Jahrein, jahraus hat die Forsterin Ingrid Ebert einen Bollerwagen vor die Haustür gestellt, mit Blumen bepflanzt, manchmal etwas Obst hineingelegt. "Zum Naschen im Vorbeigehen", sagt sie. Die Idee hatte sie aus Süddeutschland - dort sei der bepflanzte Wagen ein beliebtes Schmuckstück für die Häuserfronten. Schmücken wollte auch sie ihr Haus. Bis Vandalen ihren Wagen in der Nacht zum Donnerstag so zerstört haben, dass Ingrid Ebert die Nase voll hat. "Jetzt hole ich ihn rein", sagt sie. Was in Süddeutschland gang und gäbe sei, sei offenbar in Forst nicht möglich. Irgendjemand meine immer, das Eigentum anderer zerstören zu müssen.

Der Sachschaden, den Ingrid Ebert zu beklagen hat, ist nicht besonders groß. Das weiß sie, dennoch will sie mit ihrem Beispiel einen Anstoß zum Nachdenken geben. Forst sei schon genug gebeutelt vom Wegzug und Einwohnerschwund. Und es soll noch nicht einmal möglich sein, die Stadt in Eigeninitiative etwas schöner zu gestalten? Ingrid Ebert sprach ihren Fall bei Facebook an, die Reaktionen folgen schnell. Andere Forster berichten von ähnlichen Erfahrungen, beklagen den Werteverfall nicht nur in der Rosenstadt und das fehlende Benehmen einiger Forster. Ingrid Ebert selbst weiß von vielen anderen Fällen zu berichten, in denen Dekoration mutwillig zerstört worden ist - Figuren aus der Weihnachtsdekoration, Blumenkästen auf der Cottbuser Straße, . . . Sie selbst hatte in Blumenkästen am Haus Kakteen gepflanzt, weil sie dachte, die würde keiner einfach so anfassen. Doch auch die hatte sie eines Morgens auf der Straße verteilt vorgefunden.

Nicht auf jede Sachbeschädigung folgt eine Anzeige - so liefern auch die Zahlen aus dem Forster Polizeirevier zu entsprechenden Fällen kein vollständiges Bild. Auch Ingrid Ebert hat keine Anzeige erstattet. Dafür, sagt sie, ist der Schaden zu klein. Ihr geht es eher ums Prinzip. Deshalb der Anstoß bei Facebook.

Andere wiederum erstatten Anzeige - dann etwa, wenn der Schaden nicht nur ein ideeller ist wie beim 36 Jahre alten Bollerwagen von Ingrid Ebert. Die Anzahl der registrierten Fälle von Sachbeschädigung in den letzten fünf Jahren ist allerdings deutlich gesunken. Das zeigt ein Blick in die Dokumentation des brandenburgischen Innenministeriums. Im Jahr 2015 zählte die Polizei im Zuständigkeitsbereich Forst und Döbern-Land 209 Fälle von Beschädigung, 2010 waren es noch 377. Allerdings - das zeigen die Zahlen des Ministeriums auch - scheint die Aufklärung von Fällen der Sachbeschädigung besonders problematisch zu sein und liegt seit 2010 zwischen 25 und 35 Prozent. Angesichts einer Aufklärungsquote sämtlicher Straftaten von nahezu 50 Prozent im vergangenen Jahr also auffallend niedrig. Einen möglichen Grund liefert Ingrid Ebert selbst - es sei schwer nachzuvollziehen, warum Vandalen mit ihrer Zerstörungswut durch die Stadt zögen. Entsprechend schwer ist schließlich auch die Nachverfolgung. Wer bloß zerstört und nichts stiehlt, wird auch nicht mit Beute auf der Straße erwischt.

Ein Vergleich mit Guben zeigt bei der Zahl der registrierten Fälle von Sachbeschädigungen: Die nördlichen Nachbarn haben in den vergangenen Jahren noch heftiger als Forster mit Vandalen zu tun. 2015 zählt die Gubener Polizei 259 Fälle, im Jahr zuvor waren es noch 400. Die Aufklärungsquote bei den Gubenern ist ähnlich wie in Forst. Auch dort werden nur rund ein Viertel der Täter gestellt. 235 Fälle von Sachbeschädigung gab es 2015 in Spremberg. Dort lag die Aufklärungsquote laut Innenministerium allerdings bei fast 50 Prozent.

Zum Thema:
Für Fälle von Sachbeschädigungen werden nach Auskunft des Innenministeriums keine Schadenssummen dokumentiert. Die Dokumentation von Schadenssummen ist abhängig von einem bundeseinheitlichen Straftatenkatalog, informiert das Ministerium weiter. Somit ist eine umfassende Angabe des entstandenen Schadens durch die Sachbeschädigungen in Forst, Guben und Spremberg nicht möglich.