Von Nils Ohl

Es sind drei sehr unterschiedliche Männer: Sven Dzierzon, der früher auf Montage gearbeitet hat, Daniel Lehmann, der gerade eine duales Studium absolviert, und der Rentner Henry Pottag. Gemeinsam ist ihnen eine schwierige persönliche Vorgeschichte und ihr ehrenamtliches Engagement für suchtkranke Menschen in Forst beim Blauen Kreuz.

Den Weg zum Blauen Kreuz hat jeder auf andere Art gefunden.

„Ich war selbst schwer alkoholabhängig und habe gekifft“, sagt Sven Dzierzon. Er hat nach der Wende lange im Westen gearbeitet und dort einen Freundeskreis, bei dem Alkohol zum Alltag gehörte.

Nach einem Absturz 1997 ging  nichts mehr und er suchte in der Heimat Kontakt zum Blauen Kreuz in Drebkau. „Der  Glaube an Jesus hat mich tatsächlich frei von der Sucht gemacht.“

Daniel Lehmann hat mehrere Jahre im Gefängnis gesessen und dort Kontakt zur Gefangenenbetreuung des Blauen Kreuzes bekommen. Obwohl selbst nicht süchtig, hat er in dessen Angebot Halt für das weitere Leben gefunden.

Zu DDR-Zeiten als Süchtiger „Brennspiritus gesoffen“

Henry Pottag hat, wie er berichtet, zu DDR-Zeiten als Süchtiger „Brennspiritus gesoffen, obwohl ich wusste, dass ich daran kaputt gehen konnte, weil das so billig war.“ Die Sucht zwinge einen, etwas zu tun, was man eigentlich nicht will.

Anfang der 80 Jahre kam er in Kontakt mit der „AGAS“, der Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr von Suchtgefahren des Diakonischen Werkes. Über den Glauben gelang es ihm dann tatsächlich, von der Sucht los zu kommen. Allerdings gab es im Raum Forst kein eigenes Angebot der „AGAS“.

Nun erreichten ihn immer wieder Anfragen von Betroffen, die gehört hatten, das er „trocken sei“ und wissen wollten, wie ihm das gelungen ist. Also entschloss er sich 1988 in den Räumen der Baptistengemeinde von Forst eine AGAS-Gruppe zu gründen. Sie ging nach der Wende direkt in den christlichen Suchthilfeverband Blaues Kreuz über, ein Verbund, der schon im 19. Jahrhundert gegründet worden war.

Henry Pottag leitet die Forster Begegnungsgruppe des Blauen Kreuzes bis heute. Hier kommen regelmäßig 30 bis 35 Menschen zusammen, zum jährlichen „Einkehrtag“ können es sogar 80 sein. „Keiner von uns hat sich mit zehn oder zwölf Jahren vorgenommen, Drogen zu nehmen oder im Knast zu landen. Doch dann ging es schief“, sagt Henry Pottag. Das Blaue Kreuz vermittele, dass es trotzdem Auswege gibt.

Blaues Kreuz Forst hilft Süchtigen im Gefängnis

Ein wichtiger Teil der Arbeit ist inzwischen die Suchthilfe im Gefängnis. „Seit 2006 sind wir im Gefängnis in Duben aktiv“, so Henry Pottag. Gefangene, die sich auf dem Weg aus der Sucht vom Blauen Kreuz helfen lassen wollen, können das dort in einer eigenen Gruppe tun. Das bei völliger Freiwilligkeit. Niemand kann zu dieser „Therapie“ beordert werden.

 Zu der Gruppe in Forst kommen Junge und Alte, Männer und Frauen. „99 Prozent sind selbst betroffen. Und Alkohlsucht ist ein Problem aller sozialen Schichten“, meint Daniel Lehmann, „Aber gerade unter den jungen Leuten in Forst nimmt auch die Drogenabhängkeit stark zu.“

Über die Angebote des Blauen Kreuzes schaffen es viele, tatsächlich, von der Sucht loszukommen.  „Es hilft Betroffene, dass man sieht, auch ein Leben ohne Sucht ist möglich. Aber die Bereitschaft muss da sein“, erklärt Dzierzon.

Jeder wird beim Blauen Kreuz in Forst respektiert

„Jeder ist willkommen, auch wenn er nicht glaubt“, ergänzt Daniel Lehmann. Und hebt hervor, dass hier jeder   unabhängig von seiner Vorgeschichte respektiert wird.

Jeden Dienstag um 19 Uhr trifft sich die Begegnungsgruppe. Zu den Besuchern gehört Holger: „Ich bin seit zwei Monaten hier. Ich finde es gut, dass man zusammen sitzt und einfach reden kann“ Er hofft, seine Probleme so weit in den Griff zu bekommen, dass er seinen Sohn wieder bekommen kann.

Susi, eine junge Frau, ist seit rund einem Jahr dabei. Ein Kumpel hat sie eingeführt: „Ich habe hier Leute gefunden, denen es wie mir geht. Man wird nicht runtergestuft.“ Und sie trinke jetzt auch deutlich weniger.