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| 13:35 Uhr

Erlebnis-Essen knüpft an Traditionen an
Besucher verkosten Hirseklöße

Der Küchenchef vom Gut Neu Sacro, Tobias Raak, präsentiert die Hirseklöße.
Der Küchenchef vom Gut Neu Sacro, Tobias Raak, präsentiert die Hirseklöße. FOTO: Danny Herzog
Sacro. Ein sorbisch-wendisches Nationalgericht wurde am Wochenende den Gästen auf dem Gut Neu Sacro serviert.

Mit der Verkostung sogenannter „Hierschekleeßchen“ und dem zugleich stattfindenden Trödelmarkt begann am Sonnabend auf dem Gut Neu Sacro die Saison der traditionellen Außenveranstaltungen. Pünktlich um 16 Uhr bildete sich eine lange Besucherschlange an der Theke im ehemaligen Kuhstall des weit reichenden Geländes. Der Grund für den großen Andrang war eines der wichtigsten warmen Hauptgerichte sorbisch-wendischer Vorfahren: die „Hierschekleeßchen“, auf hochdeutsch „Hirseklößchen“ genannt.

Den Anstoß für diese Veranstaltung gab der Leiter des Sacroer Dorfmuseums, Reinhard Natusch. Bei regelmäßigen Zusammenkünften von Museums- und Heimatstubenleitern des Lausitzer Seenlandes setzt er sich dafür ein, sorbisch-wendische Traditionen zu erforschen und sie zu erhalten. „Wenn man in der heutigen Zeit bestehen möchte, egal wo, dann muss man gute Ideen haben und diese umsetzen“, betonte Reinhard Natusch, der sich rückblickend selbst von Kindheit an als „Jäger und Sammler“ bezeichnet, wenn es um historische Dokumente geht. Mit großem Engagement ist er auch bei den Forster Geschichtsstammtischen dabei. Die Idee der Verkostung kam ihm beim Durchstöbern von alten Kochbüchern und Rezepten in den Sinn.

Die „Hierschekleeßchen“ bestehen aus der Getreideart Hirse, vermischt mit Sellerie, Lauch, Karotte sowie Speck. Anschließend wird die von Hand geformte Masse in Weißkraut eingewickelt und geschmort. Fachmännisch angerichtet, entsteht ein komplettes Gericht, das nicht nur lecker schmeckt, sondern auch ordentlich satt macht.

„Es hat vorzüglich geschmeckt. Das Rezept nehme ich mir mit nach Hause“, sagte Besucherin Cornelia Heidrich aus dem Cottbuser Umland. Mancher Gast stellte sich sogar ein zweites Mal an. „Die perfekte Würzung und die Verwendung regionaler Zutaten finde ich optimal“, sagte Achim Krämer, der das Gut Neu Sacro erstmals besuchte.

Regionale Produkte waren auch für die Sorben und Wenden essenziell. Sie mussten ihre Gerichte aus Zutaten entwickeln, die sich vor ihrer Tür und im näheren Umkreis befanden.

„Warum ich mich genau für dieses Gericht entschieden habe, kann ich nicht sagen“, bekannte Initiator Reinhard Natusch. Allerdings kennt er das Gericht in anderer Form aus früheren Zeiten von seiner Großmutter. „Mir war es wichtig, dass das Essen aus unserer Nähe kommt und seinen Ursprung hier hat.“ Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Gut Neu Sacro, insbesondere mit Objektmanagerin Sylvia Müller. Sie ist in erster Linie für die Gastronomie, den Hofladen und die touristischen Attraktionen auf dem Gelände verantwortlich. „Herr Natusch ist mit der Idee an uns herangetreten. Wir sind immer offen für Neues“, erklärte Sylvia Müller.

Am vergangenen Montag fand schließlich eine Verkostung im internen Gremium statt, bei der die Möglichkeiten mit allen Verantwortlichen, vor allem mit dem Küchenpersonal, besprochen wurden. „Ich bin ganz begeistert davon. Die Küche hat große Leistung erbracht“, sagte Reinhard Natusch. Die Absprachen zu möglichen gemeinsamen Projekten zwischen Heimatmuseum und Gut erfolgen in der Regel immer spontan, ohne feste und regelmäßige Treffen. Da die Resonanz der Gäste zu dem herzhaften Gericht durchweg positiv ausfiel, werden die Hirseklößchen wahrscheinlich auch auf der Speisekarte im Bistro des Guts zeitweise zu finden sein. „Es sind weitere Verkostungen geplant im Zusammenhang mit den Trödelmärkten“, kündigte Organisatorin Sylvia Müller an. Die nächste Veranstaltung in dieser Form soll am 4. August stattfinden. „Welches Gericht wir anbieten, bleibt noch geheim“, erklärte sie. Fest steht, dass es wieder in die Richtung der sorbisch-wendischen Tradition gehen wird.

Der nächste Höhepunkt auf dem Gut Neu Sacro findet am Nachmittag des 28. April statt. Auf dem Programm stehen Falkenschau, Waldtierausstellung und Bogenschießen. Am Tag darauf haben interessierte Besucher die Gelegenheit, eine Sonderausstellung anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Sacroer Feuerwehr zu besichtigen. Veranstalter ist das Sacroer Heimatmuseum unter der Leitung von Reinhard Natusch.