehaus war die Einsatzleitung eingerichtet, und mit vielen anderen Frauen mussten sie Verpflegungsbeutel packen. „Tee wurde in der Waschküche gekocht“, erinnert sie sich. Sie selbst hat gesehen, wie der Bahnwaggon in die Neiße gefallen ist. „Ich möchte so etwas nicht nochmal erleben.“ Kinder und Frauen wurden evakuiert und zu Verwandten oder nach Weißagk gebracht. Die Männer blieben und halfen bei der Evakuierung.

Wasserwirtschaftler Tilgner erläuterte, wie sich die modernen Dämme von dem unterscheiden, der damals brach. Wichtigster Unterschied: Heute wird eine Sickerschicht eingebaut und der Deich somit entwässert. An der Neiße, davon ist Tilgner überzeugt, „ist es  jetzt einigermaßen sicher“.

Wer sich für die Ausstellung interessiert, kann bei Dorothea Krüger auch eine individuelle Öffnung im Gemeindezentrum (Schulstraße 5) absprechen. Sie ist telefonisch erreichbar unter  035696 404.