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| 14:27 Uhr

Neues Projekt mit aktuellem Thema
Wissen für die Pflege vermitteln

 Die Gesellschaft in Europa wird immer älter, der öffentliche Bereich der Pflege ist immer mehr ausgelastet. Das neue Projekt will gerade auch im privaten Bereich Wissen zur Pflege vermitteln.
Die Gesellschaft in Europa wird immer älter, der öffentliche Bereich der Pflege ist immer mehr ausgelastet. Das neue Projekt will gerade auch im privaten Bereich Wissen zur Pflege vermitteln. FOTO: dpa / Oliver Berg
Forst. BQS Döbern entwickelt bei internationalem Projekt passgenauen Lehrstoff über Senioren mit. Von Steffi Ludwig

Sie sind der kleinste Partner, aber mit elf anderen aus Griechenland, Spanien, Belgien, England und Deutschland im Boot: die Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft (BQS) GmbH Döbern. Gemeinsam wollen sie innovative Ansätze für die Ausbildung im Bereich der Pflege entwickeln.

„Es geht darum, herauszufinden, welches Wissen heutzutage Menschen brauchen, die in der Pflege arbeiten oder die ihre Angehörigen zu Hause pflegen“, erklärt BQS-Geschäftsführerin Anett Müller das Anliegen des Projektes. „Es geht also nicht nur um die professionelle Pflege, sondern auch um die im privaten Bereich.“

Denn die Gesellschaft werde in ganz Europa immer älter, in zehn bis 15 Jahren werde der öffentliche Bereich die Pflege nicht mehr schaffen können, ergänzt Prokurist Frank Biewald. Deshalb sei eine der Hauptaufgaben, auch die privaten Pflegenden zu qualifizieren, unter anderem auch auf psychosozialer Ebene. „Wie gehe ich mit der Belastung um, wie kann ich mir Austausch mit anderen organisieren?“, erklärt Anett Müller nur einige Punkte.

Ziel des zwei Jahre laufenden Projektes sei es, zwei Schulungspakete  zu entwickeln, die alle Träger in Europa kostenfrei nutzen und anbieten können. Das in einem Land erworbene Zertifikat soll in der gesamten Europäischen Union anerkannt sein. Das Wissen könnte in blockweise angebotenen Fortbildungen vermittelt werden. Zudem sollen digitale Lernangebote entwickelt werden, was auch im privaten Bereich hilfreich wäre.

Startschuss des Projektes, das den Namen „Eldi – Care: Anpassung von Qualifikationen in einer wachsenden europäischen Seniorenwirtschaft“ trägt, war im November 2018 in Athen. Auch Frank Biewald und Patrick Bode von der BQS waren in Griechenland dabei. Denn die beiden Männer teilen sich mit Anett Müller die Arbeit an dem neuen Projekt. Es wird durch die Europäische Kommission im Rahmen des „Erasmus plus“-Programms „Allianzen für branchenspezifische Fertigkeiten“ gefördert.

„Es ist unser erstes Erasmus-Projekt“, so die Geschäftsführerin. Die BQS, die ihren Verwaltungssitz in Forst hat, war über die kreiseigene Wirtschaftsfördergesellschaft CIT dazu gekommen, die einen Projektpartner suchte. Antragsteller und Koordinator sei der große griechische Bildungsträger AKMI, dessen Vertreter akzentfreies Deutsch spreche, berichtet Biewald. Ansonsten laufe die Verständigung auf Englisch. Die englischen und spanischen Partner seien eher im Bereich Altenpflege angesiedelt, der belgische Partner European Ageing Network arbeite ähnlich einem Institut als Dienstleister für die Altenpflege. Zudem seien die englische Staffordshire-Universität und die spanische Universität Malaga beteiligt. Der einzige deutsche Träger neben der BQS sei eine Qualitätsmanagement-Gesellschaft aus Bayreuth.

Jeder Partner habe spezielle Aufgaben, so Biewald. Die BQS habe den Auftrag, die zu entwickelnden Lehrprogramme an regionale und nationale Bedürfnisse anzupassen. Dazu werde die BQS in der nächsten Zeit Interviews führen, um den derzeitigen Stand und die Bedürfnisse im Bereich der Pflege und Betreuung älterer Menschen abzufragen. Einbezogen werden sollen Bildungsanbieter, aber auch Pflegeheime, Pflegedienste, die Politik und Privatpersonen, die jemanden pflegen, in Cottbus und Spree-Neiße. Momentan laufe die Akquise.

Zu Pflegeheimen und Pflegestellen habe die BQS seit Jahren einen guten Draht, berichtet Anett Müller. Zudem habe sich die BQS im vergangenen Jahr für die berufliche Weiterbildung qualifizieren lassen und könne Weiterbildungen für das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit anbieten.  

Das Projekt „Eldi – Care“ sei dennoch Neuland für die BQS, da sich die Arbeit auf Stoßzeiten konzentrieren werde. In Abständen seien Treffen – das nächste in Malaga – organisiert, zwischendurch werde per Skype konferiert. „Es ist gut angelaufen, die Partner sehen sich nicht als Konkurrenten, sondern arbeiten für die gemeinsame Sache“, hat Frank Biewald festgestellt. „Und für die Region ist das Projekt eine gute Sache.“

Eine Internetseite zum Projekt sei noch in Arbeit, berichten die Mitarbeiter.