Jugendlichen fällt es oft schwer, in der Vielzahl an Ausbildungswegen einen Überblick zu bekommen oder zu verstehen, was sich hinter welchem Berufsbild verbirgt. Da ist rechtzeitige Berufsorientierung in der Schule gefragt – wie am Friedrich-Ludwig-Jahn Gymnasium von Forst. Wobei der erste Schritt in der Berufsorientierung eine Potenzialanalyse ist.

Genau dafür sitzen die Jugendlichen der Klasse 7 c vor Steffen Krumpe: „Hier könnt ihr euren Traumberuf präsentieren. Und wer noch keinen hat, sucht sich einfach einen aus“, erklärt ihnen der Mitarbeiter der FAW – der Fortbildungsakademie der Wirtschaft.

Katalog der Berufsbilder für Forster Gymnasiasten

„Ich will Filme machen“, ruft ein Junge.

„Dann schlage mal unter Mediengestalter Bild und Ton nach“, rät Steffen Krumpa und verteilt Kataloge, in denen alle gängigen Berufsbilder erfasst sind. Darin können sich die Schüler informieren, wo sie ihren Lieblingsberuf erlernen können, wie die Verdienstspanne ist und welche persönlichen Voraussetzungen mitgebracht werden sollten.

Bald sind alle eifrig mit Stiften und Büchern beschäftigt. Auf den Plakaten erscheinen Begriffe wie „Tierpfleger“, „Lehrerin“, „Kindergärtnerin“.

„Die Potenzialanalyse ist eines der ersten Dokumente im Berufswahlpass“, erklärt Lehrer Heiko Wölk. Er koordiniert das Thema am Forster Gymnasium. Schon ab der siebten Klasse, so Wölk, wird mit dem Berufswahlpass, einem für jeden Schüler speziell angelegten Ordner, gearbeitet. Nach der Potenzialanalyse folgen darin Unterlagen von Schülerbetriebspraktika, Zukunftstagen und Exkursionen. Am Ende der 9. Klasse mündet der Ganze in einem Bewerbungstraining für Studium oder Beruf.

„In der 11. und 12. Klasse fokussieren wir die Berufsorientierung dann noch stärker auf Studienmöglichkeiten, unter anderem durch Exkursionen an Hochschulen oder zu Betrieben mit dualen Studienangeboten“, so Heiko Wölk.

Kein normaler Schulalltag für Schüler aus Forst

Die Potenzialanalyse dauert immer einen Tag und wird, auch an anderen Schulen, in der 7. Klasse durchgeführt.

„Dabei ist nicht entscheidend, schon jetzt einen konkreten Beruf auszuwählen, sondern zu lernen, wie man an eine Berufswunsch herangeht, wie und wo man sich informiert und was die eigenen Interessen und Fähigkeiten sind“, sagt der Lehrer.

„Die Situation soll vom normalen Schulalltag abweichen“, so Steffen Krumpa. Deshalb findet die Potenzialanalyse in den Schulungsräumen der FAW statt und wird von externen Trainer durchgeführt. Bezahlt wird sie aus Fördermitteln des Bundes-Bildungsministeriums.

Individuelle Auswertung der Aufgaben mit den Eltern in Forst

Es gibt Einzel- und Teamaufgaben, um Dinge wie Leistungsbereitschaft, Kommunikationsstärken oder Konfliktfähigkeit besser zu erkennen. Als Ergebnis folgt einige Tage später eine individuelle Auswertung, zu der auch die Eltern eingeladen sind.

Inzwischen sind die Plakate fertig und die Schüler beginnen, ihre Traumberufe vorzustellen.

Giselle Piorko würde gern Lehrerin an der Grundschule werden. Das Studium, so hat sie herausgefunden, ist in Brandenburg in Potsdam möglich, wobei man sich für zwei Fächer entscheiden muss.

Der Traumberuf von Kilian Bauhagel ist Konditor: „Da ich gern backe.“ Dafür braucht man eine dreijährige Ausbildung und kann später auch Konditor-Meister werden.

Und Liza Genz sagt: „Schauspielerin – dieser Berufswunsch ist mir in den letzten Wochen immer klarer geworden.“

Forster Mädchen haben konkrete Berufsvorstellungen

Leoni Charlott Unger möchte Fotografin werden. Ihr Onkel hat ihr vor Kurzem eine Kamera geschenkt. Damit hat sie schon einiges ausprobiert: Nah-Aufnahmen, Schwarz-Weiß-Bilder.

„Der Fragebogen hat mir geholfen, meine Stärken herauszufinden“, erklärt sie. „Ich wusste schon, dass Fotografieren mein Hobby ist. Aber ich habe bisher nicht daran gedacht, dass das auch als Beruf geht.“

„Es ist schon erstaunlich, welche konkreten Vorstellungen viele Schüler schon in der 7. Klasse haben“, meint Heiko Wölk. „Vor allem die Mädchen. Bei den Jungen ist das etwas weniger ausgeprägt.“